2009.05.06 Neuss : Magath wird im Sommer Coach bei Schalke 04

Der Wechsel von Trainer Felix Magath vom VfL Wolfsburg zum FC Schalke 04 ist perfekt. Der 55-Jährige unterschreibt bei den Königsblauen einen Vier-Jahres-Vertrag.

cleu1
Felix Magath stellt sich in Wolfsburg der Presse

Weder die Chance auf den Meistertitel noch die Aussicht auf die Champions League konnten die Trennung verhindern: Trotz der beiden erfolgreichsten Jahre der Vereinsgeschichte werden Bundesliga-Tabellenführer VfL Wolfsburg und Trainer Felix Magath ihre Zusammenarbeit nach der Saison beenden.

In einer gemeinsamen Erklärung verkündeten beide Seiten den Abschied des 55-Jährigen zum 30. Juni. Während Magath wie erwartet als Trainer und Manager zum Ligarivalen Schalke 04 wechselt und dort einen Vier-Jahres-Vertrag bis 30. Juni 2013 erhält, steht sein Nachfolger in Wolfsburg noch nicht fest.

"Froh, dass die Entscheidung endlich heraus ist"

"Ich bin froh, dass die Entscheidung endlich heraus ist, auch wenn ich über die Umstände nicht glücklich bin", sagte der Coach am Mittwochmittag in einer knapp zehnminütigen Erklärung vor Pressevertretern: "Nach fairen Gesprächen mit dem VfL-Aufsichtsrat haben wir uns schon vor Wochen für die Trennung entschieden. Allerdings bedaure ich, dass der Wechsel zu Schalke, wo ich beim Aufsichtsratvorsitzenden Clemens Tönnies im Wort stehe, so früh publik geworden ist."

Am Morgen hatte der Coach die Mannschaft über die bevorstehende Trennung informiert. "Ich glaube, es gibt gute Gründe für meine Entscheidung. Aus meiner Sicht sind die Ziele, die ich zu Beginn meines Engagements mit dem VfL-Aufsichtsrat vereinbart habe, erreicht. Es war geplant, die Mannschaft nach oben zu bringen und dort zu halten. Es war für niemanden vorherzusehen, dass uns das innerhalb von nur zwei Jahren gelingt", sagte Magath.

An eine langfristige Arbeit in Wolfsburg über viele Jahre mochte der gebürtige Franke hingegen nicht glauben: "Ich glaube nicht mehr an Versprechungen, man könne im Profifußball langfristig arbeiten. Dafür bin ich schon zu lange im Geschäft, und da wurde mir schon öfter nach einem erfolgreichen Start später der Stuhl vor die Tür gesetzt."

Für den VfL erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch: "Wir sind Herrn Magath für die in den vergangenen zwei Jahren eingeleitete Entwicklung schon zum jetzigen Zeitpunkt, vier Spieltage vor Saisonende, zu großem Dank verpflichtet. Er hat innerhalb sehr kurzer Zeit außerordentlichen sportlichen Erfolg mit dem VfL realisiert."

Wechsel dank Ausstiegsklausel

Eine Ausstiegsklausel in Magaths Vertrag macht den vorzeitigen Wechsel möglich. Die darin festgelegte einseitige Option für ein drittes Jahr hatte der Coach trotz einer offenbar eingeräumten Fristverlängerung bis April nicht gezogen. In den Gesprächen über eine Vertragsverlängerung hatten sich beide Seiten nicht einigen können.

Ob Magath allerdings dauerhaft auch als Manager auf Schalke arbeiten wird, ist noch offen. Die Königsblauen buhlen weiterhin um den Stuttgarter Sportdirektor Horst Heldt. "Der Verein ist so groß, dass wir auch für ihn Verwendung hätten", sagte Tönnies in Gelsenkirchen. Der VfB will den Ex-Nationalspieler aber nicht ziehen lassen.

In Wolfsburg ist derweil die Suche nach einem Nachfolger für Magath noch nicht abgeschlossen. Als aussichtsreichste Kandidaten gelten Armin Veh (bis November 2008 VfB Stuttgart) und Mirko Slomka (bis April 2008 Schalke 04).

Auch Gerets' Rückkehr könnte zum Thema werden

Möglich erscheint auch eine Rückkehr des Belgiers Erik Gerets, der die "Wölfe" bereits von April 2004 bis Mai 2005 trainiert hatte. Der 54-Jährige hatte erst vergangene Woche seinen Abschied beim französischen Erstligisten Olympique Marseille zum Saisonende angekündigt.

Für Magath ist Schalke bereits die achte Trainerstation im Profifußball. Vor seinem Amtsantritt beim VfL vor knapp zwei Jahren stand der Ex-Nationalspieler beim Hamburger SV (1995-97), dem 1. FC Nürnberg (1997-98), Werder Bremen (1998-99), Eintracht Frankfurt (1999-2001), dem VfB Stuttgart (2001-04) und dem FC Bayern (2004-07) unter Vertrag. Mit den Münchnern hatte er 2005 und 2006 jeweils das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal gewonnen.

In Wolfsburg hatte Magath schon in seinem ersten Jahr mit Platz fünf das beste Saisonergebnis der Vereinsgeschichte erzielt. Vier Spieltage vor Ende der laufenden Spielzeit hat der VfL als Tabellenführer sogar beste Aussichten auf den ersten Meistertitel seiner Geschichte sowie den erstmaligen Einzug in die Champions League.