2009.05.06 Neuss : "Blues" und "Barca" im Duell der Spielsysteme

Nur der FC Barcelona kann heute ein rein englisches Finale in der "Königsklasse" verhindern. Doch dafür müsste der katalanische "100-Tore-Sturm" Chelseas Betonabwehr knacken.

bto
Michael Ballack (l.) muss sich auf höchstem Niveau für einen neuen Vertrag empfehlen

Beim Showdown gegen die Zauberfußballer vom FC Barcelona geht es für Michael Ballack nicht nur um den Kampf gegen sein persönliches Titel-Trauma und den Ruf des "ewigen Zweiten", sondern auch um die Zukunft beim FC Chelsea. Für den Kapitän der deutschen Nationalmannschaft ist das Halbfinal-Rückspiel heute (20.45 Uhr/live bei Premiere und Sat.1) an der Stamford Bridge wie eine vorgezogenes Finale - zumal Chelsea-Teammanager Guus Hiddink den Druck auf Ballack und seine Mitspieler zusätzlich erhöht hat.

"Ich werde genau hinschauen, wer in einem solch entscheidenden Spiel seinen Mann steht. Und ich werde meine Eindrücke an Klub-Chef Roman Abramowitsch weitergeben", sagte Hiddink dem Massenblatt "The Sun". Ballack hatte zuletzt erklärt, dass er gerne bei den "Blues" bleiben würde, doch die Option auf eine Verlängerung des zum Ende der Saison auslaufenden Vertrages wurde noch nicht gezogen.

Bei "Gelb" fehlt Ballack im möglichen Endspiel

Für den 32-Jährigen, der nach 2002 mit Bayer Leverkusen und mit Chelsea im Vorjahr zum dritten Mal ins Endspiel der europäischen "Königsklasse" einziehen und endlich seinen ersten internationalen Titel holen will, gleicht die Begegnung gegen "Barca" dem Tanz auf einer Rasierklinge. Bei einer Verwarnung wäre Ballack beim Finale am 27. Mai in Rom gesperrt und damit ebenso wie beim Endspiel bei der WM 2002 in Südkorea und Japan zum Zuschauen verdammt.

Auf der anderen Seite könnte dem Mittelfeldspieler eine ganz wichtige Rolle zukommen, um das rein englische Finale perfekt zu machen. Ballack, der sich im Vorfeld des "Barca"-Spiels nicht äußern wollte, soll unter anderem seine Kopfballstärke ausspielen. Denn in der Innenverteidigung scheinen die Katalanen verwundbar, der verletzte Mexikaner Rafael Marquez und der gesperrte Carles Puyol stehen im Abwehrzentrum nicht zur Verfügung.

Hiddink kündigte nach dem hart erkämpften 0:0 im Hinspiel eine "flexible Spielweise" mit Didier Drogba als einzigem Stürmer an. Auf der linken Abwehrseite soll sich Ashley Cole nach abgesessener Gelb-Sperre um Lionel Messi kümmern.

Messi verspricht erneutes Offensivfeuerwerk

Doch Messi ist nach seiner eher durchwachsenen Vorstellung im Hinspiel hoch motiviert und kündigte eine Gala wie beim 6:2 von "Barca" im "Clasico" am vergangenen Wochenende beim Erzrivalen Real Madrid an. "Wir werden genauso auftreten wie in Madrid - und dann werden wir nicht zu stoppen sein", sagte der Argentinier.

Möglicherweise wird aber das magische Trio mit Messi, Samuel Eto'o und Thierry Henry gesprengt. Der Einsatz von Henry ist wegen Knieproblemen fraglich. Für den Franzosen könnte der Ex-Stuttgarter Alexander Hleb zum Einsatz kommen. Der Weißrusse könnte sich somit auch für ein Engagement bei Bayern München, die im Viertelfinale gegen "Barca" chancenlos waren, oder eine Rückkehr zum VfB Stuttgart empfehlen.