2009.05.20 Neuss : Rauball sieht Liga auf einem guten Weg

Reinhard Rauball zeigte sich im Gespräch mit dem SID zufrieden über die Entwicklung der Bundesliga. Man habe international Terrain zurückgewonnen, so der Ligaverbands-Präsident.

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Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball

Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball sieht die Bundesliga für die Herausforderungen der Zukunft gut aufgestellt. "Ein wesentlicher Faktor ist dabei unser Modell des Ausgleichs, das für Stabilität und Spannung gleichermaßen sorgt. Wir haben ein strenges Lizenzierungssystem, das finanzielle Abenteuer verbietet und die Voraussetzung für einen ausgeglichenen Wettbewerb ist. Auch die Verteilung der TV-Gelder folgt einem Verteilerschlüssel, der sowohl auf Solidarität als auch auf Leistung beruht", sagte der 62-Jährige im Interview der Woche des Sport-Informations-Dienstes (SID).

In anderen Top-Ligen sei das wirtschaftliche Gefälle meist deutlich größer, der Wettbewerb langweiliger und der Schuldenstand höher. Durch das Erreichen des UEFA-Cup-Finales durch Werder Bremen habe die Liga auch international verloren gegangenes Terrain zurückgewonnen.

Rauball: "Wir haben Frankreich auf Distanz gehalten, wir haben - vor dem Werder-Finale - 1,3 Punkte auf Italien gut gemacht, Italien verliert durch das Streichen der Ergebnisse 2004/05 in der Fünf-Jahres-Wertung fast 3,5 Punkte auf uns. Wir wollen in Europa wieder Dritter werden, um den vierten Champions-League-Startplatz für die Bundesliga zurückzuerobern."

Mehr Chancengleichheit für Bundesliga in Europa

Dabei habe der deutsche Fußball in UEFA-Boss Michel Platini "einen Verbündeten, der den Sport über den totalen Kommerz stellt. Ich traue mich, die Behauptung zu wagen, dass wir bis zum Ende der Amtszeit Platinis als UEFA-Präsident ein europäisches Lizenzierungsverfahren haben werden, das Deutschland wieder mehr Chancengleichheit in Europa einräumen wird".

Der Präsident von Borussia Dortmund ist zudem froh, dass sich die Investition von jährlich 70 Millionen Euro der Profi-Klubs in die Jugendleistungszentren auszahlt, dies zeige der EM-Titelgewinn der U17-Junioren. "Von den 30 Spielern, die zum Kader der U17-Europameister gehörten, wurden 25 in Bundesliga-Zentren ausgebildet, drei in Zweitliga-Zentren und zwei im Ausland", erklärte Rauball.

Deutlich Position bezog der Jurist in Bezug auf die Forderung der Polizeigewerkschaft, der Profi-Fußball müsse sich an den Kosten für Polizeieinsätze beteiligen. "Ich kann diesen Populismus nicht mehr hören", sagte Rauball, "für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ist die Polizei zuständig. Um es plakativ zu erläutern: Wenn in München der Sicherheitsgipfel stattfindet, stellt man dann den USA, Frankreich, Großbritannien und den anderen Teilnehmer-Nationen die Polizeikosten in Rechnung? Nein!"

Deutscher Fußball als Gewinner der Wirtschaftskrise

Natürlich gehe auch die Weltwirtschaftskrise nicht spurlos am deutschen Profi-Fußball vorbei. Rauball ("Wir leben nicht auf einer Insel der Seligen") sieht trotzdem Anzeichen, dass die Bundesliga gestärkt aus der schwierigen Situation hervorgehen wird: "Wir werden Einschränkungen hinnehmen müssen. Aber international werden wir auf der Gewinnerseite sein. Auch ein Luca Toni oder Franck Ribery wissen, von wem sie pünktlich und regelmäßig ihr Geld bekommen..."

Sehr zufrieden ist der Ligaverbands-Chef mit der am Wochenende zu Ende gehenden Saison. "Ich bin lange dabei, aber ich kann mich nicht an eine solch spannende Saison erinnern", äußerte Rauball. Drei Klubs können am letzten Spieltag noch Meister werden, und dies könne theoretisch in der 95. Minute entschieden werden. Zwei Mannschaften kämpfen noch um einen Platz in der Europa League. Und noch ist niemand definitiv abgestiegen: "Mehr Spannung geht nicht!"