2009.04.03 Neuss : Schalke mit "Trio wider Willen" in Bielefeld

"Jetzt müssen wir alle anpacken" lautet das Motto von Schalkes neuem Trainer-Trio Büskens, Reck und Mulder, dass am 26. Spieltag der Bundesliga in Bielefeld seinen Einstand gibt.

us
Schalkes Interims-Coach Mike Büskens

Mit einem "Trio wider Willen" will Bundesligist Schalke 04 seine völlig verkorkste Saison retten und sich doch noch für den europäischen Wettbewerb qualifizieren. Nachdem die einwöchige Suche nach einem Interimstrainer das peinliche Krisenmanagement zuletzt auf die Spitze getrieben hat, sollen nun doch die "Euro-Fighter" den eigentlich fast unmöglichen Sprung in den UEFA-Cup schaffen.

Und so geben Mike Büskens und Youri Mulder - offiziell als gleichberechtigtes Trio mit Torwart-Trainer Oliver Reck - im heutigen Ligaspiel bei Arminia Bielefeld (20.30 Uhr/live bei Premiere) ein Comeback. Bei seiner Neun-Spiele-Mission soll das Trio ähnlich erfolgreich arbeiten wie im Vorjahr, als es nach der Entlassung von Trainer Mirko Slomka mit 16 von 18 möglichen Punkten noch die Champions-League-Qualifikation erreichte.

"Jetzt müssen alle anpacken"

Der klar erkennbare Chef Büskens gibt sich kämpferisch. "Jetzt müssen wir alle anpacken, damit wir das Ding wieder in die richtige Richtung drehen", meinte der 41-Jährige: "Wir haben noch eine Mini-Chance, den UEFA-Cup zu erreichen. Die wollen wir ergreifen." Ein Engagement über das Saisonende hinaus schloss er nicht aus: "Wie soll ich wissen, was in neun Wochen ist?"

Doch Büskens und Mulder wollten den Job eigentlich gar nicht haben. Und Präsident Josef Schnusenberg wollte ihn ihnen auch nicht geben. Zu viel Fred Rutten sei das Erfolgs-Duo der Schlussphase des Vorjahres, hieß es in Vereinskreisen über die bisherigen Assistenten des entlassenen Niederländers. Eine Aussage, die Mulder deutlich stützte. "Ich würde das meiste so machen wie Fred Rutten. Da hätte man ihn auch gleich behalten können", sagte er noch vor wenigen Tagen.

Nach der Absage des Wunschkandidaten Slaven Bilic soll es das Trio um Büskens nun doch richten. Und glaubt man den Aussagen, haben es alle ja doch von Anfang an so gewollt. "Es war die allererste Überlegung, es mit uns zu machen", sagte Büskens: "Wenn wir sofort ja gesagt hätten, hätte es die Überlegung, sich draußen nach einem Interimstrainer umzusehen, nicht gegeben."

Büskens fühlt sich nicht als Notnagel

Als Notnagel fühlt sich der langjährige Schalker Profi nicht. "Schwierigkeiten hätte ich gehabt, wenn ich das fünfte, sechste oder siebte Rad am Wagen wäre und sie in der ganzen Wühlkiste gesehen hätten, da sind ja noch drei. Aber so ist es ja nicht", äußerte er.

Bei den Spielern sind die neuen Chefs beliebt. Kevin Kuranyi bezeichnete ihre Inthronisierung als "perfekte Sache". Und auch Marcelo Bordon fand nach dem Rücktritt als Kapitän und angekündigten Abschied am Saisonende wieder positive Worte. "Im vergangenen Jahr hat es optimal geklappt. Büskens weiß genau, wie er uns motivieren kann", sagte er lobend.

"Es muss einer kommen, der sich was traut"

Eine Erfolgsserie würde Schalke aber in ein neues Dilemma stürzen: Die Teilnahme am Europacup würde die Gelsenkirchener für namhafte Trainer ihres Anspruchs wieder richtig interessant machen. Doch spätestens dann hätte sich Büskens endgültig als Chefcoach empfohlen. "Der neue Trainer muss sich gut überlegen, ob er sich das hier antun soll oder nicht. Es muss einer kommen, der sich was traut", erklärte Kuranyi.

Beim Abstiegskandidaten in Bielefeld frohlockt man jedenfalls schon. Seit viereinhalb Monaten sind die Ostwestfalen ohne Heimsieg, "Lebensversicherung" Artur Wichniarek wartet seit 511 Minuten auf ein Tor. Doch da kommt Schalke "nicht unpassend" wie Verteidiger Markus Bollmann anmerkt. Und der verletzte Jonas Kamper meinte: "Wenn Arminia gegen Schalke eine Chance hat, dann am Freitag. Eine bessere Chance kriegen wir nicht."