2009.05.21 Neuss : Funkel verlässt die Eintracht

Trotz des gesicherten Klassenerhalts gehen Eintracht Frankfurt und Trainer Friedhelm Funkel nach Saisonende getrennte Wege. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

nka
Friedhelm Funkel bei der Pressekonferenz

Als Friedhelm Funkel am Donnerstag um fünf vor zwölf das Ende seiner Amtszeit bei Eintracht Frankfurt bekanntgab, kämpfte er mit den Tränen. Nach monatelangen Anfeindungen durch die Fans verkündete der 55-Jährige die Auflösung seines bis 2010 laufenden Vertrags. Am Samstag zum Saisonabschluss gegen den Hamburger SV wird er nach fünf gemeinsamen Jahren zum letzten Mal auf der Eintracht-Bank sitzen. Trotz der jüngsten Differenzen verabschiedete sich Funkel mit feuchten Augen und einem Liebesbekenntnis von den Hessen.

"Die Eintracht bleibt tief in meinem Herzen. Ich hatte hier in Frankfurt die fünf schönsten Jahre meiner Trainerlaufbahn", sagte Funkel, der in einem Gespräch mit Frankfurts Vorstandsboss Heribert Bruchhagen am Montag endgültig um die vorzeitige Auflösung des erst im Februar um ein Jahr verlängerten Vertrags gebeten hatte.

Entscheidung schon vor Wochen gefallen

"Wir haben seinem Wunsch entsprochen. Es ist uns leider nicht gelungen, die Eigendynamik der Enttäuschung durch Argumente zu entkräften", sagte Bruchhagen nach zuletzt nur einem Punkt aus fünf Spielen.

Funkel hatte nach eigenen Angaben für sich bereits vor Wochen den Entschluss gefasst, die Eintracht nach dem abschließenden Spiel gegen den HSV am Samstag zu verlassen, obwohl er zuletzt noch heftig bestritt, überhaupt an Aufgabe zu denken. Bruchhagen wollte die Personalie nicht öffentlich machen, bevor der Klassenerhalt der Frankfurter in der Bundesliga nicht endgültig gesichert war. "Ich habe Herrn Funkel deshalb gebeten, im Sinne von Eintracht Frankfurt nicht den Anschein einer Resignation zu erwecken", sagte Bruchhagen.

Durch den Aufsichtsrat an die Öffentlichkeit gelangt

Am Mittwochmittag war dann aber durch Indiskretionen des Aufsichtrats die bevorstehende Trennung von Funkel an die Öffentlichkeit gelangt, so dass beide Parteien am Donnerstag zum Handeln gezwungen waren. "Die Entscheidung, den Vertrag zum Ende der Saison aufzulösen, ist langsam gereift und hat nichts mit den Fans zu tun. Ich wollte mit dieser Maßnahme für die kommende Saison den Druck von den Spielern nehmen, da sie zuletzt offensichtlich Probleme hatten, mit der Situation umzugehen. Die Spieler sollen unbelastet in die neue Spielzeit gehen", sagte Funkel, nachdem die Anhänger wochenlang die Entlassung des gebürtigen Neussers gefordert hatten.

Zuletzt hatten neben den "Funkel-raus"-Rufen auch die negativen Parolen gegen den Vorstand der Eintracht zugenommen. Deshalb war auch über ein Demission von Vorstandschef Bruchhagen, der bereits im vergangenen Jahr ein konkretes Angebot des VfL Wolfsburg vorliegen hatte, spekuliert worden. Doch Bruchhagen will seinen noch bis 2012 laufenden Vertrag bei der Eintracht ungeachtet aller Kritik an den Neueinkäufen und dem Umgang mit Funkel unbedingt erfüllen.

Bruchhagen bleibt in Frankfurt

"Es gibt kein Ansinnen, meine Tätigkeit zu beenden. Ich bin gerne bei der Eintracht und auch noch lange bei der Eintracht", sagte Bruchhagen, der sich auch an den Spekulationen um die Nachfolge von Funkel in der kommenden Spielzeit nicht beteiligen wollte: "Wir werden sicher keine Trainerfindungskomission wie der HSV oder ein externes Institut beauftragen. Aber es werden sicher wieder gute Ratschläge kommen", meinte Bruchhagen süffisant.

Als Trainer für die kommende Saison werden Michael Skibbe, Armin Veh, Mirko Slomka, Lothar Matthäus und Thomas von Heesen gehandelt. Gute Karten sollen vor allem Skibbe, Slomka und von Heesen haben. Funkel verpasste es dagegen, am 2. Juli den früheren DFB-Teamchef Erich Ribbeck als Rekord-Coach der Eintracht abzulösen. Ribbeck trainierte die Frankfurter vom 1. Juli 1968 bis 30. Juni 1973. Damit war "Sir Erich" exakt 1826 Tage Eintracht-Cheftrainer. Funkel, der sein Amt in Frankfurt am 1. Juli 2004 antrat, wäre am 2. Juli auf 1827 Tage gekommen. Nun ist Funkel als neuer Trainer beim Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern im Gespräch.