2009.05.23 Neuss : Tops und Flops der Saison

Felix Magath hat sich ohne Frage den Titel "Trainer der Saison" mit dem VfL Wolfsburg verdient. Auch die "Spieler der Saison" kommen aus Reihen der "Wölfe": Edin Dzeko und Grafite.

nse
Felix Magath ist Trainer der Saison

Der Aufstieg des VfL Wolfsburg unter Felix Magath toppt sogar die Kursentwicklung der VW-Aktie zu ihren besten Zeiten. Als der Ex-Nationalspieler die Niedersachsen vor zwei Jahren in Dreifach-Funktion übernahm, hatten sie gerade zum zweiten Mal in Folge den Abstieg mit Mühe und Not verhindert. 24 Monate später ist Wolfsburg Meister - ebenso unerwartet wie verdient.

Mit den zig Millionen von Alleingesellschafter Volkswagen hat der Alleinherrscher Magath die einstige "graue Maus" der Liga zu einem Top-Klub umgekrempelt, der spätestens seit dieser Rückrunde für attraktiven Offensivfußball nach englischem Vorbild steht. Sein Händchen für entwicklungsfähige Spieler höchster Güte hat sich in dieser Zeit reihenweise bewährt.

Dass der 55-Jährige auf dem Höhepunkt geht, ist nur konsequent. Er selbst sieht sich als Entwickler, nicht als Verwalter. Insofern hat er sich mit dem Erfolg in Wolfsburg selbst überflüssig gemacht.

Spieler der Saison: Grafite/Dzeko

Erfolgsgaranten, Weltklasse-Stürmer, bestes Angriffs-Duo der Liga oder einfach nur Grafite und Edin Dzeko: In dem Brasilianer und dem Bosnier haben sich zwei gesucht und gefunden - in Wolfsburg. Für manch einen war das bisher fast niedersächsische Provinz, nachdem sich der VfL nun Meister nennen kann, ist es der Nabel der deutschen Fußball-Welt. Dank eines südamerikanisch-osteuropäischen Gemisches, das die gegnerischen Abwehrreihen das Fürchten lehrte.

28-mal traf Grafite und sicherte sich die Torjägerkanone. Dzeko war nur zweimal weniger als sein kongenialer Partner erfolgreich. Macht zusammen 54 Tore. Damit war die Bestmarke von Gerd Müller und Uli Hoeneß binnen einer Saison Geschichte. Die damaligen Bayern-Stürmer trafen 1971/1972 und 1972/1973 jeweils insgesamt 53-mal.

"Man kann beinahe sagen, dass wir synchron laufen. Es passt einfach. Auf dem Platz und außerhalb. Wir sind Freunde", meint der 30-jährige Grafite und hofft, dass Dzeko auch in der kommenden Saison an seiner Seite stürmt.

Tor der Saison: Grafite gegen Bayern

Erst stürmte Grafite rechts an Anreas Ottl vorbei, dann ließ er Christian Lell stehen, düpierte den herausstürzenden Michael Rensing, gab Breno das Nachsehen und degradierte Philipp Lahm zum Zuschauer, alles in höchstem Tempo und unwiderstehlich - und dann kam die Hacke zum Einsatz. Was der Torjäger des VfL Wolfsburg am 4. April auf den Rasen der Arena zauberte, war fast schon ein Kunstwerk. Am Ende trudelte der Ball provozierend langsam über die Torlinie und markierte den Schlusspunkt des 5:1-Sieges gegen die Bayern.

Flop der Saison: Jürgen Klinsmann

Jürgen Klinsmann hatte sich wohl einfach zu viel vorgenommen bei seiner ersten Station als Vereinscoach: Eine neue Philosophie wollte er mit Bayern München entwickeln, den deutschen Rekordmeister international wieder salonfähig machen und nebenbei noch Titel gewinnen. Einen Satz wird der ehemalige Bundestrainer womöglich bis heute bereuen. "Ich will jeden Spieler jeden Tag ein bisschen besser machen", hatte er beim Amtsantritt verkündet.

