2009.04.15 Neuss : FIA erklärt Diffusor für legal

Die Einsprüche mehrerer Teams gegen den umstrittenen Heck-Diffusor sind von der FIA abgelehnt worden. Damit sind nun auch die Ergebnisse der ersten beiden Rennen offiziell.

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Jenson Button darf weiter mit dem umstrittenen Diffusor fahren

Der umstrittene Heck-Diffusor der Formel-1-Teams Brawn, Toyota und Williams entspricht dem Reglement und darf somit in dieser Saison weiter eingesetzt werden. Für die Verfolger bedeutet das vier Tage vor dem Großen Preis von China in Shanghai (Sonntag 8.00 Uhr MESZ/live bei Premiere und RTL) einen Rückschlag und viele Zusatzschichten, denn angesichts der nun herrschenden Regel-Sicherheit müssen die Konkurrenten so schnell wie möglich nachziehen.

Das Berufungsgericht des Automobil-Weltverbandes FIA wies am Mittwoch in Paris die Berufung der Rennställe Ferrari, Red Bull und Renault ab. Diese Teams hatten beim Saisonauftakt in Melbourne gegen den Diffusor protestiert, die Einsprüche waren aber von den Renn-Kommissaren abgewiesen worden. BMW-Sauber hatte in Kuala Lumpur vergeblich interveniert.

Autos entsprechen den Regularien

"Basierend auf den gehörten Argumenten und den vorherigen Beweisen ist das Gericht zu dem Schluss gekommen, dass die Kommissare richtig gehandelt haben, als sie entschieden, dass die Autos den Regularien entsprechen", hieß es in der ersten FIA-Erklärung am Mittwoch.

Nach dem Urteil der fünf Berufungsrichter, die am Dienstag in Paris ihre Anhörung begonnen hatten, sind die Ergebnisse der ersten beiden Saisonrennen offiziell. Der Brite Jenson Button gewann im Auto des Honda-Nachfolgeteams Brawn in Australien und Malaysia und führt die WM-Wertung vor dem China-Grand-Prix mit 15 Punkten vor seinem Teamkollegen Rubens Barrichello aus Brasilien (10) an. Auch die Resultate von Toyota-Pilot Timo Glock aus Wersau (8 Punkte/Platz 4) und Williams-Fahrer Nico Rosberg aus Wiesbaden (3, 5/7) sind bestätigt.

"Wir werden die Entscheidung des Berufungsgerichts akzeptieren. Damit herrscht hier nun Klarheit bezüglich der Anwendung des Reglements", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. Allerdings führe die Entscheidung dazu, "dass nun sieben Teams große Investitionen tätigen müssen, um ihre Autos entsprechend umzubauen". Ähnlich äußerte sich Ferrari-Teamchef Stefeno Domenicali: "Leider zwingt uns diese Entscheidung, fundamentale Bereiche unseres Designs zu ändern, um wieder auf Augenhöhe zu kommen. Das wird Zeit und Geld kosten."

Haug: "Augen auf und durch"

Die meisten Rennställe hatten allerdings schon vor der FIA-Entscheidung mit entsprechenden Entwicklungen begonnen. Dennoch sieht Mercedes-Sportchef Norbert Haug auf die sieben übrigen Teams zeitlich in Verzug. "Der Vorteil ist auf keinen Fall kurzfristig wettzumachen - was die einen in neun Monaten erreichten, können die anderen nicht in neun Wochen schaffen", sagte Haug. "Unser Sportsgeist sagt uns jetzt: So ist es nun mal - Augen auf und durch, wir nehmen die Herausforderung an, auch wenn dazu einige Zeit eingeplant werden muss", meinte er.

"Wir respektieren das Recht unserer Konkurrenten, jedes Design-Bestandteil und Konzept unseres Autos in Frage zu stellen. Die technische Abteilung der FIA, die Kommissare bei den Grand Prix in Australien und Malaysia und jetzt fünf Berufungsrichter haben aber unsere Einschätzung bestätigt, dass unser Auto immer den technischen Regularien für 2009 entsprach", sagte "Superhirn" Ross Brawn, der sich nach seinem perfekten Einstand als Teambesitzer auf die Fortsetzung des Kampfes auf der Strecke freut.

"Ich war zuversichtlich, dass das Berufungsgericht zu diesem Urteil kommen würde, und bin damit zufrieden. Wir hatten nie daran gezweifelt, dass unser Auto den Regeln entspricht", sagte Toyota-Teamchef Tadashi Yamashina: "Es war eine herausfordernde Zeit für die Formel 1. Ich bin froh, dass diese jetzt hinter uns liegt und wir uns auf eine aufregende Saison auf der Strecke konzentrieren können."

Diffusor bringt Zeitvorteil von mehr als einer halben Sekunde pro Runde

Ein Diffusor ist ein nach hinten hochgezogenes Leitwerk des Unterbodens am Heck. Dieses aerodynamische Bauteil aus Kohlefaser vergrößert die Sogwirkung des Unterbodens und erzeugt durch den Ansaugeffekt einen höheren mechanischen Anpressdruck, den Abtrieb. Laut BMW-Pilot Nick Heidfeld (Mönchengladbach) bringt der Diffusor einen Zeitvorteil von mehr als einer halben Sekunde pro Runde.

Bereits vor der Entscheidung der FIA-Richter hatten die anderen Teams mit der Entwicklung eigener Doppel-Diffusoren begonnen. "Das geht nicht auf einen Schlag", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. "Natürlich muss man sich darauf vorbereiten, wenn diese Regelauslegung legal wird. Ich bin sicher, dass alle Teams das schon untersuchen", meinte Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

Teams beanstanden Ablehnung ähnlicher Diffusor-Lösungen

Die Beschwerdeführer unter den Teams hatten beanstandet, dass bei einigen anderen Rennställen ähnliche Diffusor-Lösungen vor Saisonbeginn von der FIA abgelehnt worden seien, und führten erhebliche Mehrkosten für die Nachrüstung an. "Ich habe gehört, dass einige Teams über die Kosten gesprochen haben", hatte Brawn noch vor der Anhörung gesagt: "Aber es gibt viele Dinge, die Teams von anderen Rennställen kopieren, ohne über Kosten zu reden."

Während der Befragung, die am Dienstag acht Stunden gedauert hatte, verteidigte der Brite seinen Diffusor als "innovative Auslegung eine existierenden Idee".