2009.03.22 Neuss : Neue Regeln, neue Strecke, große Spannung

Wenn spätestens am 1. November auf der neuen Piste in Abu Dhabi ein Weltmeister feststeht, hat die Formel 1 eine spannende WM mit zehn Teams und neuen Regeln hinter sich.

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Sebastian Vettel ist Deutschlands großer Hoffnungsträger 2009

Jagd auf Weltmeister Lewis Hamilton und die "Silberpfeile", Titelträume bei BMW und Vorfahrt für den deutschen Hoffnungsträger Sebastian Vettel: Auf den ersten Blick scheint alles wie immer, doch die Formel 1 rast beim Saisonauftakt 2009 am 29. März (8.00 Uhr MESZ/live bei Premiere und RTL) in Melbourne in ein neues Zeitalter. Mit den einschneidendsten Regeländerungen der Geschichte (Aerodynamik, KERS, Motorenlimit, Slicks, Testverbot) versucht die "Königsklasse" des Automobilsports, der weltweiten Finanzkrise zu entkommen.

Trotz der Wirtschaftskrise und des Verlustes vieler Sponsoren stehen in Melbourne wieder zehn Rennställe mit insgesamt 20 Autos am Start. "Es ist unglaublich, dass wir uns so gut halten", sagt Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, der offenbar mit Schlimmerem gerechnet hatte. In letzter Minute übernahm "Superhirn" Ross Brawn das werksseitig im Dezember 2008 ausgestiegene Honda-Team. Der ehemalige Technikchef fährt künftig unter eigener Flagge mit Mercedes-Motoren und schockte die Favoriten bei Tests mit traumhaften Bestzeiten.

Hamilton klagt: "Wir sind viel zu langsam"

Lewis Hamilton fuhr überraschend hinterher und sieht sich in Melbourne nur als Außenseiter. "Ich habe kein siegfähiges Auto, wir sind viel zu langsam", sagt der jüngste Formel-1-Weltmeister aller Zeiten. Laut Mercedes-Sportchef Norbert Haug wird der 24-Jährige noch einige Zeit im Schneckentempo über die Pisten kriechen: "Wir müssen unser technisches Paket deutlich verbessern, und dieser Prozess braucht Zeit. Das kann bis zum Beginn der Europasaison dauern, vielleicht sogar etwas länger."

Derart düstere Prognosen gibt es beim deutschen Erzrivalen BMW nicht, nach dem ersten Sieg im vergangenen Jahr wollen die Münchner in dieser Saison ein großes Wörtchen bei der Titelvergabe mitreden. "2009 ist der nächste Schritt geplant, und der ist der schwerste: Wir wollen um den Titel mitkämpfen", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen dem sid.

Vor allem Nick Heidfeld steht bei BMW unter Druck, nachdem er 2008 klar im Schatten seines Teamkollegen Robert Kubica gestanden hat. Der Pole war es, der BMW-Sauber in Montreal den historischen Erfolg bescherte. Jetzt will "Quick Nick" den Spieß umdrehen und seine Durststrecke von bislang 151 Rennen ohne Sieg beenden. "Natürlich hoffe ich, mein endgültiges Ziel zu erreichen: Formel-1-Weltmeister zu werden", sagt der 31-jährige Mönchengladbacher im RTL-Interview.

"Vettel Weltmeister im Red Bull - das wäre magisch"

Heidfeld ist aber nicht nur vom eigenen Teamkollegen abgehängt worden, der Wahl-Schweizer ist auch im Kampf um die deutsche Nummer eins nur zweite Wahl. Publikumsliebling und Hoffnungsträger in der Nach-"Schumi"-Ära ist eindeutig Sebastian Vettel. Der von Toro Rosso zu Red Bull gewechselte Heppenheimer stellte die Formel-1-Welt mit seinem Sensationssieg im vergangenen Jahr im verregneten Monza über Nacht auf den Kopf. Sogar Formel-1-Boss Bernie Ecclestone drückt dem 21-Jährigen die Daumen: "Vettel Weltmeister im Red Bull - das wäre magisch."

Etwas aufs Abstellgleis geraten ist Nico Rosberg. Nachdem der Wiesbadener ein Angebot von McLaren-Mercedes nicht annehmen wollte, fuhr er 2008 im Williams hinterher. Nur einmal stand der 23-Jährige im Rampenlicht, als er im ersten Formel-1-Nachtrennen in Singapur Platz zwei belegte. "Diese Saison ist für mich ein entscheidendes Jahr. Ich hoffe, dass ich Erfolg habe. Wenn nicht, muss ich sehen, was ich 2010 mache", sagt Rosberg.

Vor einer ungewissen Zukunft steht auch Timo Glock bei Toyota. Sollte der in Köln ansässige Rennstall, der seit dem Formel-1-Debüt vor sieben Jahren noch immer auf den ersten Sieg wartet, in dieser Saison nicht den Durchbruch schaffen, könnten die Japaner das Aus verkünden. Derartige Überlegungen habe es laut Teamchef Tadashi Yamashina bereits nach dem Honda-Rückzug im Oktober gegeben. Das alles ist Timo Glock egal. "Wir haben fest vor, konstant in den Punkten zu landen. Ein Traum wäre der erste Sieg," meint der 27-Jährige.

Saisonfinale steigt erstmals in Abu Dhabi

Einen großen Schritt nach vorn will Dauer-Schlusslicht Adrian Sutil machen, dessen Force India nun mit Mercedes-Motoren am Start ist. "Die Autos sind komplett anders, das ist für uns eine Chance, den Rückstand aufzuholen", sagt Sutil. Von der Zusammenarbeit mit Mercedes ist der 26-Jährige angetan: "Wir alle sind sehr motiviert und zuversichtlich. Vielleicht können wir aus eigener Kraft in die Punkte fahren."

Der Weltmeister wird in diesem Jahr in 17 Rennen ermittelt, das ist ein Grand Prix weniger als 2008. Gestrichen wurden Montreal und Magny-Cours, neu im Kalender ist Abu Dhabi, wo am 1. November das Saisonfinale steigt. Der Große Preis von Deutschland findet am 12. Juli auf dem Nürburgring statt. Ob der einstige Rivale Hockenheim den Formel-1-Fans erhalten bleibt, ist angesichts großer Verluste sehr fraglich. Eine Entscheidung über die Zukunft des badischen Motodrom ist für Mittwoch angekündigt.

Das vom Automobil-Weltverband FIA bereits verabschiedete neue Punktesystem wurde nach einer Revolution der Team-Vereinigung FOTA wieder gekippt. Die FIA wollte, dass ab dieser Saison der WM-Titel an den Fahrer mit den meisten Siegen geht. Jetzt bleibt alles wie gehabt, und der Fahrer mit den meisten Zählern ist am Ende auch Weltmeister. Punkte werden für die ersten acht Plätze vergeben (10-8-6-5-4-3-2-1).