2009.04.18 Neuss : Vettel sichert sich in China die Pole Position

Mit einem Glanzleistung hat sich Formel-1-Pilot Sebastian Vettel beim Großen Preis von China die Pole Position gesichert. Von Platz zwei geht Fernando Alonso ins Rennen.

twe1
Pole Position für Sebastian Vettel

Als Sebastian Vettel nach einer Zitterpartie in Shanghai auf die Pole Position gerast war, ballte er die Faust und schrie seine Freude heraus. "Ja, ja, ja, wir haben es geschafft", brüllte Vettel über Funk. In der Garage von Red Bull lagen sich die Teammitglieder nach der Premiere auf Startplatz eins vor Freude in den Armen.

Es war die zweite Pole Position für den 21-Jährigen - beim ersten Mal hatte er in Monza anschließend am 14. September 2008 als jüngster Fahrer aller Zeiten ein Formel-1-Rennen gewonnen. Damals fuhr Vettel noch für Toro Rosso, das B-Team von Red Bull.

"Die Punkte werden am Sonntag vergeben"

Trotzdem wollte das Supertalent noch nicht vom Triumph beim Großen Preis von China am Sonntag (9 Uhr MESZ/live bei Premiere und RTL) träumen, schließlich hatten die Mechaniker wegen einer defekten Antriebswelle das Auto erst in letzter Sekunde zusammengebaut. "Ich bin sehr, sehr glücklich, auf der Pole zu stehen. Aber Podiumsträume bringen gar nichts. Die Punkte werden am Sonntag vergeben, und wir hatten Probleme mit dem Auto. Ich hoffe, es hält über 56 Runden", sagte der Hesse.

Vettel hatte auf dem Weg zur 80. deutschen Pole Position der Formel-1-Geschichte (68 davon eroberte allein Michael Schumacher) außergewöhnliche Nervenstärke gezeigt. Nach der ersten schnellen Runde im ersten Teil des Qualifyings machte sein Rennauto Probleme, Vettel musste in der Garage bleiben und rutschte nur mit Glück auf Rang 13 in den zweiten Durchgang.

Dort hatte er genau wie im letzten Teil des Qualifyings nur eine einzige schnelle Runde zur Verfügung und raste zur Bestzeit. "Ich wusste, dass ich keine zweite Chance habe und habe gezittert", meinte Vettel: "Jetzt brauchen wir auch im Rennen Glück."

Red Bull wollte beim Automobil-Weltverband FIA die Erlaubnis beantragen, das defekte Teil fürs Rennen wechseln zu dürfen. "Ich wäre überrascht, wenn sie es nicht erlauben, schließlich ist es im Qualifying passiert", sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner und schloss Vettel in die Arme: "Das war eine brillante Leistung, mein Puls war hoch. Wir haben einen grandiosen Fahrer, ein grandioses Team und ein grandioses Auto."

Alonso vor Webber

Hinter Vettel (1:36,184) und dem mit einem neuen Diffusor am Auto überraschend starken Ex-Weltmeister Fernando Alonso (Spanien) im Renault (1:36,381) belegte Teamkollege Mark Webber (1:36,466) Platz drei.

Damit wurde in Shanghai das bisherige Kräfteverhältnis in der Saison auf den Kopf gestellt. WM-Spitzenreiter Jenson Button wurde nach seinen Pole Positions in Australien und Malaysia erstmals in dieser Saison entzaubert. Der Brite landete im Wunder-Auto von "Superhirn" Ross Brawn diesmal nur auf dem fünften Platz. Sein Teamkollege Rubens Barrichello (Brasilien), Zweiter in der WM-Wertung, war eine Position besser.

"Es wird schwer, Sebastian Vettel zu schlagen. Die Red Bull waren verdammt schnell", meinte Button. "Wir fordern die Brawn heraus und wollen siegen", sagte Horner.

Williams-Pilot Nico Rosberg (Wiesbaden) belegte Platz sieben, er glaubt aber nicht an eine generelle Veränderung der Hackordnung: "Hier ging es nur darum, welches Auto am besten die Reifen aufwärmt. Im Rennen ist das nicht so ein Problem, deshalb werden die Brawn-Autos sehr schnell und bei den nächsten Rennen wieder überlegen sein."

McLaren-Mercedes macht Schritt nach vorn

Einen Lichtblick gab es für McLaren-Mercedes, denn Weltmeister Lewis Hamilton (Großbritannien) landete mit neuem Diffusor auf Platz neun. "Das war ein Schritt nach vorn, aber noch nicht genug", meinte Hamilton. Nick Heidfeld (Mönchengladbach) verpasste als Elfter den letzten Teil der Qualifikation um eine Hundertstelsekunde, damit war BMW-Sauber erstmals seit dem Großen Preis von Deutschland am 30. Juli 2006 nicht unter den Top Ten vertreten. "Das war ein sehr enttäuschendes Qualifying", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen.

Adrian Sutil (Gräfelfing) landete im Force-India-Mercedes auf dem 18. Rang. Als deutsches Schlusslicht geht Timo Glock (Wersau) von Startplatz 19 ins Rennen. Er war auf Rang 14 gefahren, wurde aber wegen eines Getriebewechsels an seinem Toyota um fünf Plätze zurückversetzt.

"Ich hoffe, dass es im Rennen regnet", sagte Glock. Sein Wunsch könnte in Erfüllung gehen, denn der Wetterbericht verheißt wie beim letzten Rennen in Malaysia Schauer. Unter diesen Bedingungen hatte "Regenkönig" Vettel in Monza übrigens seinen ersten Sieg gefeiert.