2009.04.08 Neuss : Doping-Opfer-Hilfe attackiert DDR-Trainer

Die Doping-Opfer-Hilfe (DOH) hat die Erklärung von fünf ehemaligen Leichtathletik-Trainern der DDR massiv kritisiert. Solche Geständnisse hätten mit Aufarbeitung nichts zu tun.

nka
Die DOH kritisiert die Erklärung der Ex-Leichtathletik-Trainer

Die Doping-Opfer-Hilfe (DOH) hat vehement Einspruch gegen die Erklärung von fünf ehemaligen DDR-Leichtathletik-Trainern zu ihrer Dopingvergangenheit erhoben und Widerstand angekündigt. "Geständnisse, die nach zwanzig Jahren nicht über längst Bekanntes und Belegtes hinausgehen, die keinen Beitrag zur Aufklärung leisten, sind ein Versuch der Verschleierung der Vergangenheit, nicht Aufarbeitung", heißt es in einer Pressemitteilung des in Weinheim ansässigen Vereins: "Geht eine Resozialisierung der Trainer um des Erfolgs Willen über die Schmerzen der Opfer? Nein!"

Weiter schreib die Organisation: "Meinen diese Trainer wirklich Versöhnung mit den Opfern, wenn sie zugleich im Konjunktiv anmerken: "Sollte es körperliche Beeinträchtigungen gegeben haben, so tut uns dies leid"?"

Die Folgeschäden seien hundertfach belegt. "Ob die ehemalige Leichtathletin Frau G., die durch Dopingmittel lebensbedrohlich erkrankt ist und heute um ihr Leben ringt, diese In-Frage-Stellung (...) versteht? Und mit ihr alle anderen Geschädigten?"

"Generalamnestie" befürchtet

Die Opfer halten die von Bundesinnenministerium, Deutschem Olympischen Sportbund (DOSB) und Deutschem Leichtathletik-Verband (DLV) akzeptierte Erklärung für den Anfang einer "Generalamnestie".

Auch die DOH stehe für Verzeihen und eine zweite Chance: "Aber dies müssen sich die Täter verdienen." Voraussetzung dafür sei eine schonungslose Offenlegung der Beteiligung jedes einzelnen Trainers am Zwangsdopingsystem der DDR. Der Verein erklärte zugleich seine Bereitschaft, eine "redliche Aufarbeitung durch Sportpolitik und Sportverbände" zu unterstützen.

Am Montag hatten sich die fünf Trainer Rainer Pottel, Maria Ritschel, Gerhard Böttcher, Klaus Baarck und Klaus Schneider mit einer Erklärung zu ihren Verfehlungen bekannt und sich bei den Opfern entschuldigt.