2009.05.18 Neuss : Funkels Zukunft in Frankfurt ungewiss

Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel steht vor einer ungewissen Zukunft in Frankfurt. Am 25. Mai entscheidet die Führungsetage über die Konsequenzen der enttäuschenden Saison.

jjo
Friedhelm Funkel

Für das Gesicht der Frankfurter Krise wird die Luft immer dünner - und die Saison immer länger. Erst am 25. Mai könnte sich die Zukunft von Trainer Friedhelm Funkel endgültig klären. Zwei Tage nach dem Rundenende kommen Vorstand und Aufsichtsrat von Bundesligist Eintracht Frankfurt zusammen, um ungeachtet des Klassenerhalts eine verkorkste Spielzeit zu analysieren und etwaige Konsequenzen zu ziehen. "Es muss jeder Stein umgedreht werden. So etwas wie in dieser Saison will niemand mehr erleben", sagte Eintracht-Präsident Peter Fischer mit Blick auf den "Tag der Abrechnung".

Beim Krisengipfel wird die stetig wachsende Anti-Funkel-Stimmung im Umfeld des Klubs das Hauptthema sein. Die Volksseele kocht, und das wirft die Frage auf, ob der Coach nach fünf Jahren im Amt noch eine Zukunft in Frankfurt hat.

Kritik kommt von allen Seiten

Sowohl in Teilen der Fan- und VIP-Szene, die schon einmal Anti-Funkel-Buttons verteilte, als auch bei einzelnen Vertretern aus den Gremien ist Funkel mittlerweile höchst umstritten. Die jüngsten Leistungen bei den Niederlagen beim VfL Bochum (0:2) und eine Woche zuvor gegen Werder Bremen (0:5) haben den Druck auf den 55-Jährigen, der erst Anfang Februar seinen Vertrag bis 2010 verlängert hatte, weiter erhöht.

Bester Beweis dafür: Selbst Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen stärkte Funkel nicht wie üblich den Rücken, sondern wollte nach der Pleite in Bochum kein eindeutiges Bekenntnis mehr für den polarisierenden Coach abgeben. "Wir handeln nach den Gesetzen der Bundesliga. Wir werden den 34. Spieltag spielen und dann besonnen nachdenken, was für die Eintracht das Richtige ist", sagte der sichtbar angeschlagene Bruchhagen und musste sich eingestehen: "Der Druck ist immens." Die FAZ titelte sogar: "Endzeitstimmung bei der Eintracht."

Funkel schließt Rücktritt aus

Stoiker Funkel selbst ist trotz der vergifteten Stimmung im Umfeld von der "hundertprozentigen Rückendeckung" des Vorstands überzeugt. Einen Rücktritt schloss der Ex-Profi, dem auch die unattraktiven Heimauftritte seines Teams zur Last gelegt werden, aus. "Ich bin ein Kämpfer und habe sehr, sehr starke Nerven. Ich habe überhaupt keinen Grund, mich zu verteidigen. Wir haben gute Arbeit abgeliefert", sagte Funkel, der am 2. Juli zu Eintrachts-Rekordtrainer (1827 Tage im Amt) aufsteigen könnte.

Zum Spießrutenlauf wird das abschließende Saisonspiel am Samstag gegen den Hamburger SV für Funkel aber allemal werden. Denn ungeachtet der Verletzungsmisere sprechen die Zahlen nicht unbedingt für den Rheinländer: In der Rückrunde sind die Frankfurter das drittschwächste Team (14 Punkte aus 16 Spielen), haben in diesem Jahr überhaupt nur dreimal gewonnen und dabei lediglich 14 Tore erzielt.

Amanatidis: "An die eigene Nase fassen"

"Es ist erbärmlich, wenn 33 Punkte reichen, um die Klasse zu halten", schimpfte Kapitän Ioannis Amanatidis und kritisierte indirekt auch Funkel: "Jeder muss sich an die eigene Nase fassen: Trainer, Vorstand, vor allem die Spieler. Alle müssen überlegen, was sie falsch gemacht haben."

Bereits die holprig verlaufene Vertragsverlängerung Funkels zu Jahresbeginn hatte offenbart, dass der Aufsichtsrat um seinen Chef Herbert Becker nicht mehr geschlossen hinter dem streitbaren Trainer steht. Im Jahr zuvor war die weitere Zusammenarbeit zwischen Funkel und der Eintracht in nur 22 Sekunden besiegelt gewesen.