2009.03.25 Neuss : Zwanziger ins UEFA-Exekutivkomitee gewählt

DFB-Präsident Theo Zwanziger ist auf dem UEFA-Kongress in Kopenhagen erwartungsgemäß ins Exekutivkomitee gewählt worden. Er rückt für Gerhard Mayer-Vorfelder in das Gremium.

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Theo Zwanziger ist neues Mitglied im UEFA-Exekutivkomitee

UEFA-Boss Michel Platini ließ es sich nicht nehmen und gratulierte Theo Zwanziger als einer der Ersten mit einer herzlichen Umarmung zur erfolgreichen Wahl: Der DFB-Präsident wurde auf dem XXXIII. Kongress der Europäischen Fußball-Union im Bella-Congress-Center von Kopenhagen mit den zweitmeisten Stimmen (47) ins Exekutivkomitee, der "Regierung" der UEFA, gewählt. Der Jurist aus Altendiez hat damit den Staffelstab von Gerhard Mayer-Vorfelder übernommen.

Der 63-Jährige rückt für UEFA-Vize-Präsident Mayer-Vorfelder, der seit 2000 dem Gremium angehört hatte, in das nun 16 Personen umfassende Exko. Zwölf Kandidaten hatten sich bei den 53 Mitgliedsverbänden um neun neu zu besetzende Posten beworben. "MV" wurde anschließend vom Kongress zum Ehrenmitglied gewählt.

"Das ist ein schöner Tag für den deutschen Fußball"

"Das ist ein schöner Tag für den deutschen Fußball, denn es ist eine Anerkennung durch die anderen europäischen Nationen. Die anderen Verbände wissen zu schätzen, dass der DFB in diesem Gremium vertreten ist. Durch die WM 2006 haben wir viel Vertrauen gewonnen", sagte der sichtlich erleichterte Zwanziger. Mit seinem Ergebnis - nur der Zypriote Marios N. Lefkaritis (50) bekam mehr Stimmen - übertraf er die internen Erwartungen. DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach hatte 41 Stimmen für seinen Verbands-Chef hochgerechnet.

Zwanzigers besonderer Dank galt seinem Vorgänger Mayer-Vorfelder, der bei seiner letzten Rede auf einem UEFA-Kongress an die Delegierten appelliert hatte, "das Vertrauen auch meinem Nachfolger zu geben". Zwanziger: "Das war eine großartige Geste. Ich bedanke mich aber auch bei Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach für ihre Unterstützung."

Auch über seine künftigen Aufgabengebiete äußerte sich der DFB-Boss. Ihn reize wahnsinnig die Harmonisierung von europäischem Recht mit der Besonderheit des Fußballs. Hier wolle er sich gerne engagieren, kündigte Zwanziger an, der trotz einer klaren Favoritenrolle doch sichtlich gespannt die Bekanntgabe des Votums der Delegierten verfolgte. Er freut sich besonders auf die Zusammenarbeit mit Platini: "Er ist ein Fußballer, ein kluges Köpfchen. Er gibt der UEFA Profil."

Beckenbauer: "Es gibt keinen Besseren"

Das glaubt allerdings Deutschlands Fußball-Lichtgestalt Franz Beckenbauer auch von Zwanziger im Exko: "Es gibt keinen Besseren. Er ist eine Bereicherung für die Exekutive. Der wichtigste Mann im deutschen Fußball muss im Exekutivkomitee sitzen." Der Bayern-Präsident ist als UEFA-Vertreter im Exko des Weltverbandes FIFA selbst immer bei den Sitzungen der UEFA-"Regierung" dabei.

Besonders schätzt Beckenbauer an Zwanziger, der als Vize-Präsident unter dem "Kaiser" bereits dem deutschen Organisationskomitee der WM 2006 angehörte, dass er auch offen für Argumente anderer sei: "Es gibt gute Rhetoriker, die aber nicht zuhören können. Theo ist ein guter Rhetoriker, der aber auch zuhören kann." Mayer-Vorfelder hatte bei seiner letzten Rede auf einem UEFA-Kongress an die Delegierten appelliert, "das Vertrauen auch meinem Nachfolger zu geben".

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist damit seit 1988 ununterbrochen im UEFA-Exko mit einem Mitglied vertreten. Vor Mayer-Vorfelder gehörte von 1988 bis 2000 DFB-Ehrenpräsident Egidius Braun dem Exekutivkomitee an. "MV" verabschiedete sich in Kopenhagen von der großen Fußball-Bühne, nachdem er im Januar 2007 bereits seinen Sitz im Exekutivkomitee des Weltverbandes FIFA abgegeben hatte; dafür war Beckenbauer installiert worden.

Platini präsentiert elf Ideale

Vor der Wahl Zwanzigers hatte Platini in der dänischen Hauptstadt seine elf Ideale präsentiert, um den europäischen Fußball für die Herausforderungen der Zukunft zu wappnen. Dazu zählen die Einheit und Autonomie des Fußballs, der Schutz jugendlicher Spieler, die sportliche Integrität, finanzielles Fair Play sowie der Kampf gegen Rassismus, Gewalt und Doping.

"Platoche" machte nochmals deutlich, dass er in dem Klub-Lizenzierungsverfahren einen wichtigen Schritt zu mehr Chancengleicheit in den Europacup-Wettbewerben sieht: "Die Klubs dürfen nicht in eine Schuldenspirale geraten, sondern einzig nur die Mittel ausgeben, die sie selbst generieren."

Zwei Jahre nach seiner Wahl zum UEFA-Boss zog Frankreichs einstiger Spielmacher eine positive Halbzeitbilanz. "Es ist nicht zu der Revolution gekommen, die einige befürchtet und andere erhofft haben", sagte Platini in einer emotionalen Rede und meinte flachsend: "Der Ball ist nach wie vor derjenige, der nicht bezahlt wird, aber die meisten Tritte abbekommt."