2009.05.19 Neuss : Berger: "Das Wichtigste ist der Glaube"

Jetzt ist es offiziell: Jörg Berger wird neuer Trainer bei Arminia Bielefeld. "Die Aufgabe ist reizvoll und lösbar", glaubt der Feuerwehrmann noch an die Rettung der Ostwestfalen.

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Jörg Berger übernimmt die Arminia

Um fünf vor zwölf betrat der "Feuerwehrmann der Nation" den Brandherd Arminia Bielefeld. Die Ostwestfalen präsentierten am Dienstagmittag in Jörg Berger den Mann, der den Traditionsklub doch noch vor dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga bewahren soll. "Ich will den Spielern positives Denken vermitteln und die Negativ-Erlebnisse aus den Köpfen kriegen", sagte der 64-Jährige, der in Begleitung von Arminia-Geschäftsführer Roland Kentsch und Sportdirektor Detlev Dammeier auf die Bundesliga-Bühne zurückkehrte.

Hannover vor der Brust

Berger ist Nachfolger des am Sonntag entlassenen Michael Frontzeck, der nicht einmal 24 Stunden nach dem 0:6 der Arminia bei Borussia Dortmund gehen musste. Der gebürtige Sachse Berger erhielt vorerst einen Vertrag bis Saisonende, steht im Punktspiel Bielefelds gegen Hannover 96 am Samstag (15.30 live bei Premiere) und bei Bedarf noch in den möglichen Relegationsspielen gegen den Dritten der 2. Liga an der Seitenlinie.

"Die Aufgabe ist reizvoll und lösbar"

"Das ist eine einzigartige Konstellation. Am letzten Spieltag bin ich auch noch nie als Retter geholt worden. Die Aufgabe ist reizvoll und lösbar", sagte Berger, der dabei sein bekannt gewinnendes Lächeln aufsetzte. Der Trainerfuchs, der einen kurzen Haarschnitt trug, wirkte trotz seines jahrelangen Kampfes gegen Krebs erholt.

Bielefeld hat vor dem Saisonfinale 27 Punkte auf dem Konto und drei Zähler Rückstand auf den rettenden 15. Tabellenplatz, den Borussia Mönchengladbach belegt. Knapp hinter der Arminia liegen auf den Abstiegsplätzen allerdings Energie Cottbus (27 Zähler) und der Karlsruher SC (26). "Das Wichtigste ist das Spiel gegen Hannover. Wir können es aus eigener Kraft schaffen", sagte Berger, für den es zunächst nur um den 16. Tabellenplatz geht. Rechenspiele sind untersagt.

"Resignation ist das Alibi der Schwachen"

Den letzten von nur vier Bundesliga-Siegen feierten die Ostwestfalen am 24. Spieltag mit dem 1:0 beim Karlsruher SC, auf der heimischen Alm gab es nur zwei Siege, beide in der Hinrunde. Am Dienstagnachmittag leitete Berger das erste Training, Donnerstag und Freitag geht es in ein Kurztrainingslager nach Marienfeld.

Dort werden vor allem Einzel- und Gruppengespräche geführt. "90 Prozent spielt sich im Kopf ab", meinte Berger, der einst auch sagte: "Das Wichtigste ist der Glaube. Es ist wichtig, das Unmögliche zu erwarten, um das Mögliche zu erreichen. Resignation ist das Alibi der Schwachen."

"Ich stand schon an der Schwelle zum Tode"

Berger arbeitete zuletzt als Experte für den Pay-TV-Sender und Bundesliga-Rechte-Halter Premiere. In den vergangenen sechs Jahren kämpfte der Fußballlehrer gegen eine Krebserkrankung und musste sich zweimal operativen Eingriffen unterziehen. Er gilt als geheilt. Unlängst erschien seine Biografie mit dem Titel "Meine zwei Halbzeiten - ein Leben in Ost und West".

"Ich stand schon an der Schwelle zum Tode", hatte Jörg Berger in einem Bild-Interview zu seiner schweren Erkrankung einst gesagt. Trotz Schwächung durch Chemotherapie und dem dadurch aufgetretenen Haarausfall scheuten er und seine Ehefrau Chris nie die Öffentlichkeit. Lebhaft in Erinnerung ist den Fußball-Fans ein Jörg Berger mit Glatze im TV-Studio.

"Jörg Berger hätte sogar die Titanic gerettet"

Berger gilt in der Bundesliga als Prototyp des sogenannten "Feuerwehrmannes". Der Sachse rettete den 1. FC Köln, Schalke 04 und Eintracht Frankfurt vor dem Sturz in die Zweitklassigkeit. Frankfurt vermied den Abstieg 1999 am letzten Spieltag durch ein spektakuläres 5:1 gegen den deutschen Meister 1. FC Kaiserslautern. "Jörg Berger hätte sogar die Titanic gerettet", hatte seinerzeit Frankfurts Stürmerstar Jan-Aage Fjörtoft gesagt.

Erfolgreich arbeitete Berger unter anderem auch bei Alemannia Aachen. Mit dem damaligen Zweitligisten erreichte er 2004 das DFB-Pokal-Finale und damit zugleich den UEFA-Cup. Zudem arbeitete er auch bei Hansa Rostock und in Hannover.