2009.04.14 Neuss : Entscheidung im Diffusor-Streit vertagt

Das Berufungsgericht der FIA wird seine Entscheidung im Diffusor-Streit erst am Mittwoch bekannt geben. Dies teilte die FIA am Dienstag mit.

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Brawn GP muss weiter bangen

Der Diffusor-Streit geht in die Verlängerung: Das Berufungsgericht des Automobil-Weltverbandes FIA hat sich nach mehr als achtstündiger Anhörung und anschließender Beratung in Paris auf Mittwoch vertagt. Erst dann soll die in der Formel 1 mit Spannung erwartete Entscheidung über die Legalität der Heck-Diffusoren bekannt gegeben werden.

Entscheidung am Mittwochnachmittag erwartet

Die drei Rennställe Ferrari, Red Bull und Renault hatten gegen die Doppel-Diffusoren der Teams Brawn, Toyota und Williams Einspruch eingelegt. Die Entscheidung wird laut FIA für den Mittwochnachmittag erwartet.

Von dem Urteil hängt auch der weitere Saisonverlauf maßgeblich ab. Bis jetzt sind wegen des schwebenden Verfahrens die Ergebnisse der ersten beiden Saisonrennen noch nicht offiziell. Der Brite Jenson Button gewann im Auto des Honda-Nachfolgeteams BrawnGP in Australien und Malaysia und führt die WM-Gesamtwertung vor dem China-Grand-Prix am Sonntag in Shanghai mit 15 Punkten vor seinem Teamkollegen Rubens Barrichello aus Brasilien (zehn) an.

Ein Diffusor ist ein nach hinten hochgezogenes Leitwerk des Unterbodens am Heck. Dieses aerodynamische Bauteil aus Kohlefaser vergrößert die Sogwirkung des Unterbodens und erzeugt durch den Ansaugeffekt einen höheren mechanischen Anpressdruck, den Abtrieb. Damit wird das Fahrverhalten des Autos verbessert. Laut BMW-Pilot Nick Heidfeld (Mönchengladbach) bringe der Diffusor einen Zeitvorteil von mehr als einer halben Sekunde pro Runde.

"Gleich drei Teams hatten die gleiche Idee"

Toyota-Pilot Timo Glock sieht dem Urteil trotz "eines mulmigen Gefühls" optimistisch entgegen: "Gleich drei Teams hatten die gleiche Idee. Das zeigt doch, dass man von Anfang an von der Richtigkeit dieser Regelauslegung überzeugt war", sagte der Odenwälder.

Doch die Konkurrenten sahen sich in den ersten beiden Rennen benachteiligt. "Eingefallen ist uns das auch. Aber uns war klar, dass es nicht erlaubt ist", sagte der Technik-Koordinator von BMW, Willi Rampf. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen fordert ebenfalls Konsequenzen. "Die Dominanz der Teams mit dem zweistufigen Diffusor war unübersehbar", stellte er fest und verlangt zumindest eine klare Regelung: "Hier muss die FIA dringend Klarheit schaffen. Sport ist nur dann interessant, wenn alle nach einheitlichen Regeln antreten."

Haug spricht von "Zwei-Klassen-Gesellschaft"

Während Mercedes-Sportchef Norbert Haug in Bezug auf die Diffusoren von einer "Zwei-Klassen-Gesellschaft" spricht, vergleicht Theissen die Angelegenheit mit einem "100-m-Lauf, bei dem einige Läufer zehn Meter weiter vorne starten. Das Ergebnis wäre nicht aussagekräftig."

Bereits vor der Entscheidung der FIA-Richter haben die anderen Teams mit der Entwicklung eigener Doppel-Diffusoren begonnen. "Das geht nicht auf einen Schlag", sagte Theissen. "Natürlich muss man sich darauf vorbereiten, wenn dieseRegelauslegung legal wird. Ich bin sicher, dass alle Teams das schon untersuchen", meinte Haug.

"Superhirn" Ross Brawn sagte zuletzt, dass er vor längerer Zeit die anderen Teams auf möglichen Interpretationsspielraum im Bereich des Diffusors hingewiesen und eine Konkretisierung der Regel vorgeschlagen habe. "Das wurde abgelehnt", meinte der Brite.