2009.03.10 Neuss : Finanzkrise kostet Formel 1 viele Sponsoren

Die weltweite Finanzkrise hat Auswirkungen auf das Sponsoring in der Formel 1. Viele Banken sind schon ausgestiegen, doch die Verantwortlichen geben sich nach außen gelassen.

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Bernie Ecclestone

Der erste Hersteller ist schon ausgestiegen, die Banken als Großsponsoren flüchten reihenweise und die Vorsicht potenzieller Neueinsteiger lähmt den Markt: In der Formel 1 geht die Angst vor weiteren schlimmen Folgen der weltweiten Finanzkrise um, doch die Verantwortlichen bemühen sich um Gelassenheit.

So versichert Formel-1-Boss Bernie Ecclestone: "Wir haben viele Sponsoren und ich bin sicher, dass alle Teams weitermachen werden." Zumindest dies scheint nach der Übernahme des Honda-Rennstalls durch Ross Brawn sicher, zumal alle Teams in Kürze ein neues Concorde Agreement bis Ende 2012 unterschreiben wollen.

Theissen: "Formel 1 bringt mehr, als sie kostet"

"Unser Formel-1-Engagement steht auf finanziell soliden Beinen", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Und BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen versicherte: "Die Formel 1 bringt aus Gesichtspunkten des Marketings und der Technologie-Entwicklung mehr als sie kostet."

Die Frage ist, ob Besonnenheit und die Sparmaßnahmen mit Budget-Kürzungen von bis zu 50 Prozent bis 2010, wie sie in der vorigen Woche die Teamvereinigung FOTA vorgeschlagen hat, ausreichen, um die eingebrochenen Sponsoren-Einnahmen aufzufangen. Insgesamt mussten die Teams einen Rückgang von rund 50 Millionen Euro verkraften, und um die frei gewordenen Plätze reißen sich die Firmen nicht. Nie in den letzten fünf Jahren gab es weniger neue Sponsoren.

"Alle Banken werden verschwinden"

Welche Auswirkungen die Ausstiegswelle genau haben wird, ist noch nicht abzusehen, weil viele langjährige Verträge noch laufen. "Alle Unternehmen, die nicht elementar in der Branche verwurzelt sind, werden ihr Engagement genau überdenken", sagt der seit Jahren in der Formel 1 tätige Marketing-Berater Kester Grondey. Der frühere Rennfahrer und heutige Premiere-Experte Marc Surer hatte vor kurzem bereits erklärt, er rechne damit, dass "alle Banken verschwinden werden".

Die Royal Bank of Scotland bei Williams, ING bei Renault und die Credit Suisse bei BMW, das in der vorigen Woche gegen den Trend den Einstieg eines Online-Brokers vermeldete, sind bereits ausgestiegen. Dies trifft die Formel 1 bis ins Mark. Denn als 2006 wegen des Tabakwerbeverbots bis auf Marlboro bei Ferrari die Zigarettenhersteller ausstiegen und rund 200 Millionen Euro vom Markt verschwanden, waren es vor allem die Banken, die diese Lücke füllten.

Ihre Rückzüge beunruhigen Williams-Teamchef Frank Williams offiziell nicht. "Das ist wie bei Ebbe und Flut. Irgendwann werden sie wiederkommen." Auch der Ferrari-Präsident und FOTA-Vorsitzende Luca di Montezemolo gibt sich gelassen. "Ich bin schon sehr lange in der Formel 1. Bei Krisen in einem Sektor kommen in Zukunft halt Sponsoren aus anderen Sektoren", sagte er: "Wir haben schon ganz andere Situationen überstanden." Zudem hofft die FOTA, in Zukunft über neue Märkte wie Indien oder Russland auch neue Geldgeber zu finden.

Hoffen auf Großfirmen

Doch die Akquise neuer Sponsoren ist schwerer denn je. Die Teams hoffen auf Großfirmen mit gutem Image, die sich für zwei oder drei Jahre binden. Bei Vertragsverlängerungen versuchen aber viele, den Preis zu drücken. Wogegen die Teams ebenfalls gerne auf Zeit spielen und sich die Preise nicht verderben lassen wollen.

"Werbung in der Formel 1 lohnt sich in der Regel nur für Firmen, die auch international tätig sind", meint Grondey. Eine internationale Umfrage unter 1000 Bürgern ergab immerhin, dass bei Firmen wie Red Bull 37,2 Prozent der Befragten das Engagement in der Königsklasse bewusst ist. Eine Marke wie Mercedes erreicht gar 49,7 Prozent.

"Ich glaube, die Formel 1 wird stets eine starke Spielwiese für Sponsoren bleiben", meint Montezemolo. Und die These, dass die Formel 1 nach der Krise gesünder sei als vorher, stützt auch Adam Parr. In den vergangenen Jahren, so der Williams-Geschäftsführer, habe man Schulden machen müssen, um mit den anderen mitzuhalten. Dies sei nun nicht mehr nötig.