2009.05.11 Neuss : CONI sperrt Valverde für zwei Jahre

Radprofi Alejandro Valverde ist vom Gericht des Nationalen Olympischen Komitees Italiens (CONI) zu einer zweijährigen Sperre für Rennen auf italienischem Boden verurteilt worden.

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Alejandro Valverde wurde verurteilt

Die Richter in Rom haben mit Dopingsünder Alejandro Valverde im wahrsten Sinne des Wortes kurzen Prozess gemacht. Nach knapp dreistündiger Anhörung wurde der spanische Radprofi am Montag vom Gericht des Nationalen Olympischen Komitees von Italien CONI zu einer zweijährigen Sperre verurteilt. Diese Strafe gilt für alle Rennen auf italienischem Boden. Valverde war selbst nicht anwesend und wurde durch seine Anwälte vertreten. Am Abend aber kündigte er selbst an, vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne zu ziehen.

"Am Nachmittag ist der Antrag abgeschickt worden. Bei der ganzen Angelegenheit sind zahlreiche gravierende und irreguläre Dinge vorgefallen. Das CONI ist nicht befugt, solche disziplinarische Maßnahmen zu ergreifen. Die einzig zuständige Organisation ist der spanische Verband", erklärte Valverde.

McQuaid: "Wir warten auf den gesamten CONI-Bericht"

Wegen der Sperre wird der 29-jährige Spanier sehr wahrscheinlich auf die Teilnahme an der Tour de France verzichten müssen, weil eine Etappe der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt (4. bis 26. Juli) auch nach Italien führt. "Wir warten auf den gesamten CONI-Bericht. Dann werden wir uns mit dieser Frage beschäftigen", sagte Weltverbandspräsident Pat McQuaid im Hinblick auf einen Tour-Start Valverdes.

Die italienische Anti-Doping-Kommission wirft Valverde vor, Kunde des spanischen Arztes Eufemiano Fuentes gewesen zu sein. Dem zweimaligen Vize-Weltmeister wurde das Italien-Gastspiel der Tour am 21. Juli 2008 zum Verhängnis. Valverde wurde von den Italienern kontrolliert, ein DNA-Test soll eine Übereinstimmung mit einer Fuentes-Blutprobe ergeben haben.

"Der sichergestellte Blutbeutel mit der Nummer 18 gehört Valverde. Wir besitzen Dokumente, wonach Valverde in Zahlungen an Fuentes und Medikamentenlieferungen involviert war", sagte Staatsanwalt Ettore Torri.

Valverdes Team Caisse d'Epargne stärkte ihm den Rücken und kündigte in einer Stellungnahme eine Berufung an. Das Urteil sei ungerecht, heißt es in einer Erklärung. Sollte der Spanier nicht bei der Frankreich-Rundfahrt starten dürfen, behalte man sich zudem die Forderung auf Schadenersatz vor.

Kompetenzgerangel

Der Verurteilung ging ein Kompetenzgerangel zwischen Spanien und Italien voraus. Die Iberer verweigern die Freigabe von Blutproben aus der Operacion Puerto, da das CONI nicht das rechtliche Mandat für eine Untersuchung habe.

Das Komitee unterstehe keinem Ministerium und sei somit nicht Teil des italienischen Rechtssystems. Valverde war zudem nie positiv getestet worden und hatte Doping stets bestritten.

Seit der Operacion Puerto im Frühjahr 2006 sah sich Valverde immer wieder mit Dopingvorwürfen konfrontiert. So soll ein bei Fuentes gefundenes Dokument ihn als Kunden enttarnen. Auf der Inhaltsliste eines für Blutkonserven verwendeten Kühlschranks fand sich die Bezeichnung Valv-Piti. Piti ist der Name von Valverdes Hund. Der spanische Radsport-Verband RFEC sah sich aber nicht zu tiefer gehenden Ermittlungen veranlasst.

Das Thema Fuentes verfolgte Valverde allerdings weiter. Der Weltverband UCI schloss den spanischen Meister von der WM 2007 in Stuttgart aus. Mit der Rückendeckung der RFEC klagte Valverde erfolgreich vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne und erhielt das Startrecht.

Laut der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) habe es in den 6000 Seiten umfassenden Untersuchungsdokumenten jedoch damals schon genügend Hinweise gegeben, die Ermittlungsverfahren hinsichtlich einer möglichen Verwicklung Valverdes in den Skandal um Fuentes rechtfertigen.