2009.04.08 Neuss : Klinsmann geht in die Offensive

Nach den jüngsten Diskussionen um seine Person gibt sich Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann kämpferisch. Er sei überzeugt vom eingeschlagenen Weg und wolle "das Ding durchziehen".

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Jürgen Klinsmann (l.) und Franck Ribery

Trainer Jürgen Klinsmann hat kämpferisch auf die Diskussionen um seine Zukunft reagiert, den eingeschlagenen Weg der Erneuerung verteidigt und die Spieler zugleich zu mehr Eigenverantwortung aufgefordert. "Der Verein darf doch jetzt nicht, nur weil es schwierig wird, wieder einen Schritt zurückschauen und nur sehen, wie er nächstes Jahr wieder deutscher Meister wird", sagte der Coach der Süddeutschen Zeitung und bezeichnete den deutschen Rekordmeister Bayern München als "Verein der Extreme", der gerade eine "Saison der Extreme" erlebe.

Klinsmann äußerte die feste Überzeugung, dass sich der FC Bayern, "ob mit oder ohne Klinsmann", langfristig an dem orientieren werde, "was jetzt gerade hier passiert. In diesem Jahr. Wir haben etwas angestoßen, das ich sehr gerne weiterführen möchte", sagte der 44-Jährige. Außerdem sei es nicht seine Philosophie, die er zu vermitteln versuche, sondern er orientiere sich an dem, was international vorgegeben werde von Top-Klubs wie dem FC Barcelona, Manchester United oder FC Liverpool.

Es sei für ihn und seine Familie eine wichtige Entscheidung gewesen, aus Kalifornien nach München zu kommen. "Wir fühlen uns hier wohl und werden bleiben. Und ich habe noch eine gewaltige Energie in mir, das Ding hier durchzuziehen, beruflich und familiär", betonte Klinsmann. Er wisse aber sehr wohl, dass er und sein Stab "in Frage gestellt werden, wenn wir nicht gleich im Jahr eins Erfolge erreichen".

Spieler erneut in die Verantwortung genommen

Der ehemalige Bundestrainer hat bei den Profis zudem eine "gewisse Sattheit" nach dem Double der Vorsaison erkannt, die sich in den nationalen Wettbewerben niederschlage. Doch gerade jetzt sei Eigenverantwortung gefragt. "Es kann nur funktionieren, wenn der Spieler lernt, mit der Verantwortung umzugehen, die ich ihm übergeben habe. Und nicht in einem Ligaspiel gegen Frankfurt 80 oder 90 Prozent zu geben und in einem Champions-League-Spiel, das weltweit übertragen wird, 100 Prozent."

Klinsmann war nach der 1:5-Niederlage beim VfL Wolfsburg wieder verstärkt in die Kritik geraten. Präsident Franz Beckenbauer hatte zudem mit der Äußerung für Wirbel gesorgt, man müsse die Zukunft des Trainers am Saisonende überdenken. Manager Uli Hoeneß rügte den "Kaiser" daraufhin öffentlich. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte Klinsmann zuvor eine Jobgarantie auch für den Fall einer hohen Niederlage beim FC Barcelona im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League ausgesprochen.