2009.05.24 Neuss : Hoeneß: "Dann bin ich Mutter Teresa"

Uli Hoeneß hat Kritik an dem öffentlichen Verhalten von Jürgen Klinsmann nach seinem Rausschmiss beim Rekordmeister geübt: "Klinsmann war der Trainer mit der größten Machtfülle".

nse
Uli Hoeneß (l.) und Jürgen Klinsmann: Die Fronten sind verhärtet

Manager Uli Hoeneß von Rekordmeister Bayern München hat nach dem Fernsehauftritt von Jürgen Klinsmann erstmals öffentlich Kritik an dem ehemaligen Bayern-Trainer geübt. "Ich habe in Latein gelernt: si tacuisses, philosophus manuisses - das bedeutet: Wenn du geschwiegen hättest, wärst Du ein Philosoph geblieben", sagte Hoeneß nach dem 2:1-Sieg der Münchner am letzten Bundesliga-Spieltag gegen den VfB Stuttgart über Klinsmann. Dieser hatte in seinem ersten öffentlichen Auftritt nach seinem Rauswurf am Mittwoch bei stern.tv die Klubführung des FC Bayern kritisiert.

Klinsmann hatte zudem betont, von seiner Entlassung überrumpelt worden zu sein - was Hoeneß so nicht stehen lassen wollte. "Ich habe Jürgen nach dem Spiel in Barcelona am Donnerstag privat bei mir zu Hause gesagt: Wenn wir noch ein Bundesliga-Spiel verlieren, wird es eng für dich. Deshalb war ich sehr überrascht, dass er darauf nicht vorbereitet gewesen sein will", sagte Hoeneß.

Hoeneß tritt nach

Im DSF-Doppelpass legte Hoeneß am Sonntag noch nach. "Klinsmann war der Trainer in der Geschichte des FC Bayern mit der größten Machtfülle. Seine Wünsche wurden nicht erfüllt, sondern übererfüllt. Davon zu reden, er habe nicht durchsetzen können, was er wollte, ist falsch", sagte er. Klinsmanns einziger konkreter Vorschlag sei die Verpflichtung von Landon Donovan gewesen, "von dem Hermann Gerland sagt, der würde bei ihm nicht mal in der 2. Mannschaft spielen".

Es sei "ein Riesenunterschied", sagte Hoeneß weiter über den früheren Bundestrainer Klinsmann, "eine Nationalmannschaft oder eine Bundesliga-Mannschaft zu trainieren. Wenn ich beim Nationalteam ein Problem mit einem Spieler habe, kann ich den austauschen - das geht im Verein nicht". Für Klinsmanns Rauswurf "waren am Ende nicht die Ergebnisse entscheidend, sondern das Verhältnis zur Mannschaft". Das war laut Hoeneß lange nicht so positiv, wie Klinsmann es zuletzt dargestellt hatte.

Auch der "Gefälligkeitsjournalist" (Hoeneß) Günther Jauch, der Klinsmann interviewt hatte, bekam sein Fett weg. Hoeneß mutmaßte, Klinsmanns Berater Roland Eitel (Hoeneß: "diese Eitel-Mischpoke") habe "die Fragen vorher aufgeschrieben und Jauch hat sie vorgelesen. Sowas kennen wir ja." Eitel wollte am Sonntag auf SID-Anfrage keinen Kommentar dazu abgeben.

stern.tv lädt Bayern-Manager Hoeneß ein

Nach der heftigen Hoeneß-Kritik an Jauch wurde der Bayern-Manager zur nächsten stern.tv-Sendung am kommenden Mittwoch (ab 22.15 Uhr bei RTL) eingeladen. "Das ist unsere Reaktion darauf", sagte stern.tv-Chefredakteur Andreas Zaik auf SID-Anfrage. Er habe die Aussagen von Hoeneß gelesen, "es ist ärgerlich und unzutreffend, dass Fragen abgesprochen sind. Das ist in 20 Jahren nicht vorgekommen und wird in 20 Jahren nicht vorkommen. Günther Jauch lässt sich Fragen nicht diktieren", so Zaik.

Jauch habe Klinsmann "eine Plattform gegeben, Dinge zu erzählen, die nicht stimmen, und ohne kritische Fragen zu stellen", hatte Hoeneß gemosert. Jauchs Aussage, Klinsmann sei "der Barack Obama des deutschen Fußballs", brachte ihn richtig auf. "Wenn Jürgen der Obama des deutschen Fußballs ist, dann bin ich Mutter Teresa."

Alles besser ohne Klinsmann

Klinsmann musste nach dem 0:1 gegen Schalke 04 am 29. Spieltag gehen. Zu spät? Dazu Hoeneß: "Nein, wir haben reagiert, als wir das Gefühl hatten, die Champions-League-Qualifikation ist in Gefahr." Aber: "Wenn wir immer so gespielt hätten, wie in den letzten fünf Spielen - wissen Sie, wie die Tabelle dann ausgesehen hätte? Rechnen Sie doch mal hoch!" Mit Übergangstrainer Heynckes holten die Bayern 13 von 15 möglichen Punkten.

Trotz allem beschloss Hoeneß die kurze Ära Klinsmann mit einem versöhnlichen Fazit: "Ich bin nach wie vor der Meinung, dass es einen Versuch wert war."