2009.03.26 Neuss : Nürburgring kein Ersatz für Rennen in Hockenheim

Falls der Hockenheimring die Formel 1 2010 nicht ausrichten kann, steht der Nürburgring nicht als Ersatz zur Verfügung. "Das wäre nicht finanzierbar", sagte der Geschäftsführer.

lhi
Nürburgring keine Alternative zu Hockenheim

Hockenheim hängt weiter in der Luft und der Nürburgring könnte nicht einspringen: Den deutschen Formel-1-Fans droht 2010 weiter die erste Saison ohne deutschen Grand Prix seit 50 Jahren. Nach der am Ende ergebnislosen Gemeinderatssitzung der Stadt Hockenheim am Mittwochabend hängt jetzt alles an einem geplanten "Elefantentreffen" am 20. Mai mit den Ministerpräsidenten Günther Oettinger (Baden-Württemberg) und Kurt Beck (Rheinland-Pfalz), Vertretern der Region Rhein-Neckar, BMW und Mercedes sowie einem geplanten anschließenden Meeting mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Offenbar kann nur finanzielle Unterstützung aus Oettingers Landeskasse das Aus verhindern.

"Ich wäre traurig, wenn Hockenheim keinen Lauf der Formel-1-WM mehr austragen würde, weil das Rennen eine lange Tradition hat und von den Fans sehr unterstützt wurde", sagte Ecclestone am Donnerstag dem Sport-Informations-Dienst (sid): "Hoffen wir, dass der Ministerpräsident es retten kann."

Auf die Hilfe des Landes will sich die Stadt Hockenheim allerdings nicht verlassen und vor dem von Oettinger angeregten Spitzengespräch selbst aktiv werden. "Wir werden ungeachtet des Termins 20. Mai das Gespräch mit Ecclestone suchen, um alle infrage kommenden Lösungsansätze zu verfolgen, ausdrücklich auch den des Ausstieges", sagte Oberbürgermeister Dieter Gummer dem sid: "Dabei ist für uns die Überlegung entscheidend, was die günstigste Lösung ist."

Chancen auf Hilfe der Landesregierung gestiegen

Immerhin sind die Chancen auf Landesmittel nicht mehr ganz so schlecht wie noch vor einigen Wochen. Denn für die Landesregierung ist Hockenheim ein Prestige-Objekt. "Das Land hat die Zielsetzung, die Formel 1 auch nach 2010 am Hockenheimring zu halten", erklärte Gummer: "Das ist zwar nicht unser derzeitiges Thema - für die Stadt geht es nur um 2010. Es ist aber auch klar, dass die Formel 1 wohl nicht zurückkommen wird, wenn 2010 nicht gefahren wird."

Bei der von Gummer geleiteten Sitzung im überfüllten Bürgersaal des Rathauses wurde allerdings klar, dass die 20.000-Einwohner-Stadt die Last eines Formel-1-Rennens, das 2010 voraussichtlich sechs Millionen Euro Verluste einfährt, zukünftig nicht mehr alleine tragen will. "Hockenheim will und kann das drohende Defizit nicht auf sich nehmen", sagte Ring-Geschäftsführer Karl-Josef Schmidt.

Entscheidung gegen Hockenheim würde auch Nürburgring treffen

Derzeit wechselt sich Hockenheimring mit dem Nürburgring als Veranstalter des deutschen Laufs ab. Der Nürburgring steht aber nicht als Ersatz zur Verfügung, falls Hockenheim das Rennen 2010 nicht ausrichten kann. "Definitiv nicht, das wäre nicht finanzierbar", sagte Nürburgring-Geschäftsführer Walter Kafitz dem sid, würde sich aber freuen, wenn Hockenheim im Rennen bliebe: "Denn eine negative Entscheidung würde den Standort Deutschland schwächen - und damit auch den Nürburgring. Ich würde es begrüßen, wenn die Formel 1 in Hockenheim bleibt, damit wir uns weiter abwechseln können."

Ohne Landeshilfe bleibt Hockenheim wohl nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Entweder richtet die Stadt, die 94 Prozent der Anteile an der Hockenheimring GmbH hält, den Lauf 2010 aus und akzeptiert den Millionen-Verlust oder die Kommune steigt vorzeitig aus dem Vertrag mit Ecclestone aus und muss eine Konventionalstrafe in ähnlicher Höhe befürchten. "Wir haben kein Druckmittel", meinte Schmidt hinsichtlich der beiden Optionen.

Doch egal, ob die Stadt aussteigt oder das Land seine in Aussicht gestellte Unterstützung konkretisiert und nach dem Treffen im Mai in Stuttgart endlich Zahlen nennt, am Ende wird es zunächst das Geld des Steuerzahlers sein, mit dem das Loch gestopft wird. Dem gegenüber stehen aber auch rund acht bis neun Millionen Euro Steuereinnahmen, die ein Renn-Wochenende in die Kasse des Fiskus spülen würde. Aus diesen Rechenspielen will sich Hockenheim heraushalten. "Wir wollen mit einem wirtschaftlich neutralen Ergebnis aus den Verhandlungen rauskommen", meinte Gummer.