2009.05.12 Neuss : Wechsel-Wirrwarr um Diego auf dem Höhepunkt

Während Diegos Berater Giacomo Petralito den Wechsel von Werders Spielmacher zu Juventus Turin perfekt meldet, will die Bild von einer Einigung mit dem FC Bayern erfahren haben.

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Ist Diego doch auf dem Weg nach Turin?

Der Poker um Diego wird immer kurioser. Am Dienstagabend meldete zunächst kicker online den Wechsel des Spielmachers vom Fußball-Bundesligisten Werder Bremen zum italienischen Rekordmeister Juventus Turin unter Berufung auf Diegos Berater als perfekt. Kurze Zeit später schrieb die Bild-Zeitung, dass sich der Mittelfeldspieler mit Bayern München auf einen Vierjahresvertrag geeinigt habe.

Der Schweizer Spielerberater Giacomo Petralito, der im Auftrag des brasilianischen Profis die Verhandlungen zwischen Juve und Werder begleitet hat, sieht Diego in der kommenden Saison in Italien. "Alle drei Parteien haben unterschrieben", sagte Petralito kicker online.

Die Unterschriften seien laut Petralito nach über zehnstündigen Verhandlungen am vergangenen Mittwoch erfolgt, an dem eine Turiner Delegation an der Weser zu abschließenden Vertragsgesprächen erschienen war.

Rummenigge: "kein Grund pessimistisch zu sein"

Die Bild berichtete unterdessen, dass sich am Dienstag Diegos Berater und Vater Djair da Cunha mit Bayern-Verantwortlichen getroffen habe. Beide Seiten hätten sich auf einen Vertrag bis 2013 geeinigt. Nur eine Einigung mit Werder über die Ablösesumme stehe aus. Im Gespräch sei eine Summe von etwa 25 Millionen Euro.

Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge wollte weder eine Einigung, noch das Treffen mit Diegos Vater bestätigen. "Erst mal müssen wir die Trainerpersonalie unter Dach und Fach haben", sagte Rummenigge in der Halbzeitpause des Bayern-Spiels gegen Bayer Leverkusen am Premiere-Mikrofon und fügte mit Blick auf das Wechseltheater um Wunschkandidat Louis van Gaal hinzu: "Es gibt keinen Grund, pessimistisch zu sein.

Petralito wurde derweil konkreter. Er sagte, dass Diego in Turin einen Fünf-Jahres-Vertrag erhalten werde. Die Ablösesumme soll sich auf 24,5 Millionen Euro belaufen. Damit würde Diego zum zweitteuersten Spieler, der die Bundesliga je verlassen hat. Für den Ex-Bayern Owen Hargreaves hatte Manchester United 2007 25 Millionen Euro bezahlt. Werder hatte für Diego im Mai 2006 sechs Millionen Euro an den FC Porto überwiesen.

Wunschspieler Diego

"Jeder andere Klub, der sich um Diego bemüht, macht sich strafbar", betonte der Diego-Mittelsmann und richtete ausdrücklich eine Warnung an die Adresse Bayern Münchens. Uli Hoeneß solle sich nicht die Finger verbrennen, "doch ich halte die Münchner für seriös genug, diesen Fehler nicht zu begehen."

Bayerns-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge hatte am Dienstag gesagt: "Wenn feststeht, wer in der Saison 2009/2010 unser neuer Trainer ist, werden wir entscheiden, ob Personalien wie Gomez oder Diego von uns vorangetrieben werden. Diese Namen werden wir diskutieren."Diego soll der Wunschspieler von van Gaal sein.

Bei Diegos Unterschrift unter das komplizierte Vertragswerk soll es sich nach kicker-Informationen allerdings um eine Absichtserklärung handeln, wonach der Wechsel nur unter bestimmten Bedingungen in Kraft trifft. Dabei handelt es sich um finanzielle Forderungen Diegos sowie ein Zusatzhonorar bezogen auf die Ablösesumme. Sollte sich die Konstellation ändern, wäre der Werder-Profi nicht an seine Zusicherungen gebunden.Dies könnte sein Schlupfloch zu den Bayern sein.

"nicht unter Druck setzen"

Der Rekordmeister wartet im Poker um van Gaal unterdessen immer noch auf ein positives Zeichen aus Alkmaar. Bis zu einer Entscheidung ruhen auch die weiteren Personalplanungen in München. Doch die Trainerfrage wird immer mehr zu einem Geduldsspiel für die Bayern.

Er wolle den AZ Alkmaar wegen eines Wechsels nach München "nicht unter Druck setzen", sagte der niederländische Erfolgscoach in der Zeitung Telegraaf. Er glaube deshalb nicht, "dass es diese Woche noch etwas wird". Van Gaal hat sich dem Vernehmen nach mit den Bayern bereits auf einen Zweijahresvertrag bis 2011 geeinigt. Der Rekordmeister lehnt bisher aber eine Ablöse ab.

Um Nationalstürmer Mario Gomez vom VfB Stuttgart hatten die Bayern schon im vergangenen Sommer heftig gebuhlt. Der VfB-Angreifer soll 35 Millionen Euro kosten. Sprechen wollen die Bayern auch mit Franck Ribery, "ob es eine Chance gibt, den bis 2011 laufenden Vertrag vorzeitig zu verlängern", wie Rummenigge der Münchner AZ sagte: "Wir wollen ja nicht Kasse machen, wir wollen Klasse haben."

Da würde auch passen, dass zuletzt Barcelonas Alexander Hleb mit den Bayern in Verbindung gebracht wurde. Aus Frankreich wird zudem kolportiert, dass die Münchner an den beiden Verteidigern Francois Clerc und Fabio Grosso von Olympique Lyon Interesse bekunden würden. Spekuliert wurde auch, dass van Gaal aus Alkmaar Mittelfeldspieler Stijn Schaars mitbringt. Hoeneß kündigte auf jeden Fall schon einmal an, "dass alles möglich ist, es kann noch einige Überraschungen geben".