2009.04.01 Neuss : Kohl packt weiter aus und belastet Ex-Manager

Der Dritte der Tour de France 2008, Bernhard Kohl, hat ein umfangreiches Dopinggeständnis abgelegt und seinen bereits verhafteten Ex-Manager weiter belastet.

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Hat weitere Dopingdetails bekannt gegeben: Bernhard Kohl

Bernhard Kohl hat die Sportwelt mit seinem zweiten Geständnis geschockt und die ungenierten Doping-Praktiken von österreichischen Spitzenathleten detailliert offengelegt. Der gesperrte Radprofi belastete seinen Ex-Manager Stefan Matschiner sowie die Wiener Blutbank Humanplasma schwer und soll zudem die Namen von zwei Sportlern genannt haben. "Ich habe alle mir bekannten Hintermänner genannt. Ich werde aber keine Zahl nennen, die Namen haben die Kripo und die SoKo Doping", sagte Kohl.

Im Gegensatz zu seinem tränenreichen Cera-Geständnis Mitte Oktober gab sich Kohl im Wintergarten des Wiener Cafe Landtmann selbstsicher und besonnen. Die Aussagen des früheren Gerolsteiner-Fahrers waren dafür umso brisanter: "Matschiner hat an mir Blutdoping betrieben und mir die Mittel Epo, Wachstumshormone, Testosteron und Insulin verschafft. Mein Cera-Lieferant war er aber nicht."

Während seines Höhenflugs bei der Tour, als er das Bergtrikot gewann, habe Kohl nach Angaben seines Ex-Teamchefs Hans-Michael Holczer keine Bluttransfusionen betrieben. "Ich habe mit ihm telefoniert und explizit nach Bluttransfusionen gefragt, weil das ja relativ schnell über die Bühne geht. Er hat mit versichert, es nur vor der Tour gemacht zu haben", sagte Holczer dem SID: "Das zeigt mal wieder, dass es einfach nicht kontrollierbar ist."

Drei Sportler sollen Zentrifuge bezahlt haben

Sein früherer Schützling Kohl zeichnete ein Bild Matschiners, das den Manager als wahren Blutpanscher entlarvt. "Ich wurde von Herrn Matschiner drei- bis viermal behandelt. Ein Arzt war nicht dabei, er wirkte sehr eingeschult auf die Geräte. Er kannte sich sehr professionell aus", sagte der Dritte der Tour de France 2008. Kohl selbst habe sich mit 20.000 Euro an dem Kauf einer Blutzentrifuge beteiligt, insgesamt war das Gerät von drei Sportlern finanziert worden.

Laut österreichischen Medienberichten soll Kohl vor der Kripo zwei weitere prominente Sportler belastet haben. Einer davon soll der Langlauf-Olympiasieger von 2002, Christian Hoffmann, sein, der sich jedoch empört wehrte. "Was? Was hat der gemacht? Ich kenne weder eine Blutzentrifuge noch Bernhard Kohl. Ich meine persönlich - ich kenne ihn nur aus dem Fernsehen", sagte Hoffmann der Kronen-Zeitung.

Hoffmann nannte die Vorwürfe "absoluter Wahnsinn" und er "werde wohl einen Anwalt einschalten müssen". Der 34-Jährige hatte das Olympiagold 2002 über die 30 Kilometer Freistil nachträglich erhalten, weil der ursprünglich siegreiche Johann Mühlegg des Dopings überführt worden war. Hoffmann sagte, er habe Matschiner vor zweieinhalb Jahren wegen eines Sponsors kontaktiert, der habe ihm aber keinen besorgen können.

Ermittlungen gegen Blutbank waren gerade erst eingestellt worden

Kohl hingegen habe Matschiner schon 2005 kennengelernt und in diesem Jahr mit Doping angefangen. Im Oktober hatte Kohl noch behauptet, im Sommer zum ersten Mal gedopt zu haben. Nun berichtete er, über die Jahre 50.000 Euro an den früheren Leichtathleten bezahlt zu haben und mit ihm dreimal bei Humanplasma gewesen zu sein. Die Ermittlungen gegen die Wiener Blutbank waren vergangenen Woche eingestellt worden, weil zwei verdächtige Ärzte nicht nach dem erst im August 2008 gültigen Anti-Doping-Gesetz belangt werden konnten.

Das trifft auf Matschiner, der bestritten hatte, Kohl mit Dopingpräparaten versorgt zu haben, offenbar nicht zu. Er sei, sagte Kohl, im September zuletzt behandelt worden. Damit drohen dem am Dienstag verhafteten Matschiner bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft. Bei der Staatsanwaltschaft spricht man bereits von zwei Dutzend Verdächtigen, neben Matschiner befinden sich derzeit noch der ehemalige Ski-Trainer Walter Mayer und ein Wiener Apotheker in Haft. Einzig Radfahrer Christof K. war nach seiner Vernehmung wieder freigelassen worden.

Aus Wiener Behördenkreisen will die Süddeutsche Zeitung allerdings erfahren haben, dass Matschiner bereits der achte Verhaftete gewesen sein soll. Weitere Namen sollen aus ermittlungstaktischen Gründen allerdings nicht veröffentlicht werden. Laut des österreichischen Bundeskriminalamts werde es mindestens zehn Zugriffe geben.