2009.04.12 Neuss : Klinsmann: "Reißen uns jeden Tag den Hintern auf"

Jürgen Klinsmann zeigt sich im Interview nach dem 4:0-Sieg über Eintracht Frankfurt erleichtert. Der Trainer des FC Bayern München glaubt weiterhin fest an den Meistertitel.

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Zufrieden mit seiner Mannschaft: Jürgen Klinsmann

Dem FC Bayern München ist nach den zuletzt deutlichen Niederlagen gegen Wolfsburg und Barcelona am Samstag endlich wieder ein Sieg gelungen. Nach dem 4:0 gegen Eintracht Frankfurt sprach FCB-Coach Jürgen Klinsmann über die Leistung seiner Schützlinge.

Frage: "Jürgen Klinsmann, ist Ihnen mit dem 4:0 gegen Eintracht Frankfurt die Wiedergutmachung für das 0:4 in Barcelona gelungen?"

Jürgen Klinsmann: "Das war eine klasse Vorstellung und eine klasse Reaktion auf das Debakel von Barcelona. Der Stachel saß sehr tief, wir wollten die Dinge mit unserem Publikum wieder gut machen. Wir nehmen uns jetzt sehr viel vor für Dienstag, um uns mit Anstand aus der Champions League zu verabschieden. Wir wollen Barcelona, die beste Mannschaft der Welt, schlagen - auch wenn wir sie sicher nicht mehr ausschalten können."

Frage: "Jörg Butt erhielt im Tor erneut den Vorzug vor Michael Rensing. Warum?"

Klinsmann: "Jörg Butt hat am Mittwoch als einziger seinen Kopf im wörtlichen Sinne hingehalten für die Mannschaft, Henry hat ihm mit einem bösen Foul den Kopf aufgeschlitzt. Da stehe ich zu diesem Kerl, der beim FC Bayern zu einem Leader geworden ist. Er ist sehr intelligent, strahlt Ruhe, Erfahrung und Gelassenheit aus. Wir sind in einer Phase, in der es in jedem Spiel um alles oder nichts geht. Da muss ich Michael weh tun, damit wir Resultate einfahren."

Frage: "Bleibt Butt die Nummer 1? Und was wird aus Rensing?"

Klinsmann: "Jörg wird weiter im Tor stehen. Das muss ich jetzt durchziehen. Michael ist aber nicht herabgestuft. Er wird irgendwann da hinkommen, wo Jörg Butt schon einmal war und jetzt wieder ist. Er hat riesengroßes Potenzial und wird hoffentlich irgendwann hier die große Nummer 1 sein."

Frage: "Ihr Job stand auf dem Spiel. Wie sehr geht Ihnen diese Situation nahe?"

Klinsmann: "Es ist klar, dass es nicht so einfach ist. Man ist auch nur ein Mensch, man registriert, was von den Medien kommt und was die Leute sagen. Das ist in meinem Job normal, dass ich den Kopf hinhalten muss. Ich bin ein Kämpfer und habe schon extremere Momente erlebt, wie drei Monate vor der WM, als mich viele absägen wollten. Das hat man nicht geschafft und am Ende gab es das Sommermärchen."

Frage: "Glauben Sie an ein ähnliches Happy End mit den Bayern?"

Klinsmann: "Wir haben noch weitere sieben Endspiele. Die werden wir genau so angehen - und dann am Ende ganz oben stehen. Die Leute im Vorstand wissen sehr wohl, was ich kann - und das werde ich mit aller Kraft und Freude weiter tun. Wir reißen uns jeden Tag für den FC Bayern den Hintern auf. Und ich werde das durchziehen."

Frage: "Reicht die Qualität der Mannschaft aus, um wenigstens diesen einen Titel noch zu gewinnen?"

Klinsmann: "Wir stoßen mit unserem Kader an die Grenzen. Wir sind nicht im Stande, Ausfälle wie die eines Lucio, eines Philipp Lahm oder eines Miroslav Klose zu kompensieren. Da fehlt uns ganz klar die Qualität, da fehlt uns die Klasse. Aber ich bin überzeugt: Wir werden noch Meister."