2009.04.05 Neuss : Wochen der Wahrheit für den FCR Duisburg

Mit dem UEFA-Cup-Rückspiel gegen Olympique Lyon startet der FCR Duisburg in die Wochen der Wahrheit. In der Liga ist noch alles offen und das Pokalfinale will man auch erreichen.

maj
Der FCR Duisburg jubelt nach dem 1:1 im Hinspiel gegen Olympique Lyon

Ausgerechnet vor der wichtigsten Partie in der Vereinsgeschichte spielt Vizemeister FCR Duisburg Achterbahn-Fußball. Vor dem Halbfinal-Rückspiel im UEFA-Cup gegen Olympique Lyon heute (14.00 Uhr/live in der ARD) hat der Europacup-Neuling mit zwei Heimniederlagen in der Frauenfußball-Bundesliga seine gute Position im Titelkampf eingebüßt, nach der kämpferisch und technisch überzeugenden Leistung beim 1:1 in Lyon aber das UEFA-Cup-Finale vor Augen.

"Ich kann das nicht schönreden"

Noch schlimmer als die 1:2-Niederlage am Mittwoch gegen Bayern München vor den Augen einer sechsköpfigen Delegation aus Lyon fand Trainerin Martina Voss das schwache Auftreten ihrer Elf auf dem Platz. "Ich kann und will das nicht schönreden. Wir hatten genug Chancen zu gewinnen, aber es hat der absolute Wille gefehlt", kritisierte die 41-Jährige: "So kann man gegen einen Gegner wie Olympique Lyon nicht gewinnen."

Voss steht also vor der schwierigen Aufgabe, mit der Mannschaft den Rückschlag zu analysieren und dann zur in Frankreich demonstrierten Selbstsicherheit zurückzufinden. Denn nach wie vor ist Olympique für die Trainerin der Favorit: "Lyon hat uns vor einer Woche unterschätzt, jetzt aber werden sie alles daran setzen, das Finale noch zu erreichen."

Für die zwei Gesichter ihrer Elf fiel Voss nur eine mögliche Ursache ein: "Gegen Lyon sind wir nicht wie gegen Bayern favorisiert - vielleicht kann die Mannschaft mit der Außenseiterrolle besser umgehen." Mittelfeldspielerin Femke Maes, die das Auswärtstor in Lyon erzielte, appellierte daher an ihr Team: "Wir haben noch gar nichts erreicht, sondern können vielmehr alles verlieren. Für uns sind das jetzt die Wochen der Wahrheit. Am Sonntag entscheidet sich, ob wir ins Finale des UEFA-Cups kommen, eine Woche später geht es um den Einzug ins Endspiel nach Berlin. Wir dürfen uns keine Sekunde zurücklehnen, sondern müssen immer hart an uns arbeiten."

Personalprobleme auf der Torhüterposition

Personell steht ein Fragezeichen hinter Außenverteidigerin Alexandra Popp (Sprunggelenk), und Torhüterin Kathrin Längert laboriert weiter an Oberschenkelproblemen. Die Schweizerin Kathrin Lehmann, die kurzfristig in Lyon eingesprungen war, fällt aus, da sie wegen ihres Zweitberufes als Stürmerin der Eishockey-Nationalmannschaft der Eidgenössinnen derzeit bei der WM in Schweden ist. Für eine hochkarätige Lösung ist aber ab der nächsten Saison gesorgt. Am Freitagmittag verkündete der Verein die Verpflichtung von Nationaltorhüterin Ursula Holl.

Viele Ehrengäste werden erwartet

Neben den Spielerinnen müssen auch die Organisatoren Schwerstarbeit leisten. Der Verein erwartet neben Ehrengästen wie DFB-Präsident Theo Zwanziger, DFB-Trainerin Silvia Neid und der Präsidentin des WM-Organisationskomitees, Steffi Jones, 3500 bis 4000 Zuschauer. Auch das Medieninteresse stößt in für den FCR unbekannte Dimensionen vor, Zelte müssen errichtet und die strengen Sicherheitsvorkehrungen der UEFA befolgt werden.

Sicher ist, dass nur der Finaleinzug dieses Spiel der Spiele überbieten könnte. Der Klub verhandelt daher vorsorglich über einen Gastauftritt am 16. oder 23. Mai in der MSV-Arena. Der Gegner hieße dann Zwezda Perm (Russland) oder Umea IK, wobei die Schwedinnen nach dem 0:2 in Perm die schlechtere Ausgangssituation haben.