2009.05.03 Neuss : Hoeneß dementiert van Gaals Verpflichtung

Laut Medienberichten steht Bayern München kurz vor der Verpflichtung von Luis van Gaal. Bayern-Manager Uli Hoeneß dementierte allerdings eine Entscheidung in der Trainerfrage.

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Van Gaal ist ein Trainerkandidat bei den Bayern

Eine Woche nach der Entlassung von Jürgen Klinsmann zeichnet sich beim deutschen Fußball-Meister Bayern München die erhoffte große Lösung ab, die Verantwortlichen wollen von einer bevorstehenden Verpflichtung von Erfolgscoach Louis van Gaal aber noch nichts wissen.

Am Sonntagabend vermeldete die Süddeutsche Zeitung zunächst, dass der niederländische Star-Trainer vor einem Wechsel an die Isar stehe. Allerdings dementierte Manager Uli Hoeneß wenig später entschieden. "Es gibt keine Entscheidung in der Trainerfrage. Van Gaal ist einer der Kandidaten - aber noch einmal: Es gibt keine Entscheidung, keine Unterschrift und keinen Vertrag", sagte er auf SID-Anfrage.

Die SZ hatte berichtet, dass der Bayern-Vorstand bereits den Beschluss gefasst habe, van Gaal zu holen. Der Meistertrainer des AZ Alkmaar besitzt bei den Niederländern eine Ausstiegsklausel in seinem bis 2010 laufenden Vertrag, und die SZ zitierte Hoeneß dazu: "Wie es aussieht, kommt er da raus, wir müssen keine Ablöse zahlen."

Eine Verpflichtung von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, den Aufsichtsratchef Franz Beckenbauer ins Spiel gebracht hatte, bezeichnete Hoeneß dagegen als "eher weniger wahrscheinlich". Nach dem 2:1 am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach hatte Hoeneß noch einen Kommentar zu den genannten Namen abgelehnt: "Am 31. Mai gehen die Spieler in den Urlaub, bis dahin werden wir einen Trainer präsentieren, damit sie wissen, woran sie sind."

Beckenbauer lobt van Gaal

Der 57 Jahre alte van Gaal, der Alkmaar in dieser Saison zum Titel führte, gilt gleichwohl als aussichtsreichster Kandidat. Für Beckenbauer ist der frühere Bonds-Coach der Niederlande auf jeden Fall ein "guter Trainer. Das hat er schon öfter bewiesen." Van Gaal wird in der Bild am Sonntag bereits zitiert, dass er "ja" sagen würde, sollten die Bayern interessiert sein.

Zudem hatte der "Kaiser" erklärt, dass im Gegensatz zu Guus Hiddink ("Es ist zwecklos, mit ihm zu reden") auch Sammer "auf der Liste steht". Der Europameister von 1996, der beim DFB noch bis 2013 unter Vertrag steht, dementierte zuletzt jedoch Kontakt zu den Münchnern.

Ein wichtiges Kriterium für den neuen Trainer nannte Hoeneß in der Bild schon einmal. Er müsse deutsch sprechen, denn es sei "ein riesiges Handicap, wenn der Trainer hier immer mit einem Dolmetscher arbeiten muss".

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sagte in der Welt am Sonntag zum Anforderungsprofil, "dass der Mann, den wir jetzt suchen, ein Trainer mit Erfahrung, mit Persönlichkeit ist, der die Mannschaft entwickeln kann." Laut Beckenbauer müsse der Nachfolger des entlassenen Jürgen Klinsmann und von Kurzzeittrainer Jupp Heynckes jedoch "alles können, um in diesem Verein zurechtzukommen. Er muss Glück haben, er muss Erfolg haben und das Wichtigste: Er muss die Spiele gewinnen. Ganz einfach."

Nerlinger übernimmt wohl Hoeneß-Nachfolge

Eine indirekte Bestätigung gab es von Hoeneß dagegen bereits bei seiner eigenen Nachfolgeregelung. Dass der jetzige Teammanager Christian Nerlinger "als einziger Nicht-Vorständler beim letzten Treffen mit Jürgen Klinsmann dabei war, hat ja eine Bedeutung", sagte Hoeneß.

Nerlinger wird voraussichtlich für den sportlichen Bereich die Verantwortung von Hoeneß, der am Jahresende aus dem Vorstand ausscheiden wird, übernehmen. Für die wirtschaftlichen Aufgaben wird noch ein Kandidat gesucht. Laut SZ ist Stephan Grühsam aus dem Aufsichtsrat des VfL Wolfsburg im Gespräch.

Parallel zur Trainer- und Managerfindung laufen bei den Bayern auch die Planungen für den Kader für die kommende Saison. Diese würden sowohl vom neuen Coach, aber auch von der wirtschaftlichen Situation abhängen, verdeutlichte Hoeneß: "Wenn wir die Champions League erreichen, dann werden wir noch ein bisschen was machen. Wenn nicht, dann wird es schwierig. Denn wir wollen keine Dinge tun, die wir bei Anderen immer kritisieren."

Am Samstag vermeldete der Bayern-Manager bereits die Rückkehr des zum Karlsruher SC ausgeliehenen Andreas Görlitz: "Ich gehe davon aus, dass er zurückkommt." Bei dem nach Leverkusen ausgeliehenen Toni Kroos habe man zwar eine Option, "aber das muss der neue Trainer entscheiden".

Spekulationen um Timoschtschuk "völliger Unsinn"

Als "völligen Unsinn" bezeichnete Hoeneß indes Spekulationen in Russland, dass Anatolij Timoschtschuk wegen des Rauswurfs von Klinsmann nicht mehr nach München kommen will. Das sei ja "kein Wunschkonzert". Noch keine Entscheidung gebe es, ob Massimo Oddo wieder zum AC Mailand zurück muss.

Werders Mittelfeldstar Diego, um den es zuletzt schon Gerüchte gab, signalisierte unterdessen Interesse an einem Wechsel nach München: "Wenn die Bayern mich wollen und es ein Angebot gibt, müssen sie sich an Klaus Allofs wenden. Werder muss dann entscheiden, was für alle das Beste ist." Dazu sagte Hoeneß: "Diego ist für uns dann ein Thema, wenn Ribery wirklich wegginge. Dagegen denke der FC Bayern nicht an die Verpflichtung von Nationaltorhüter Robert Enke, für den an Hannover 96 eine hohe Ablösesumme zu zahlen wäre: "Er wird 32, deshalb haben wir uns mit ihm nicht beschäftigt."