2009.03.27 Neuss : Schalke sucht neue Führungskräfte

Oliver Kahn wird nicht neuer Manager vom FC Schalke 04. Der Krisenklub muss seine Suche nach Führungsfiguren ausweiten und neben Trainer- auch weiter auf Managersuche gehen.

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Absage an Schalke: Oliver Kahn

"Titan" Oliver Kahn wird nicht der starke Mann auf Schalke - der Fußball-Krisenklub muss seine Suche nach Führungsfiguren an allen Fronten ausweiten. "Ich hätte es super gerne gemacht, aber das Angebot kam sechs Monate zu früh", sagte der Wunschkandidat der Königsblauen dem Fachmagazin kicker und verzichtete auf die Übernahme des vakanten Managerpostens.

Die Königsblauen fahnden nach der Trennung von Trainer Fred Rutten und dem Korb von Kahn nicht nur weiterhin nach einem neuen Manager und einem Trainer für die Zukunft, sondern auch nach einem Interimscoach bis zum Saisonende. Die bisherigen Assistenten Mike Büskens und Youri Mulder, die vorübergehend die Mannschaft betreuen, werden für die Übergangszeit nicht zum Cheftrainer-Duo befördert.

Holzhäuser dementiert Völler-Kontakt

Den Nachfolger für den am 9. März beurlaubten Manager Andreas Müller sucht derzeit der Schalker Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies. Als neuer Name im Kandidatenkarussell tauchte Rudi Völler auf. Bayer Leverkusen dementierte jedoch umgehend, dass es Kontakte zwischen dem ehemaligen DFB-Teamchef und den Königsblauen gegeben habe. "Ich habe mit Rudi Völler gesprochen. Er hat nicht mit Tönnies geredet. Damit ist das Thema für mich erledigt", sagte Wolfgang Holzhäuser, Sprecher der Bayer-Geschäftsführung, dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Ex-Nationaltorhüter Kahn, mit dem Tönnies in der vergangenen Woche verhandelt hatte, erbat sich danach weitere Bedenkzeit - sie lief am Freitag ab. Geschäftliche Termine des Vize-Weltmeisters von 2002 in Asien verhindern einen sofortigen Einstieg. Deshalb konnte Tönnies seinen Zeitplan, noch in dieser Woche einen neuen Manager zu präsentieren, nicht einhalten. "Es ist aber nicht schlimm, das reißt uns nicht um", sagte er.

Nun gehen Schalke langsam die Kandidaten aus. Abgesagt haben neben Kahn Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, Frankfurts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen, Wolfsburgs Trainer-Manager Felix Magath und DFB-Sportdirektor Matthias Sammer. Schalkes Ex-Trainer Huub Stevens, der sich selbst ins Gespräch gebracht hatte, wartete vergeblich auf eine Anfrage und erklärte schließlich, dass er nun andere Angebote sondieren werde.

Tönnies hatte den Bayer-Sportchef Völler zuletzt selbst genannt. "Rudi passt. Zu 100 Prozent", sagte der Schalker Aufsichtsratschef der Westfälischen Rundschau und dem Kölner Express.

Schnusenberg: "Trainer von außen ist die bessere Lösung"

Ebenso ungeklärt ist die Trainerfrage. "Die beiden gehörten zum Team von Fred Rutten. Daher sehen wir es als die bessere Lösung an, einen Trainer von außen dazuzuholen", sagte Präsident Josef Schnusenberg am Freitag über Büskens und Mulder. Der neue Chefcoach, der dem am Donnerstagabend beurlaubten Rutten folgen soll, bleibt nur für zwei Monate im Amt. "Es kann nur eine Lösung für neun Spiele sein", sagte Schnusenberg: "Der Trainer, der die Mannschaft für die Zukunft aufbauen soll, muss vom neuen Manager ausgesucht werden."

Schnusenberg kündigte zudem am Freitag an, sein Amt als Vereinsvorsitzender im Sommer 2010 niederzulegen, wenn sein Vertrag ausläuft. "Dann bin ich 69. Dann wird es langsam Zeit, mich um andere schöne Dinge des Lebens außerhalb von Schalke zu kümmern", sagte der Präsident, ließ sich allerdings ein Hintertürchen offen: "Falls man mich noch brauchen sollte, könnten wir darüber reden." Schnusenberg ist seit 1994 im Schalker Vorstand und seit 2007 Vorsitzender.

Veh einer der Kandidaten

Als Kandidat für den Trainerposten in der neuen Saison gilt der Ex-Stuttgarter Armin Veh. Der 48-Jährige war im vergangenen November vom VfB beurlaubt worden und wäre sogar sofort verfügbar. "Ich habe immer gesagt, dass ich gerne wieder was mache, wenn ein interessantes Angebot kommt", sagte Veh dem sid, wollte sich aber "an überhaupt keinen Spekulationen beteiligen, egal um welchen Verein es sich handelt".

Die Trennung von Trainer Rutten, der zu Saisonbeginn mit hohen Erwartungen verpflichtet worden war, zog sich über drei Tage hin. Bereits am Dienstag beschlossen Schnusenberg und sein Vorstandskollege Peter Peters, sich zum Saisonende von dem Niederländer zu trennen. Dies teilte Peters Rutten am selben Tag mit.

Am Mittwochabend entschied der Vorstand dann, sofort die Reißleine zu ziehen. Am Donnerstagmittag überbrachte Schnusenberg Rutten diese Nachricht. Der Niederländer hatte bereits zuvor ausgeplaudert, dass er in der nächsten Saison nicht mehr Trainer sein werde. Erst am Abend gab der Klub die sofortige Trennung offiziell bekannt.