Zehn Monate später war kein einziger Spieler besser geworden, kaum einer so gut wie im Jahr zuvor, viele sogar schlechter. Und so endete das Projekt nach nur 302 Tagen am 27. April, nachdem der 44-Jährige im Viertelfinale der Champions League und des DFB-Pokals gescheitert war und in der Liga die Erwartungen nicht erfüllt hatte.

Comeback der Saison: Jupp Heynckes

Eigentlich hatte sich Jupp Heynckes schon als Frührentner in sein "Casa de los Gatos" (Haus der Katzen) am Stadtrand von Mönchengladbach zurückgezogen. Doch als ihn nach dem Rauswurf von Jürgen Klinsmann der Hilferuf seines früheren Arbeitgebers ereilte, unterbrach der 64-Jährige seinen Vorruhestand gerne für vier Wochen. Für Manager Uli Hoeneß und den FC Bayern sei dies "ein reiner Freundschaftsdienst" gewesen, sagte er.

Heimkehrer der Saison: Lukas Podolski

Er war bei der WM 2006 in Deutschland einer der strahlenden Shootingstars und etwas mehr als zwei Jahre später der unglücklichste Mensch bei Bayern München. Am 19. Januar dieses Jahres erlöste der 1. FC Köln die Qualen von Lukas Podolski. Der FC holte den verlorenen Sohn für exakt die zehn Millionen Euro zurück in die Domstadt, die nach der WM für das Stürmerjuwel von den Bayern bezahlt worden waren.

Querulant der Saison: Marko Pantelic

Er verpasste Trainingseinheiten, "klaute" Elfmeter und zoffte sich öffentlich mit Trainer Lucien Favre: Marko Pantelic unterstrich in seiner letzten Saison für Hertha BSC Berlin noch einmal nachdrücklich seinen Ruf als launische Diva.

Glücksschuss der Saison: Sebastian Langkamp

Sebastian Langkamp wird seinen ersten Treffer in der Bundesliga immer in Erinnerung behalten. Denn mit seinem Traumtor wider Willen aus exakt 46,5 Metern gelang dem 21 Jahre alten Innenverteidiger vom Karlsruher SC am 25. April in Düsseldorf gegen Bayer Leverkusen der Glücksschuss der Saison.

Pechvogel der Saison: Vedad Ibisevic

Er traf wie er wollte und hatte sogar den Rekord von Gerd Müller in der Bundesliga im Visier. Dann riss bei Vedad Ibisevic in der Winterpause das vordere Kreuzband im rechten Knie. Mit einem Schlag war der Top-Torjäger zum Pechvogel geworden.

Aufreger der Saison: Ibertsberger und Janker

Am Ende stand zwar ein mildes Urteil, doch die Dopingtest-Affäre um die Profis Andreas Ibertsberger und Christoph Janker war der Anfang vom Ende der Titelträume von Bundesliga-Aufsteiger 1899 Hoffenheim. Bevor bekannt wurde, dass die beiden Spieler nach der Partie bei Borussia Mönchengladbach (1:1) am 7. Februar zehn Minuten zu spät zur Doping-Probe erschienen waren, lag Hoffenheim aussichtsreich auf dem zweiten Rang. Am 34. Spieltag waren die Kraichgauer froh über ihren einstelligen Tabellenplatz.

Einsteiger der Saison: Markus Babbel

Aus Teamchef Markus Babbel wird erst in der kommenden Saison ein Cheftrainer, doch auch ohne Trainerschein hat der Ex-Nationalspieler beim VfB Stuttgart eine kleine Sensation vollbracht. Am 24. November trat der 36-Jährige die Nachfolge des entlassenen Armin Veh an und führte die Schwaben vom elften auf den dritten Platz. Da überrascht es kaum, dass der VfB Babbels Vertrag kürzlich bis zum 30. Juni 2011 verlängerte.

Rüpel der Saison: Eduardo und Gustavo

Brasilianer stehen in der Bundesliga gewöhnlich für die gehobene Ballkunst, grazile Bewegungen und schöne Tore. Dass die Kicker vom Zuckerhut auch im Boxen und Schlagen "erstklassig" sind, bewiesen in der abgelaufenen Spielzeit die beiden Rüpel Carlos Eduardo und Luiz Gustavo von Aufsteiger 1899 Hoffenheim.