2009.05.21 Neuss : Vettel geht mit Doppel-Diffusor auf Titeljagd

Erstmals in dieser Saison wird auch Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel mit einem Doppel-Diffusor fahren. In Monaco will der Heppenheimer weiter "um den Titel mitreden können".

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Nun mit Doppel-Diffusor unterwegs: Sebastian Vettel

Erstmals mit "Doppel-D" will Sebastian Vettel auf dem Formel-1-Laufsteg in Monte Carlo seinen steilen Aufstieg fortsetzen und den Titelkampf gegen WM-Spitzenreiter Jenson Button eröffnen. "Es sind erst fünf Rennen gefahren, aber es wird Zeit, dass wir die Siegesserie von Brawn stoppen. Und zwar so früh wie möglich", sagte der 21 Jahre alte Heppenheimer vor dem Großen Preis von Monaco (Sonntag, 14.00 Uhr/live bei Premiere und RTL) und verkündete mutig: "Deshalb lautet das Ziel für Monaco, sie zu schlagen und das Rennen zu gewinnen. Und ein Sieg hier wäre der absolute Oberhammer."

Da sein Team Red Bull endlich mit einem Doppel-Diffusor auf die Piste geht, rechnet sich Vettel auch Chancen auf den WM-Titel aus: "Ja, wir sollten ein Wörtchen um den Titel mitreden können." BMW-Pilot Nick Heidfeld traut ihm dies jedenfalls zu. "Ich denke, Sebastian hat gute Chancen", meinte der Mönchengladbacher: "Button hat sich einen kleinen Vorsprung erarbeitet, aber mit dem neuen Unterboden könnte Red Bull noch stärker werden."

Vor dem Hintergrund des Regelstreits zwischen den Teams und dem Automobil-Weltverband FIA würde der aktuelle WM-Dritte Vettel in Europas Promi-Paradies gerne für sportliche Schlagzeilen sorgen, doch der angedrohte Ausstieg von Ferrari ist am Mittwoch noch einmal ein großes Stück näher gerückt. Die Italiener scheiterten vor einem Gericht in Frankreich mit einem Eilantrag, mit dem sie die vom Automobil-Weltverband geplante Einführung einer Budget-Obergrenze stoppen wollten.

"Wir sind hier, um Rennen zu fahren", meinte Vettel dazu nur, und hofft auf seinen neuen Diffusor. "Wie viel schneller es wird, kann man vorher nie sagen", meinte Vettel: "In Monaco könnte es schwierig werden, genau zu erkennen, wie groß der Schritt ist. Aber wenn uns der Diffusor hilft, dann auch dort. Und in den Rennen danach sehen wir dann wirklich, wo es hingeht."

Für die meisten Experten wie Formel-1-Boss Bernie Ecclestone ist er ohnehin ein kommender Weltmeister, doch schon in dieser Saison sehen die Rivalen in "Bubi-Schumi", der in China als einziger Fahrer außer Brawn-Pilot Button (Großbritannien) ein Rennen in diesem Jahr gewann, einen ernsthaften Rivalen. "Red Bull hat das beste Auto von allen", erklärte Button: "Andere Teams werden mal erstarken und dann wieder abfallen. Red Bull sieht für die Rolle des langfristigen Verfolgers sehr stark aus. Und Vettel hätte in Bahrain und Barcelona besser abgeschnitten, wenn er nicht festgesteckt hätte."

Noch mehr als Wahl-Monegasse Button darf in Monaco Nico Rosberg auf einen Heimvorteil hoffen. Der Williams-Pilot, der im Fürstentum aufwuchs und dort wohnt, bleibt aber realistisch. "Ich würde da gerne gewinnen. Aber das ist nicht drin in diesem Jahr", meinte der in Wiesbaden geborene Sohn des früheren Weltmeisters Keke Rosberg: "Die Brawn sind eine ganze Ecke weg. Aber Podiumsplätze wären schön."

Für die letztjährigen Dominatoren Ferrari, McLaren-Mercedes und BMW-Sauber wäre nach den Demütigungen der ersten Rennen ein Sieg vor schillernder Kulisse immens wichtig. Nirgendwo könnte man einen Aufwärtstrend besser zur Schau stellen. Von 15 Podestplatzierungen in diesem Jahr ging nur eine an die drei einstigen Top-Teams, und diesen zweiten Platz errang Heidfeld auch noch beim Abbruch-Rennen in Malaysia.

Für den früheren Formel-1-Piloten Christian Danner ist Titelverteidiger Lewis Hamilton in Monaco zumindest "ein heißer Favorit". Der britische Silberpfeil-Pilot, der erst neun WM-Punkte auf dem Konto hat, bleibt aber skeptisch. "Ich fahre mir die Seele aus dem Leib, aber wir dürfen gegenwärtig keine Hoffnung auf Siege hegen. Dazu ist der Wagen einfach nicht gut genug", meinte er.