2009.03.16 Neuss : Lemme und Ullrich von EHF freigestellt

Die unter Manipulationsverdacht stehenden Top-Schiedsrichter Frank Lemme und Bernd Ullrich wurden von der Europäischen Handball-Federation vorerst von ihren Aufgaben freigestellt.

us
Schiedsrichter Bernd Ullrich

Die Europäische Handball-Federation (EHF) hat die unter Manipulationsverdacht stehenden deutschen Top-Schiedsrichter Frank Lemme und Bernd Ullrich vorerst von ihren Aufgaben freigestellt. Das gab die EHF am Sonntag auf ihrer Internetseite bekannt. Für das EM-Qualifikationsspiel am 18. März zwischen Mazedonien und Island in Skopje wurde für Lemme/Ullrich das Brüderpaar Bernd und Reiner Methe (Vellmar) angesetzt.

Die EHF teilte zwar mit, dass die Unschuldsvermutung gelte, doch müsse man den Vorfall erst einmal untersuchen. Der Spiegel berichtet in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe, russische Zollbeamte hätten am 29. April 2006 am Moskauer Flughafen Scheremetjewo 50.000 US-Dollar Bargeld im Gepäck von Ullrich gefunden. Die beiden Magdeburger hatten seinerzeit in der russischen Hauptstadt das Finalrückspiel um den Europapokal der Pokalsieger zwischen Medwedi Moskau und BM Valladolid geleitet. Die Spanier gewannen die erste Partie vor eigenem Publikum mit sieben Toren Vorsprung, verloren jedoch in Russland mit acht Toren Differenz.

"Wir haben kein Spiel verschoben, wir sind reingelegt worden. Wir sind doch nicht so doof, dass wir mit 50.000 Dollar Bargeld in den Zoll reinlaufen. Unser Fehler war, dass wir es nicht sofort dem europäischen Verband gemeldet haben", sagte Ullrich der Hamburger Morgenpost.

Mittlerweile schließt das Duo einen Rücktritt nicht mehr aus. "Wir befürchten, dass unsere internationale Karriere mit dem Anzeigen des Betrugsversuches ein für allemal beendet ist", sagte Lemme der Magdeburger Volksstimme, und Ullrich ergänzte: "Wir werden sehen, zu welchen Konsequenzen das führt, aber wir denken natürlich auch über einen Rücktritt nach."

"Das macht keinen Sinn"

Die Deutschland-Vorsitzende der Antikorruptionsorganisation Transparency International, Sylvia Schenk, hält die Aussagen der Beschuldigten für nicht plausibel. "Das macht keinen Sinn. Wenn es keinen Bestechungsversuch gab, hätte der russische Klub nach einem Sieg doch kein Interesse, die Schiedsrichter in Misskredit zu bringen", sagte Schenk der Tageszeitung Die Welt: "Beunruhigend ist, dass etliche offenbar Bescheid wussten und nichts sagten - das Problem muss im Handball also verbreitet sein."