2009.03.07 Neuss : Nachlässige Dopingprobe bei Gladbachs Daems

Nach Medienberichten soll auch Borussia Mönchengladbach von einer Dopingtest-Affäre betroffen sein. Filip Daems soll sich bei einer Trainingskontrolle 45 Minuten verspätet haben.

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Filip Daems soll sich bei einer Dopingkontrolle verspätet haben

Nach der Dopingtest-Affäre um Andreas Ibertsberger und Christoph Janker von 1899 Hoffenheim ist eine weitere nachlässig durchgeführte Dopingprobe in der Bundesliga bekannt geworden. Nach einem Bericht der Bild-Zeitung hat es bei einer Trainingskontrolle von Filip Daems von Borussia Mönchengladbach am 26. Oktober Unregelmäßigkeiten auf Seiten des Kontrolleurs gegeben. Der hatte offenbar Daems, der nach dem Training nicht sofort die gewünschte Urinprobe abgeben konnte, zuerst zur Massage gehen lassen.

"Aus unserer Sicht war es eine korrekt durchgeführte Kontrolle. Filip Daems ist mit Erlaubnis des Arztes zur Massage gegangen", sagte Mönchengladbachs Pressesprecher Markus Aretz dem Sport-Informations-Dienst (sid). Laut Bild hatte der verantwortliche Kontrolleur später in einem Bericht angegeben, Daems sei erst nach 45 Minuten im Kontrollraum erschienen, nachdem die Kontrolleure fünf Minuten zuvor einen Zeugwart angesprochen hatten.

Stenger: "Uns liegt keine Meldung der NADA vor"

Mysteriös an diesem Vorfall ist allerdings, dass Deutschlands führendes Doping-Kontrolllabor PWC bei der Trainingskontrolle von Daems und Teamkollege Karim Matmour keine Unregelmäßigkeiten an die Nationale Anti-Doping-Agentur gemeldet hatte, die für Trainingskontrollen zuständig ist, und entsprechend auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nicht informiert wurde.

"Uns liegt keine Meldung der NADA vor", sagte am Samstag DFB-Mediendirektor Harald Stenger dem sid. Die NADA sei auch erst am Freitag informiert worden, erklärte NADA-Specherin Ulrike Spitz dem sid. "In den Protokollen der Probe waren keine Unregelmäßigkeiten vermerkt", sagte Spitz. Daher habe man bei PWC nachgefragt und folgende Auskünfte erhalten. Der zuständige Kontrolleur sei von dem Unternehmen wegen eines Fehlverhaltens entlassen worden und habe erst danach von den Unregelmäßigkeiten berichtet.

Laakmann: "Ich habe den Bericht für einen Racheakt gehalten"

Volker Laakmann, Geschäftsführer von PWC, erklärte der Bild-Zeitung: "Ich habe den Bericht für einen Racheakt gehalten." Daher habe er keine Meldung an die NADA gemacht. Diesen Vorwurf müsse er sich gefallen lassen. Spitz kündigte an, dass die NADA den Fall jetzt noch einmal untersuchen werde. "Wir müssen herausfinden, was passiert ist", sagte sie.

DFB-Präsident Theo Zwanziger sagte der Bild: "Wir wollen keine Konfrontation mit der Nada. Aber der Vorfall zeigt, dass auch bei den von der Nada beauftragten Kontrollen Fehler passieren können."

Am Freitag waren die beiden Hoffenheimer Profis Ibertsberger und Janker vom Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vorläufig freigesprochen worden, da sie nicht schuldhaft gehandelt haben. Allerdings wird wegen diverser Versäumnisse Anklage gegen Hoffenheim und den Dopingbeauftragten des Klubs, Peter Geigle, beim DFB-Sportgericht erhoben. Im schlimmsten Fall droht Hoffenheim eine Geldstrafe von bis zu 150.000 Euro und die Aberkennung von Punkten.