2009.03.10 Neuss : Klinsmann warnt vor Überheblichkeit

Vor dem Champions-League-Rückspiel gegen Sporting Lissabon hat Coach Klinsmann sein Team gewarnt, den Gegner zu unterschätzen. Die Bayern hatten das Spiel in Portugal 5:0 gewonnen.

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Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann

Den leichten Aufwärtstrend fortsetzen, eine gute Show abliefern und in Europa weiter für Furore sorgen: Der deutsche Meister Bayern München will bei seinem Spaziergang ins Viertelfinale der Champions League gegen Sporting Lissabon trotz des komfortablen Vorsprungs und erheblicher Personalsorgen keinen Schlendrian aufkommen lassen.

"Wir müssen den nötigen Ernst haben und dürfen nicht leichtsinnig werden. Das können wir uns nicht erlauben. Es ist kein Selbstläufer", warnte Trainer Jürgen Klinsmann nach dem beeindruckenden 5:0 in Lissabon vor dem Achtelfinal-Rückspiel am heutigen Dienstag (20.45 Uhr/live bei Premiere) vor Überheblichkeit und appellierte an die Ehre seiner Stars: "Das Stadion ist ausverkauft, wir wollen den Fans etwas bieten und sind verpflichtet, ein gutes Spiel zu machen. Deshalb nehmen wir das sehr ernst. Wir sind zwar mit anderthalb Beinen weiter, aber eben noch nicht ganz."

Im Tor erhält überraschend Jörg Butt, der anstelle von Stammkeeper Michael Rensing spielt, eine Bewährungschance. "Ich bin froh, dass ich mein erstes Pflichtspiel für die Bayern machen kann. Es ist natürlich etwas Besonderes, dass es in der Champions League ist. Dass es gegen eine Mannschaft aus Lissabon geht, bedeutet eine zusätzliche Motivation", sagte Butt dem sid. Sein letztes Pflichtspiel bestritt der ehemalige Hamburger und Leverkusener im Februar 2008 für den portugiesischen Rekordmeister Benfica Lissabon. "Jörg hat eine Chance verdient", äußerte Klinsmann.

"Es geht nicht um Jux und Dollerei"

Noch am Montagabend trommelte der Coach die Mannschaft für eine Videoanlayse des Gegners zusammen. Man werde die Mannschaft sehr deutlich darauf hinweisen, dass dies ein Champions-League-Spiel sei. "Ein Anderlecht wollen wir nicht sehen", sagte Klinsmann und erinnerte an das Achtelfinale im UEFA-Cup der Vorsaison, als die Bayern nach einem 5:0-Auswärtssieg beim RSC im Rückspiel vor heimischen Publikum 1:2 unterlagen. "So etwas darf nicht passieren. Wir wollen die beeindruckende Serie, die wir in Europa aufgebaut haben, weiterentwickeln."

Ebenso deutlich wurde Torwart Michael Rensing: "Das Stadion wird voll, da geht es nicht um Jux und Dollerei, da müssen wir gut spielen und das nächste Ausrufezeichen setzen." Immerhin waren die Bayern auch die beste Mannschaft in der Vorrunde der Champions League.

Doch zuletzt wurden die internationalen Erfolge in dieser Saison durch die Krise in der Liga und das DFB-Pokal-Aus überschattet. Das 5:1 gegen Hannover und der Sprung auf Platz zwei in der Bundesliga verschafften Klinsmann jedoch etwas Luft und entschärften die intern sehr angespannte Situation.

Klinsmann kündigt "kleine Rotation" an

"Der Jürgen weiß, dass er sich zu 100 Prozent auf mich und den FC Bayern verlassen kann", sagte Manager Uli Hoeneß vor dem Duell gegen Lissabon nun der Bild-Zeitung. Es "gab und gibt" auch hinsichtlich einer Entlassung "keine Überlegungen. Wir sagen dem Jürgen ganz klar: Unser Ziel ist es, den Karren gemeinsam wieder aus dem Dreck zu ziehen. Wir haben keinen Grund, da personell auch nur irgendetwas zu ändern."

In der Mannschaft stehen gegen die Portugiesen aber notgedrungen einige Änderungen an. So muss Klinsmann erneut auf die verletzten Stammspieler Luca Toni und Franck Ribery sowie auf Tim Borowski verzichten. Zudem fällt Hamit Altintop wegen eines gegen Hannover erlittenen Muskelfaserrisses aus, der zu Los Angeles Galaxy zurückgekehrte Landon Donovan steht nicht mehr zur Verfügung. Thomas Müller und Deniz Yilmaz rücken deshalb aus der zweiten Mannschaft nach.

Klinsmann kündigte eine "kleine Rotation" an. Hoffnungen dürfen sich deshalb auch die Ersatzspieler Jose Sosa, Andreas Ottl oder Breno machen. Allerdings sei es für die Mannschaft auch "wichtig", so Klinsmann, "im Fluss zu bleiben". Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski dürften deshalb wieder erste Wahl sein.