2009.03.26 Neuss : Fußball-Funktionär Straub feiert runden Geburtstag

Der ehemalige DFL-Vorsitzende Wilfried Straub feiert heute seinen 70. Geburtstag. Neben seinen Tätigkeiten im deutschen Fußball war Straub auch international umtriebig.

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Wilfried Straub (r.) mit DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger

Er war der Grandseigneur der Bundesliga, und auch als die Deutsche Fußball Liga GmbH (DFL) sich gründete, konnte und wollte sie auf seine Dienste nicht verzichten. Wilfried Straub wird heute 70, und wenn er den Vormittag im Kreis seiner UEFA-Freunde beim Kongress in Kopenhagen verbringt und abends mit der Familie feiert, blickt er nicht ohne Stolz auf ein bewegtes Leben als einer der einflussreichsten deutschen Fußball-Funktionäre zurück.

"Darauf bin ich stolz"

"In Deutschland habe ich, später mit der Hilfe von Wolfgang Holzhäuser, das Lizensierungssystem der Bundesliga eingeführt. Es dient heute als Modell der UEFA. Kein Bundesligaverein ist in Insolvenz gegangen. Auch das muss in diesen Zeiten mal erwähnt werden dürfen. Darauf bin ich stolz", sagt Straub im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Doch die Aufgaben des hochgeachteten Managers waren nicht nur auf den deutschen Fußball beschränkt: "Nach dem Zusammenbruch der osteuropäischen Staaten von der UEFA beauftragt worden zu sein, plötzlich unabhängigen Ländern nahezubringen, wie Profifußball funktioniert, war eine spannende Aufgabe. Ich denke, auch die habe ich hilfreich und vernünftig erfüllt."

"Der bot keine Angriffsflächen"

Straub heuerte 1969 beim DFB an und musste 1971 schon qua Amt den Bundesliga-Skandal mit bewältigen. Es gibt einfachere Wege, Karriere zu machen. 1991 wurde Straub Direktor für Marketing, Wirtschaft und Finanzen der Liga, 2000 dann Vorsitzender der neu gegründeten DFL.

Stolz ist er auch darauf, Christian Seifert bei der DFL als seinen Nachfolger vorgeschlagen und durchgesetzt zu haben. Der frühere Karstadt New Media-Manager hatte keinen Stallgeruch, aber genau das war für Straub das entscheidende Argument: "Der war intelligent, unangreifbar und bot somit keine Angriffsflächen."

Siege und Niederlagen

Der gebürtige Frankfurter, der seine Region nie verlassen hat, hat neben tollen Siegen (Fernsehverträge) auch bittere Niederlagen erleben müssen: "Dass die Ministerpräsidenten der Länder ihr Wettmonopol bei Sportwetten festgeschrieben haben, das war schon herb. Aber jetzt kippt die EU ja diese Auffassung. Frankreich hat die Gesetze schon neu gefasst. Vielleicht war mein Einsatz in Berlin vergebens, aber nicht in Brüssel." Bei Fußballfragen die EU betreffend war er übrigens Berater der Bundesregierung während der deutschen Ratspräsidentschaft. "Auch das vergisst man nicht."

Straubs Rat ist weiterhin gefragt, vor allem von Investoren und Eigentümern Neuer Medien, die wissen wollen, wie Fußball funktioniert. Er hat aber auch gelernt, ein neues Leben als Privatmann zu führen - auch wenn es nicht immer leicht ist: "Wenn die Frau Ihnen einen Zettel niederschreibt, und Sie müssen in einen Supermarkt zum Einkaufen gehen, und Sie haben das nie gemacht, und Sie wissen nicht, wo Sie das Waschpulver finden - das ist ein völlig neuer Lernprozess. Mit kurz vor 70. Aber er ist schön und spannend."