2009.05.13 Neuss : Van Gaal übernimmt Bayern im Sommer

Louis van Gaal wird ab der kommenden Saison Bayern München trainieren. Wie der Rekordmeister auf seiner Internetseite bestätigte, erhält der Niederländer einen Zwei-Jahres-Vertrag.

mch
Übernimmt ab Sommer in München: Louis van Gaal

Bayern München bekommt nach der Trennung von Jürgen Klinsmann seinen Wunschtrainer. Louis van Gaal soll den deutschen Rekordmeister ab dem 1. Juli 2009 zum Erfolg führen. Wie die Münchner am Mittwoch bestätigten, erhält der 57 Jahre alte Niederländer einen Vertrag für die kommenden beiden Spielzeiten.

Der Transfer von Spielmacher Diego von Liga-Konkurrent Werder Bremen ist hingegen geplatzt. "Wir ziehen uns aus der Veranstaltung zurück. Denn wir sind ein seriöser Klub. Das was da zur Zeit alles passiert, wirkt sehr irritierend auf uns", sagte der Münchner Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge der Bild-Zeitung.

Der brasilianische Nationalspieler hatte zuvor in einem Interview mit der Kreiszeitung Syke erklärt: "Ich bin mit Juventus Turin klar. Wenn sich die Klubs einig sind, dann werde ich auch sagen: Ich spiele nächste Saison bei Juventus Turin."

"Wir sind glücklich mit Louis van Gaal"

Die Bayern freuen sich aber erst einmal über den gelungenen Deal mit van Gaal. "Wir sind glücklich, mit Louis van Gaal einen erfahrenen und erfolgreichen Fußballtrainer für Bayern München gewonnen zu haben", meinte Rummenigge.

Van Gaal wird damit Nachfolger von Jupp Heynckes, der die Bayern nach der Trennung von Klinsmann am 27. April für die verbleibenden fünf Saisonspiele in der Bundesliga übernommen hatte. Die Münchner liegen nach dem 3:0 (0:0) am Dienstag gegen Bayer Leverkusen weiter nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz (plus 28) hinter Tabellenführer VfL Wolfsburg (plus 30).

Am Mittwoch hatte sich van Gaal mit der Führung des niederländischen Meister AZ Alkmaar einvernehmlich auf eine Trennung verständigt. Präsident Dirk Schierenga hatte sich zunächst quergelegt und eine Freigabe ausgeschlossen, nach einem zweiten vertraulichen Gespräch aber eingelenkt.

Der Bayern-Vorstand mit Rummenigge, Manager Uli Hoeneß und Karl Hopfner machte am Mittwoch in Alkmaar den Deal perfekt. "In angenehmer, ja freundschaftlicher Atmosphäre wurde mit dem Präsidenten von AZ Alkmaar, Dirk Scheringa, Generaldirektor Toon Gerbrands und Sportdirektor Marcel Brands Einigung über den Wechsel erzielt", teilten die Bayern mit.

Als Dank für das Entgegenkommen werden die Münchner voraussichtlich im Sommer 2010 kostenlos zu einem Freundschaftsspiel gegen AZ Alkmaar antreten. Ob zusätzlich eine Ablösesumme geflossen ist, wurde nicht bekannt.

Diego kommt nicht

Nach der Trennung von Klinsmann hatten sich die Münchner rasch auf van Gaal festgelegt. Er hat nach Auskunft von Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge Einfluss auf Neuzugänge - Diego wird nicht darunter sein.

"Es gibt losen Kontakt zu den Bayern, aber nur über meine Berater. Ich weiß nur, dass Werder lediglich von Juventus Turin ein offizielles Angebot vorliegt - von den Bayern nicht", hatte Diego noch vor dem Rückzug der Bayern erklärt. Ein Vertrag in Turin sei aber noch nicht unterschrieben. Diego stellte eine endgültige Entscheidung bis Freitag in Aussicht.

Van Gaal eilt unterdessen der Ruf eines knorrigen Zuchtmeisters voraus, der zahlreiche seiner Weggefährten gegen sich aufgebracht hat. Bayern-Kapitän Mark van Bommel aber betonte bereits: "Man findet keinen Spieler, der sich negativ über ihn äußert".

Eine Kostprobe seiner ruppigen Art gab van Gaal unlängst ab, als er einem ihm unliebsamen TV-Reporter die Kamera ins Gesicht schlug. Und so überrascht es kaum, dass es doch Profis gibt, die van Bommels Urteil widersprechen. "Van Gaal ist ein totaler Narr", sagte der Bulgare Christo Stoitschkow, einst unter van Gaal in Barcelona aktiv.

Van Gaal statt George Clooney

Der FC Bayern verbindet mit van Gaal die Sehnsucht nach einem Fußballlehrer, der aus fertigen Profis ein echtes Team komponiert, nach einem Strategen, der die Stars bändigt. "Wenn wir everybody"s darling hätten haben wollen, hätten wir George Clooney verpflichten müssen", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummnigge erst vor wenigen Tagen.

Was van Gaal kann, hat er noch bei jeder seiner Stationen gezeigt. 1991 trat er als international noch unbekannter Coach bei Ajax Amsterdam an und führte den Klub des großen Johan Cruyff zurück zum Erfolg. Bis 1997 wurde er dreimal Meister, 1992 gewann er den UEFA-Cup und 1995 die Champions League und den Weltpokal. Auf dem Weg zum Triumph in der Königsklasse zerlegte van Gaals Ajax mit Van der Sar, Rijkaard, Davids, Seedorf und Kluivert die Bayern beim 5:2 im Halbfinale nach allen Regeln der Kunst.

Beim FC Barcelona hatte van Gaal ab 1997 (bis 2000) nicht ganz so viel Erfolg. Zwar wurde er zweimal Meister und holte einmal den spanischen Pokal und den europäischen Super-Cup, doch das reichte nicht, um den Schatten seines großen Landsmanns Cruyff loszuwerden. Der hatte mit Barcelona 1992 die Champions League gewonnen, van Gaal raubte den Katalanen dagegen nach deren Einschätzung die Seele, als er zeitweise mit neun Holländern spielen ließ.

Einen Karriereknick musste er 2000 bis 2002 als Bondscoach der Niederlande hinnehmen. Die Jungs, die er bei Ajax zu Männern gemacht hatte, hatten sich mittlerweile emanzipiert und folgten ihm nicht mehr - und die Niederlande verpasste die WM. Van Gaal erklärte der geschockten Nation in einer einstündigen Fernseh-Rede das Desaster und befand: "Ich bin auf der Höhe meines Könnens." Er flog trotzdem.

Ein weiteres Engagement bei Barca endete 2003 als Intermezzo. 2005 heuerte er in der niederländischen Provinz bei Alkmaar an, das er in der abgelaufenen Saison sensationell zum Titel führte. Dabei wich der von sich selbst durchaus überzeugte Erfolgscoach ("ich bin der Beste") sogar von seinem Dogma des 4-3-3-Systems ab und ließ im 4-4-2 spielen. "Er hat seine alte Religion aufgegeben und eine neue begründet. Er hat den Total Football revolutioniert und ihn in die Moderne übertragen. Nennen wir es Total Football 2.0", schrieb der englische Guardian. Darauf dürfen sich nun die Bayern freuen.