2009.05.01 Neuss : Ferrari sieht Gefahr in der Budgetgrenze für 2010

Luca di Montezemolo wehrt sich vehement gegen die von der FIA für 2010 geplante Budgetgrenze von 44 Millionen Euro. Der Ferrari-Chef spricht von einer Gefahr für die Formel 1.

nse
Luca di Montezemolo wehrt sich gegen Budgetgrenze für 2010

Kaum ist die Lügen-Affäre vom Tisch, tobt in der Formel 1 ein heftiger Streit zwischen dem Automobil-Weltverband FIA und Ferrari. Grund ist die vom FIA-Weltrat bereits beschlossene Budgetgrenze für 2010, die Ferrari-Boss Luca di Montezemolo durch ein Schreiben an FIA-Präsident Max Mosley verhindern wollte. Mosley warf di Montezemolo in seiner Antwort vor, die Existenz der Formel 1 in Gefahr zu bringen. Das berichtet das Fachmagazins auto motor und sport.

Mosley will sich unter keinen Umständen von seinem Sparkurs abbringen lassen, auch nicht von Ferrari. "Wir können nicht auf bessere Zeiten hoffen. Die Angelegenheit ist dringend und duldet keinen Aufschub", sagte Mosley.

Die Weichen für die Zukunft der "Königsklasse" sind gestellt. Die künftige freiwillige Budget-Obergrenze wird bei rund 44 Millionen Euro liegen und nicht die Fahrergehälter beinhalten, teilte das World Council mit, nachdem die Summe zuvor bei geplanten 33 Millionen Euro gelegen hatte.

Montezemolo ist verärgert, weil die Teams, die mit den rund 44 Millionen Euro auskommen, große Freiheiten bei der Aerodynamik und der Motorenleistung der Autos erhalten. Dagegen bleiben Rennställen, die weiterhin mehr investieren wollen, diese Vorteile verwehrt.

Montezemolo rechnet mit Komplikationen

Montezemolo gibt zu, dass er dem Budgetlimit immer reserviert gegenübergestanden habe. "Erstens weil wir fürchten, dass es nicht überwacht werden kann. Zweitens, weil jede Kontroverse darüber das Image der Formel 1 beschädigen könnte. Drittens, weil wir Zweifel daran haben, dass eine zweigleisige Meisterschaft ehrlich und fair ausgetragen werden kann", meint der Italiener. Montezemolo kündigte an, dieses Thema mit den anderen Teams im Rahmen der FOTA-Sitzung am 6. Mai in London erörtern zu wollen.

Bei der offiziellen Einschreibung für die WM 2010, die zwischen dem 22. und 29. Mai 2009 erfolgt, müssen die Teams entscheiden, ob sie unter den bisherigen Regeln weitermachen oder sich der neuen Obergrenze unterwerfen wollen.

Als Leistungsausgleich dürften sie dafür verstellbare Front- und Heckflügel sowie Motoren ohne Drehzahllimit verwenden. Dazu dürften sie innerhalb ihres Finanzrahmens unter anderem unbegrenzte Testfahrten außerhalb der Saison sowie unbegrenzte Windkanalzeit nutzen, was für die anderen Teams beschränkt bleibt. "Wenn wir das nicht machen würden, dann würden wir viele Teams verlieren", hatte Mosley erklärt und seine Hoffnung geäußert, dass die Teams die Pläne "attraktiv finden".

Ausgrenzung der Fahrergehälter

Vor allem bei der Ausgrenzung der Fahrergehälter ist die FIA auf die Top-Teams zugegangen, die die ursprünglichen Pläne von FIA-Chef Max Mosley kritisiert hatten. Neben allen Zahlungen an Fahrer- und Testfahrer sind auch Gelder für Marketing und Hospitality, Strafen durch die FIA, nachweisbar nicht leistungssteigernde Maßnahmen sowie für 2010 auch Motorenkosten ausgeklammert.

Die Höchstzahl von Startern für die Saison 2010 wird um zwei auf maximal 26 (zwei pro Team) erhöht. Um Neu-Einsteigern den Start zu erleichtern, sollen sie sofort an den kommerziellen Einnahmen beteiligt werden. Das soll eine jährliche Zahlung von 10 Millionen Dollar für jedes Team, den freien Transport von zwei Autos und zusätzlich 10 Tonnen Fracht sowie 20 Flugticktes für jedes Rennen außerhalb Europas umfassen.

Nachtanken und Benutzung von Reifenwärmern ab 2010 verboten

Verboten wurden für 2010 das Nachtanken und die Benutzung von Reifenwärmern. Mit dem Tankverbot verfolgt der Weltverband zwei Ziele. Zum einen sollen die Kosten für Transport und Betrieb der Tankanlagen eingespart werden, zum anderen Anreize gesetzt werden, verbrauchsgünstigere Motoren zu entwickeln. Schwerer werden müssen die Autos, die künftig anstatt 605 mindestens 620 Kilo wiegen müssen.