2009.03.07 Neuss : DFB ermittelt nach Zweitliga-Krawallen

Nach Krawallen am Rande des Zweitligaspiels St. Pauli gegen Rostock hat der DFB Ermittlungen aufgenommen. Hansa droht aufgrund des Verhaltens seiner Fans eine saftige Geldstrafe.

dek
Der DFB ermittelt nach Krawallen beim Spiel St. Pauli gegen Rostock

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat nach den Krawallen am Rande des Zweitliga-Spiels zwischen dem FC St. Pauli und Hansa Rostock (3:2) die Ermittlungen aufgenommen. "Was die Vorfälle außerhalb des Stadions angeht, werden wir zu Beginn der Woche die Berichte der Polizei genau analysieren und auswerten. Zu den Vorfällen innerhalb des Stadions hat der Kontrollausschuss des DFB die Ermittlungen aufgenommen", sagte DFB-Sprecher Harald Stenger.

Am Rande des Nordderbys, das bereits im Vorfeld als Risiko-Partie eingestuft worden war, war es zu den befürchteten großen Ausschreitungen gekommen. Die Polizei war mit 1367 Beamten im Einsatz - eine Rekordzahl für ein Zweitliga-Duell. Nach dem Spiel eskalierte die Situation rund um das Stadion, als 1300 "Fans" von St. Pauli den Abmarsch der Rostocker Anhänger zum Bahnhof aufhalten wollten. Es wurden Flaschen und Pyrotechnik geworfen, die Polizei ging mit Wasserwerfern und Schlagstöcken vor.

Rostock kündigt bundesweite Stadionverbote gegen identifizierte Randalierer an

Bei den Krawallen wurden fünf Polizisten und zwei Fans verletzt. Ein Beamter musste mit einer durchtrennten Arterie im Knie ins Krankenhaus gebracht werden. Er konnte die Klinik am Samstagmorgen wieder verlassen.

Rostock kündigte am Samstag bundesweite Stadionverbote gegen identifizierte Randalierer an. Der Verein von der Ostseeküste teilte mit, dass nach den ersten Video-Auswertungen bereits vier Rowdys ermittelt werden konnten. "Wir werden gegen diese Personen ein dreijähriges bundesweites Stadionverbot verhängen und zivilrechtliche Schritte einleiten, sollten wir aufgrund der Vorkommnisse durch den DFB mit einer Geldstrafe belegt werden", sagte Hansas Veranstaltungsleiter Rainer Friedrich.

Bereits im Vorfeld der Partie war es zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizei musste Wasserwerfer einsetzen. Vor dem Stadion zettelten 200 Rostocker Anhänger, die nicht im Besitz einer Eintrittskarte waren, vor dem Eingang zum Gäste-Block Krawalle an. Nachdem die Polizei erneut mit dem Einsatz des Wasserwerfers drohte, entspannte sich die Lage. Die Rostocker Polizei hatte außerdem vor der Abreise des Sonderzuges in Rostock vier Hansa-Fans aus dem Verkehr gezogen.

Grabow: "So ein Verhalten ist absolut inakzeptabel und nicht hinnehmbar"

In der Halbzeitpause des Spiels waren im Rostocker Fan-Block Rauchbomben gezündet worden. Der Wiederanpfiff der Partie verzögerte sich um einige Minuten. Erst gegen 23.30 Uhr endeten die Unruhen in der Stadt. "So ein Verhalten, für das wir uns beim FC St. Pauli entschuldigen, ist absolut inakzeptabel und nicht hinnehmbar", sagte der Rostocker Vorstandsvorsitzender Dirk Grabow.

Kritik an der Spielansetzung an einem Freitagabend wehrte die Deutsche Fußball Liga (DFL) unterdessen ab. "Wir stimmen die Ansetzungen mit der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze ZIS ab und haben auch hier den Vorgaben entsprochen", sagte der für den Spielbetrieb zuständige DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus.

Rostock muss nun mit einer saftigen Geldstrafe oder sogar einer Platzsperre rechnen, da der Klub als Wiederholungstäter gilt. Im April 2007 hatten Fans beim Spiel in Essen Feuerwerkskörper gezündet, es gab 14 Verletzte und 75 Festnahmen. Der Klub musste 100.000 Euro Strafe zahlen und bekam eine Stehplatz-Sperre für ein Spiel. Auch beim Hinspiel gegen St. Pauli (3:0) im Herbst vergangenen Jahres war es zu Ausschreitungen gekommen.