2009.04.16 Neuss : Konkurrenz droht "Superhirn" Brawn

Nach dem umstrittenen Diffusor-Urteil wird Ross Brawn von der Formel-1-Konkurrenz scharf kritisiert. Der Brite soll sich nicht an Absprachen unter den Teams gehalten haben.

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Ross Brawn

Die Konkurrenz hat Ross Brawn heftig kritisiert und will dem dominanten Formel-1-Team nach dem Diffusor-Urteil jetzt offenbar den Geldhahn zudrehen. Renault-Teamboss Flavio Briatore ließ vor dem Großen Preis von China am Sonntag (9 Uhr MESZ/live bei Premiere und RTL) durchblicken, dass sich Brawn nicht an Absprachen unter den Formel-1-Teams gehalten habe, den Diffusor nicht einzusetzen. Das wichtige Aerodynamik-Bauteil, das pro Runde einen Vorteil von einer halben Sekunde bringen soll, war vom Berufungsgericht des Automobil-Weltverbandes FIA als legal eingestuft worden.

"Die WM ist entschieden. Brawn fährt mit einem Auto, das uns verboten wurde", sagte Briatore in Shanghai: "Es ist schon seltsam, dass Weltmeister wie McLaren-Mercedes, Ferrari, Renault oder auch BMW hinterherfahren."

Briatore will Brawn-GP als neuen Rennstall einstufen lassen

Er werde sich dafür einsetzen, dass das durch Jenson Button (Großbritannien) in den ersten beiden Rennen siegreiche Team von "Superhirn" Ross Brawn von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone als neuer Rennstall und nicht als Nachfolger von Honda eingestuft werde.

Dadurch könnten dem WM-Spitzenreiter geschätzte 30 Millionen Dollar aus dem Formel-1-Vermarktungstopf verloren gehen. Zuletzt hatte die Teamvereinigung FOTA noch das Vorhaben von Brawn unterstützt, die komplette Geldsumme zu bekommen.

Theissen: "Diffusor war schon vor der Saison bekannt"

BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen kündigte an, dass im kommenden Meeting der FOTA noch einmal über die Themen Brawn und Geld gesprochen werde. "Das Thema Diffusor war schon vor der Saison allen Teams bekannt, das hat keineswegs einer verschlafen. Die meisten Teams hatten halt ein anderes Verständnis der Regeln", sagte Theissen.

Jetzt müssten alle Teams bis auf die bereits mit einem Diffusor ausgestatteten Brawn, Toyota und Williams mit Millionenaufwand nachrüsten. Theissen: "Das ist mit dem von der FIA angestrebten Ziel, Geld zu sparen, sicher nicht zu vereinbaren."

McLaren und Force India schon am Sonntag mit Diffusor

McLaren-Mercedes und Force India wollen den Diffusor angeblich schon am Sonntag in Shanhai einsetzen. Andere Topteams wie Ferrari oder auch BMW hoffen, beim Europa-Auftakt am 10. Mai in Barcelona mit dem neuen Bauteil aufwarten zu können.

Ob sie allerdings den Rückstand zu Brawn aufholen können, ist laut BMW-Pilot Nick Heidfeld (Mönchengladbach) ungewiss: "Das war die Entscheidung des Jahres, die die WM mitentscheidet. Für einige ist der WM-Zug abgefahren." Dazu gehöre laut Williams-Pilot Nico Rosberg (Wiesbaden) auch McLaren-Mercedes mit Weltmeister Lewis Hamilton (Großbritannien).