2009.04.05 Neuss : Button siegt vor Heidfeld nach Abbruch in Malaysia

Wegen starker Regenfälle musste der Malaysia-GP abgebrochen werden. Zum Sieger wurde Jenson Button erklärt, die Plätze zwei und drei belegten Nick Heidfeld und Timo Glock.

bno
Sieg in Malaysia für Jenson Button

Die Fahrer saßen wie begossene Pudel in den Rennautos und hofften vergeblich auf ein Einsehen von Mutter Natur. Bei Blitz und Donner und sintflutartigen Regenfällen ist die Formel 1 in Kuala Lumpur buchstäblich baden gegangen. Jenson Button wurde im Monsun von Malaysia zum Abbruchsieger erklärt, Nick Heidfeld und Timo Glock belegten die Ränge zwei und drei und vollführten vor Freude erstmal einen deutschen Regentanz auf dem Treppchen.

"Als ich da oben auf dem Podium war, wusste ich auch erst nicht genau, wo ich bin", sagte der verdutzte Heidfeld. Zunächst seien die Extrem-Regenreifen falsch gewesen, meinte der BMW-Sauber-Pilot. "Ich sollte dann reinkommen, habe aber noch gewartet. Das war dann mein Glück", meinte der Mönchengladbacher.

Glock: "Ich hatte keine Ahnung, ob ich Zweiter oder Dritter war"

Auch Glock hatte in dem ganzen Chaos zum Schluss den Überblick verloren. "Ich hatte keine Ahnung, ob ich Zweiter oder Dritter war. Jetzt bin ich sehr froh, überhaupt auf dem Podium zu stehen. Das war eines der besten und witzigsten Rennen meines Lebens", sagte der Toyota-Pilot, der im Reifenpoker selbst die Entscheidung getroffen hatte: "Als ich die Wolken gesehen hatte, habe ich mir gesagt, ich fahre auf den Intermediates weiter und lasse die anderen sich die Regenreifen kaputt fahren."

In der 33. Runde wurde der Große Preis von Malaysia unterbrochen und 50 Minuten später wegen einsetzender Dunkelheit abgebrochen. Gewertet wurde das Rennen allerdings mit dem Stand nach Runde 31. Weil noch nicht 75 Prozent der geplanten Distanz absolviert waren, wurden die WM-Punkte halbiert.

Button: "Ich hätte gerne einen Neustart gehabt"

"Was für ein verrücktes Rennen, was für ein wahnsinniger Sieg", sagt Button. Und Teamchef Ross Brawn war sichtlich ergriffen. "Das Märchen geht weiter", sagte das "Superhirn". Dennoch ärgerte sich der Brite auch etwas: "Ich hätte gerne einen Neustart gehabt, denn so haben wir nur halbe Punkte."

Button, der schon das Auftaktrennen in Melbourne vor einer Woche gewonnen hatte, führt die WM-Wertung nun mit 15 Punkten vor seinem Teamkollegen Rubens Barrichello (Brasilien/10) an, der den fünften Platz erreichte. Timo Glock (Wersau) belegt mit acht Zählern den vierten Rang hinter seinem Toyota-Teamkollegen Jarno Trulli (Italien/8,5), Vierter in Malaysia.

Button saß in seinem Auto und wartete unter dem Regenschirm auf den Neustart. Plötzlich flüsterte ihm ein Teammitglied etwas ins Ohr, und der Brite strahlte übers ganze Gesicht. Das Warten war endlich vorbei, das Rennen beendet. Dann kletterte Button aus dem Cockpit und reckte die Faust in den bedrohlich düsteren Himmel. Zweites Rennen, zweiter Sieg - das hatte bisher erst ein Team in der Formel-1-Geschichte geschafft: Alfa Romeo 1950.

Rosberg: "Ein Podium wäre drin gewesen"

Nico Rosberg (Wiesbaden), der das Rennen auf trockener Strecke anfangs sogar angeführt hatte, rettete schließlich als Achter noch einen halben Punkt. Der Rennabbruch sei die richtige Entscheidung gewesen, meinte der Williams-Pilot: "Im Regen wäre sicher noch was gegangen. Ein Podium wäre drin gewesen, aber ich war immer irgendwie auf den falschen Reifen unterwegs."

Für den deutschen Hoffnungsträger Sebastian Vettel (Heppenheim) war die Malaysia-Reise ein Reinfall. Erst wurde er auf Startplatz 13 zurückversetzt, dann sah der Hesse im Rennen nicht die Zielflagge. Auf der regennassen Fahrbahn habe er das Auto plötzlich verloren. Vettel: "Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, aber leider hat die Elektronik, die eigentlich das Auto abfangen und den Motor vor dem Absterben schützen soll, nicht funktioniert. Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr schon, was eine Schande ist."

Weltmeister Lewis Hamilton holte nach der Disqualifikation in Melbourne und anschließender Lügen-Beichte als Siebter seinen ersten Punkt in dieser Saison. Mercedes-Sportchef Norbert Haug meinte zufrieden: "Ein Rennen wie eine Schlacht. Lewis gehörte trotz Start aus der sechsten Reihe zu den Besten - und jeder, der bei diesen Bedingungen sein Auto auf der Straße hielt, ist heute ein Held."

Theissen verlor kurz Durchblick

BMW-Sportdirektor Mario Theissen hatte im Regenchaos sogar kurz den Durchblick verloren. "Ich muss zugeben, dass ich erst bei der Siegerehrung entdeckt habe, dass Nick Zweiter ist", sagte er: "Ich hatte ihn als Dritten geführt."

Ob Button die beiden Siege auch wirklich behalten darf, wird allerdings am grünen Tisch entschieden werden. Das Berufungsgericht des Automobil-Weltverbandes FIA muss am 14. April über die Legalität der Heck-Diffusoren an den Rennautos von Brawn, Toyota und Williams entscheiden. Gegen dieses umstrittene Bauteil hatten Ferrari, Red Bull und Renault protestiert. Diesem Protest hat sich BMW am Samstag angeschlossen.

Teamchef Ross Brawn kann sich nicht vorstellen, dass sein Team rückwirkend Punkte verliert. Denn das würde nach Meinung des Briten eine Protestlawine auslösen. Brawn: "Würden sie das machen, öffnen sie ein Fass ohne Boden. Dann würde bei einer engen WM-Entscheidung eines der beiden Teams gegen das andere wegen irgendeines Details am Auto protestieren."

Den letzten vorzeitigen Abbruch wegen Regens hatte es am 3. November 1991 beim Saisonfinale in Adelaide/Australien gegeben. Dort wurden nur 14 der geplanten 81 Runden absolviert. Sieger Ayrton Senna und die hinter ihm klassierten Piloten erhielten wegen der zu geringen gefahrenen Distanz ebenfalls nur die halben WM-Punkte.