2009.04.01 Neuss : Löw warnt DFB-Elf vor Mentalität der Waliser

Vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Wales warnt Bundestrainer Joachim Löw davor, den Gegner zu unterschätzen. Der Coach fordert "unbedingten Einsatzwillen" von seiner Elf.

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Mario Gomez erhält Rückendeckung von Joachim Löw

Die eigenen Ansprüche untermauern, Russland in Schach halten und Mario Gomez aus dem Tal der Tränen holen: Nach dem wenig aussagekräftigen Warm-up beim 4:0 gegen Liechtenstein hat sich die deutsche Nationalmannschaft für das richtungweisende WM-Qualifikationsspiel in Wales heute Abend (20.45 Uhr MESZ, live in der ARD) eine Menge vorgenommen.

"Natürlich wollen wir gewinnen und unsere Ausgangsposition erfolgreich verteidigen", sagte Joachim Löw einen Tag vor dem Match in Cardiff, wo der Vize-Europameister die Weichen für die kommenden Monate stellt. Zugleich warnte der Bundestrainer aber davor, den Gegner nach dessen 0:2 am vergangenen Samstag gegen Finnland zu unterschätzen. "Wales hat zwar nur noch eine theoretische Chance auf die WM-Teilnahme. Aber wenn Briten in ihrem Stolz und ihrer Ehre verletzt sind, dann sind sie besonders gefährlich", verwies er auf die besondere Mentalität des Gegners.

Der 49-Jährige rechnet im 74.500 Zuschauer fassenden Millennium-Stadion, in dem nach der Pleite gegen die Finnen nur rund 40.000 Besucher erwartet werden, gegen einen hochmotivierten Gegner mit einem knallharten "Abnutzungskampf" mit "brutalem körperlichen Einsatz". Deshalb verlangt er von seinen Akteuren "hohe Laufbereitschaft, ein ausgeprägtes Zweikampfverhalten und unbedingten Einsatzwillen."

Löw setzt auf Gomez

Der Bundestrainer ist aber überzeugt davon, dass seine Mannschaft vier Tage nach dem Spaziergang gegen Liechtenstein in Leipzig noch zulegen kann. "Wir wissen um die Gefährlichkeit des Gegners und die Bedeutung des Spiels, und werden entsprechend auftreten", erklärte Löw, der auch in Cardiff auf den seit 13 Spielen und 643 Spielminuten glücklosen Mario Gomez setzt.

"Er macht einen ganz gefestigten Eindruck. Er ist absolut positiv und wirkt nicht niedergeschlagen", berichtete Löw nach einem längeren Gespräch mit dem Stuttgarter Stürmer, der die Dienste von DFB-Psychologe Hans-Dieter Hermann nicht in Anspruch genommen hat. Der Bundestrainer verwies zudem noch einmal auf die vielen guten Ansätze, die Gomez gegen Liechtenstein gezeigt habe, und stellte klar: "Wir zweifeln nicht an ihm und stärken ihm den Rücken. Wir brauchen Mario auf dem Weg zur WM und werden ihn nicht nur an Toren messen."

Gegen einen Kontrahenten, der es in der Vergangenheit der deutschen Mannschaft oftmals sehr schwer gemacht hat, würden Gomez-Tore enorm helfen. Denn nur mit einem Sieg würde die DFB-Auswahl sicherstellen, dass sie einen ruhigen Sommer verbringt und als Gruppenerster in den heißen Herbst startet. Denn während Deutschland (13 Punkte) in der WM-Qualifikation erst wieder am 12. August bei Außenseiter Aserbaidschan mit dem früheren Bundestrainer Berti Vogts auf der Bank gefordert ist, kann Russland (9 Punkte) am 10. Juni in Finnland noch Boden gutmachen.

Russland vor Pflichtaufgabe

Nur der Tabellenerste qualifiziert sich direkt für die WM-Endrunde 2010 in Südafrika, der Zweite muss im November zwei Play-off-Spiele bestreiten. Die Russen spielen heute beim noch torlosen Schlusslicht Liechtenstein und haben am 10. Oktober im möglicherweise entscheidenden Match um den Gruppensieg Heimrecht gegen Deutschland.

"Wir wollen uns ohne Umwege für die WM qualifizieren", betonte Michael Ballack, der 2001 bereits die nervenaufreibende Play-off-Prozedur auf dem Weg zur WM 2002 in Japan und Südkorea miterlebt und mit drei Treffern in den beiden Spielen gegen die Ukraine (1:1, 4:1) zu einem glücklichen Ende beigetragen hatte. Deshalb fordert der DFB-Kapitän ebenfalls heute einen Sieg, weiß aber auch: "Wales wird kein Spaziergang."

"Qualifikation ist wie ein Marathon"

Dies sieht Löw genauso, angesichts der noch präsenten Niederlagen gegen England (1:2) und Norwegen (0:1) baute er aber schon einmal vor. "Eine Qualifikation ist wie ein Marathon. Es gibt immer mal Phasen, in denen man sich durchbeißen muss. Das Wales-Spiel ist möglicherweise so eine Phase", meinte der Bundestrainer. Falls es mit den drei Punkten nicht klappen sollte, würde die Welt aber auch nicht untergehen: "Wenn wir ein Unentschieden erreichen, ist das nicht das Ende der Qualifikation. Selbst wenn wir nicht gewinnen, haben wir noch gute Aussichten. Denn ich gehe nicht davon aus, dass Russland alle Spiele gewinnt."

Personell steht nur hinter dem Einsatz von Marcell Jansen ein Fragezeichen. Der Hamburger fehlte beim Abschlusstraining wegen eines grippalen Infekts. Die Entscheidung über einen Einsatz soll erst am Mittwoch fallen. Für ihn stünde sein Mannschaftskollege Piotr Trochowski, der das Siegtor im Hinspiel erzielt hatte, als gleichwertiger Ersatz parat, so Löw. Ansonsten denke er über die ein oder andere Änderung in der Startformation nach, obwohl es grundsätzlich dafür keine Notwendigkeit gebe.