2009.05.02 Neuss : Doping-Trubel um Reiter Marco Kutscher

Dem Hengst Cornet Obolensky des deutschen Reiters Marco Kutscher wurde in Hongkong womöglich mit einem verbotenen Präparat behandelt.

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Marco Kutscher auf Cornet Obolensky

Gut acht Monate nach dem Ende der Olympischen Spiele droht dem deutschen Reitsport ein neuer Doping-Skandal. Dem Hengst Cornet Obolensky des deutschen Reiters Marco Kutscher (Hörstel) wurde in Hongkong nach der ersten Runde im Nationenpreis eine Spritze mit den Präparaten Arnika und Lactanase verabreicht. Der Vorfall kann zum Doping-Fall werden. Das berichtet der Spiegel in seiner neuesten Ausgabe.

"Das stimmt. Mein Pferd wurde mit Arnika und Lactanase behandelt. Ob das angemeldet war, weiß ich nicht", sagte Kutscher dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Die Behandlung mit den Substanzen zur Förderung des Stoffwechsels soll, so Kutscher, mit dem deutschen Tierarzt Björn Nolting abgesprochen gewesen sein. Wenn die Behandlung offiziell nicht angemeldet gewesen war, droht Ärger. Dann handelt es sich um Manipulation, weil für den Wettkampf im Reitsport die Nulllösung gilt. Dem Reiter droht ein nachträgliches Verfahren durch den Weltreiter-Verband FEI.

Schwächeanfall nach der ersten Runde

Nach der ersten Runde im Nationenpreis hatten sich im deutschen Stall die Ereignisse überschlagen. Kutschers Hengst hatte sich schlapp und müde gefühlt. Nach der Spritze durch die Pflegerin erlitt der Hengst noch einen Schwächeanfall, rund fünf Minuten später stand er wieder auf den Beinen. "Die Situation ist jetzt beschissen. Ich hoffe nicht, dass ich im Nachhinein gesperrt werde", sagte Kutscher. Am Ende der Spiele belegte die deutsche Equipe nur Platz fünf.

Ungeachtet des drohenden Skandals siegte Kutscher am Samstag beim Maimarktturnier in Mannheim. Der Ex-Europameister setzte sich in der Qualifikation zum Championat mit seinem Hengst Montender im Stechen durch. Mannheims Turnierchef Peter Hofmann, zugleich Vorsitzender des Springausschusses des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR), sagte: "Wir müssen jetzt erst einmal ermitteln, ob die Medikation angezeigt war oder nicht."

Einen weiteren Vorfall wollten Kutscher und Ludger Beerbaum (Riesenbeck) nicht bestätigen. Laut Spiegel sollen Packungen des Capsaicin-Mittels Equi-Block aus den Schränken der Reiter in Hongkong gefallen sein. "Das ist nicht richtig", sagte Beerbaum dem SID. Seine Pflegerin habe sich lediglich bei der Pflegerin von Ahlmann über Equi-Block erkundigt. "Das Mittel kam aber bei den Pferden von Marco und mir in Hongkong nicht zum Einsatz", so Beerbaum. Christian Ahlmanns Pferd Cöster wurde während Olympia auf das im Wettkampf unerlaubte Capsaicin positiv getestet.

Kutscher bestätigt Behandlung mit Capsaicin

Kutscher bestätigte indes, dass sein Pferd Cash im Herbst 2007 mit Capsaicin behandelt worden sei. Seine Pflegerin hatte das Mittel aus Spanien mitgebracht. Allerdings habe Cash zu dem Zeitpunkt kein Turnier bestritten, sodass eine Manipulation nicht vorgelegen habe.

Laut Spiegel soll ein deutscher Tierarzt die Deutsche Reiterliche Vereinigung FN von den Vorfällen in einem Brief informiert haben. Darin wird geschildert, dass Ahlmanns Pferd Cöster in Hongkong durch den deutschen Tierarzt mit einem Capsaicin-Devirat gespritzt worden sei. "Das ist dummes Zeug", sagte Beerbaum. Auch Nolting erklärte, dass ihm ein solches Mittel nicht bekannt sei.

Bislang hatte Ahlmann stets erklärt, dass das Capsaicin bei seinem Pferd Cöster durch eine Rückenmassage mit dem Pflegmittel Equi-Block in den Körper gelangt sei. Die FEI hatte den 34-Jährigen dafür für vier Monate gesperrt. Der Internationale Gerichtshof CAS erhöhte die Sperre nach Intervention der FN auf acht Monate. Die genaue Begründung des Urteils durch den CAS steht noch aus. Ahlmann darf seit dem 20. April wieder reiten.

Die FN nimmt die Anschuldigungen sehr ernst und hat einen Sportrechtler beauftragt, die Vorwürfe zu prüfen. "Da sind wohl noch alte Rechnungen offen", meinte Beerbaum über das Bekanntwerden des Falles.