2009.04.05 Neuss : "Knallharte Analyse" nach Ringerschlappe bei EM

Nach der enttäuschenden EM mit nur zwei Podestplätzen, will der Präsident des Deutschen Ringer-Bundes, Manfred Werner, eine "knallharte Analyse" durchführen.

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Nur zwei deutsche Podestplätze in Vilnius

Das schlechteste Abschneiden in der modernen EM-Geschichte wird für die deutschen Ringer ein Nachspiel haben. "Wir werden das Ding knallhart analysieren und dabei in die äußerste Tiefe gehen. Wenn wir etwas ändern müssen, und das scheint der Fall zu sein, dann müssen wir es jetzt machen", sagte Manfred Werner, der Präsident des Deutschen Ringer-Bundes (DRB), dem Sport-Informations-Dienst (SID). Der DRB-Boss wurde allerdings am letzten EM-Tag in Vilnius durch die Bronzemedaille von Nico Schmidt (Frankfurt/Oder/120 kg) noch ein wenig versöhnt: "Nico hat seine Klasse bewiesen."

Dennoch hat Werners Verband lediglich zwei Podestplätze geholt - das schwächste Ergebnis seit der Umstrukturierung der Titelkämpfe im Jahr 2005, bei der alle Stilarten innerhalb eines Turniers zusammengefasst wurden. Nur die Bronzemedaillen von Schmidt und Stefanie Stüber (Daxlanden/63 kg) verhinderten eine "Nullnummer" für den DRB, der bei den kontinentalen Titelkämpfen seit 2005 jeweils drei bis sechs Podestplätze verbuchen konnte.

Dritter Platz von Nico Schmidt große Überraschung

Auch am letzten EM-Tag schien sich an dieser schwachen Bilanz zunächst nichts zu ändern. Bernhard Mayr (Anger/84 kg) und Oliver Hassler (Hausen-Zell/96 kg) scheiterten zum Abschluss der Wettkämpfe im griechisch-römischen Stil wie ihre Teamkollegen am Samstag vorzeitig. Dann gelang Schmidt durch den Sieg im "kleinen Finale" gegen den Griechen Panagiotis Papadopoulos eine große Überraschung. Zuvor hatten die Freistil-Spezialisten kollektiv versagt.

"Es wird nun zeitnah ein Gespräch mit Sportdirektor Detlef Schmengler geben. Es gibt einige Dinge zu besprechen. Auch die Bundestrainer sollen ihre Analyse vorlegen. Ich will auch von ihnen gewisse Dinge wissen", erklärte Werner, der über die Posten der Bundestrainer Jürgen Scheibe (Frauen), Jörg Helmdach (Freistil) und Maik Bullmann (griechisch-römisch) derzeit aber "nicht diskutieren" will.

Vielmehr möchte Werner eine schnelle Neu-Orientierung im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2012 in London. "Wenn wir jetzt etwas ändern, hätten wir noch die Zeit, um etwas geradezubiegen. Wenn wir es erst im nächsten Jahr oder nach der WM im Spetember machen, könnte es schon zu spät sein", meinte der Ringer-Boss.

Bei aller Kritik wies Werner aber zurecht darauf hin, dass bei der EM zahlreiche Leistungsträger verletzt fehlten und sich die Teams aufgrund des Karriere-Endes einiger Athleten im Umbruch befinden. Fast die Hälfte der DRB-Athleten war zum ersten Mal bei einer internationalen Großveranstaltung dabei. Für die Talente ging es in erster Line darum, Erfahrungen zu sammeln.

"Deshalb sind wir auch mit geringen Erwartungen nach Litauen gefahren. Die Ergebnisse waren zwar nicht berauschend, aber es war auch nicht viel zu erwarten", sagte Werner. Auf Besserung hofft der DRB-Präsident schon bei der WM im September in Dänemark: "Dann wollen die Bundestrainer alles mitnehmen. Dort werden wir mit dem stärkstmöglichen Team antreten."

Derweil holten sich am Sonntag die Russen Alexej Mischin (84 kg) und Aslanbek Kuschtow (96 kg) sowie der Arminier Juri Patrikejew (120 kg) die letzten Titel.