2009.04.03 Neuss : Keine Sperre für Podolski durch die FIFA

Nach der Backpfeife von Lukas Podolski gegen Michael Ballack im WM-Qualifikationsspiel gegen Wales sieht der Weltverband FIFA von einer Sperre gegen den Bayern-Angreifer ab.

nka
Kommt nach der Backpfeife wohl um eine Strafe herum: Lukas Podolski (r.)

Lukas Podolski zeigt nach seiner Backpfeife gegen Kapitän Michael Ballack Reue und spendet 5000 Euro für eine Fair-play-Aktion des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Der 23-Jährige räumte ein, dass sein Verhalten im WM-Qualifikationsspiel in Cardiff gegen Wales (2:0) falsch war und das Team in Misskredit gebracht hat. Eine Sperre seitens der FIFA muss er nicht befürchten: Der Weltverband sieht keinen Ansatz für eine Sanktion.

Podolski teilte seine Entscheidung dem Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff telefonisch am Freitag mit. "Wir haben die Dinge intern besprochen. Ich habe sicherlich auf dem Platz etwas überreagiert. Für meine Reflex-Handlung habe ich mich deshalb entschuldigt", sagte Podolski der Bild-Zeitung. Kapitän Ballack war aber nicht so schnell zu besänftigen: "Die Sache ist nicht zu tolerieren."

Zwanziger lobt Podolskis "richtige Geste"

DFB-Präsident Theo Zwanziger begrüßte hingegen Podolskis Entschluss und bezeichnete ihn als "gute und richtige Geste angesichts seines inakzeptablen Verhaltens". Nach einem Wortgefecht hatte Podolski in der 67. Minute die Beherrschung verloren und Ballack mit seiner rechten flachen Hand auf die linke Wange geschlagen.

Eine Sperre seitens der FIFA bleibt aus. "Wir haben alles ausgewertet: den Bericht des Schiedsrichters und den Bericht des Spielkommissars. Nach Untersuchung der bislang vorliegenden Informationen liegen keine Anzeichen vor, die ein weiteres Vorgehen in der genannten Auseinandersetzung erfordern", teilte die FIFA auf Anfrage mit. DFB-Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel hatte zuvor erklärt, dass Podolski vom norwegischen Schiedsrichter Terje Hauge die Rote Karte hätte sehen müssen.

Zwanziger fügte nach einem erneuten Studium der TV-Bilder an: "Vor Ort musste man zunächst von einer Meinungsverschiedenheit zweier Mitspieler ausgehen, wie sie immer mal wieder vorkommen kann und wird. Dieser Fall liegt aber natürlich gänzlich anders. Bei allem sportlichen Erfolgstreben ist es die Pflicht des Teams, als Botschafter für Toleranz, Fairness und Gewaltlosigkeit einzutreten."

Profis werden an ihre Vorbildfunktion erinnert

Solche Szenen würden ein fatales Bild für das Team und insbesondere auch für den einzelnen Spieler abgeben. Für die Jugendlichen seien gerade junge Nationalspieler wie Lukas Podolski Idole, denen sie nacheifern wollen. Als Profi habe man eine Vorbildfunktion und damit eine gesellschaftliche Verantwortung, der man sich auch bewusst sein müsse. Das erwarte er von jedem Einzelnen, in jedem Spiel, so Zwanziger.

Auch Bierhoff zeigte sich erfreut darüber, "dass Lukas durch eine öffentliche Geste seine Verantwortung annimmt. Wir haben Lukas in unserem Gespräch nach dem Spiel daher auch deutlich mitgeteilt, dass ein solches Verhalten inakzeptabel ist und dies nicht mehr passieren darf."

Auch von Seiten des FC Bayern droht Podolski kein Nachspiel. "Ich habe mit Lukas kurz gesprochen, doch das haben die beiden schon geklärt. Von unserer Seite ist das kein Problem", sagte Bayern-Coach Jürgen Klinsmann am Freitag. Der ehemalige Bundestrainer sieht den Vorfall offensichtlich nicht dramatisch. "Das gehört alles dazu im Fußball", sagte er.