2009.03.26 Neuss : Levy siegt überraschend im Keirin

Maximilian Levy hat bei der Bahnrad-WM in Pruszkow sensationell die Goldmedaille im Keirin geholt. Robert Bartko hingegen erlebte in der 4000-m-Einerverfolgung erneut ein Debakel.

lhi
Maximilian Levy gelang in Pruszkow mit der Goldmedaille der größte Erfolg seiner Karriere

Maximilian Levy riss die Faust in die Höhe und konnte sein Glück kaum fassen. Der Olympia-Dritte von Peking holte sich bei der Bahnrad-WM im polnischen Pruszkow sensationell die Goldmedaille und sorgte damit nach einem ernüchternden Tag für die deutsche Mannschaft für ein Happy End. Levy, der im Teamsprint noch ausgemustert worden war, holte den ersten deutschen WM-Titel nach gut drei Jahren auf der Bahn und feierte den größten Erfolg seiner Karriere.

"Die letzte Zeit war nicht leicht für mich. Das es so endet, ist großartig. Wenn ich was mache, dann mache ich es richtig. Ich habe zum Schluss nur noch durchgezogen", sagte Levy nach seinem Erfolg.

Letzter deutscher Keirin-Sieg vor zehn Jahren

In den Entscheidungen zuvor war es weniger gut für die deutschen Athleten gelaufen. Der einstige Bahn-König Robert Bartko erlebte ein erneutes Debakel und die deutschen Frauen fuhren auch hinterher. Dass ausgerechnet der gebürtige Berliner und jetzige Wahl-Österreicher Andreas Müller, der einst im Unfrieden dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) den Rücken gekehrt hatte, Bronze gewann, passte dabei gut ins Bild.

Doch Levys Triumph entschädigte für Vieles. Der 21-Jährige übernahm von Beginn an das Kommando im Keirin und verwies den Franzosen Francois Pervis und den Niederländer Teun Mulder auf die Plätze. Im Keirin hatte zuletzt in Jens Fiedler 1999 ein deutscher Athlet gewonnen. Carsten Bergemann (Chemnitz) war zuvor im Halbfinale gescheitert und wurde am Ende Achter.

Sydney-Olympiasieger Bartko enttäuschte dagegen auf ganzer Linie. Der Potsdamer kam in der 4000-m-Einerverfolgung nicht über den neunten Platz hinaus und fuhr der Weltspitze meilenweit hinterher. Anschließend setzte der Potsdamer zum Rundumschlag gegen den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) an.

Robert Bartko übt Kritik nach Debakel

"In unserem Verband wird mit eiserner Hand regiert. Wenn man die Probleme in den Griff kriegen will, muss man auf die Athleten zugehen und nicht gegen sie arbeiten. Es muss sich etwas ändern. Das sage ich schon seit Jahren", kritisierte der Doppel-Olympiasieger von Sydney und ergänzte: "Das betrifft nicht nur Robert Bartko, sondern auch andere Fahrer wie Maximilian Levy."

Wer mit der Kritik gemeint ist, war klar. Bartkos Spitzen richteten sich gegen Sportdirektor Burckhard Bremer, der den Potsdamer in den vergangenen Wochen für das Verpassen der Olympia-Qualifikation des Vierers verantwortlich gemacht hatte. "Ich denke, er hat kein großes Interesse mit mir zu reden. Ich würde mich schon einmal gerne in einem größeren Kreis zu den Anschuldigungen äußern."

Bartko landete in 4:26,277 Minuten sogar hinter dem Erfurter Youngster Patrick Gretsch (4:24,564). In einer anderen Liga fuhr der Amerikaner Taylor Phinney (4:17,631), der im Finale dem Australier Jack Bobridge (4:20,091) keine Chance ließ. Bronze ging an den Belgier Dominique Cornu.

Auch deutsche Bahnrad-Frauen enttäuschen, Müller holt Bronze

Enttäuschend war das Abschneiden der deutschen Frauen. Miriam Welte (Kaiserslautern) und Kristina Vogel (Erfurt) wurden im Teamsprint Sechste, es siegte Australien vor Großbritannien und Litauen. In der 3000-m-Mannschaftsverfolgung langte es für Charlotte Becker (Waltrop), Christina Becker (Cottbus) und Verena Jooß (Friesenheim) nur zum siebten Platz. Großbritannien sicherte sich den Titel vor Neuseeland und Australien. In Manchester 2008 hatten die deutschen Frauen in beiden Disziplinen noch Bronze geholt.

Für eine kleine Überraschung sorgte indes Müller im Scratch mit seinem dritten Platz. "Das ist schon eine kleine Genugtuung. Mein Wechsel hatte damals mit dem BDR zu tun, mehr möchte ich zu diesem Thema aber nicht mehr sagen", meinte der Berliner. Den Titel holte sich der Franzose Morgan Kneisky vor dem Argentinier Angel Dario Colla. Der britische Topfavorit Mark Cavendish, der am vergangenen Wochenende noch beim Frühjahrsklassiker Mailand-San Remo vor Heinrich Haussler (Freiburg) triumphiert hatte, kam nach 15 km nicht über den siebten Platz hinaus.