2009.05.28 Neuss : Bajramaj trifft auf neuen Verein

Nationalspielerin Fatmire Bajramaj vom FCR Duisburg trifft im DFB-Pokalfinale am Samstag auf ihren zukünftigen Arbeitgeber. Die 21-jährige wechselt im Sommer zu Turbine Potsdam.

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Fatmire Bajramaj im Trikot der Nationalmannschaft

Jung, erfolgreich, attraktiv, integrativ - wenn sich die Strategen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine Werbefigur für die Frauen-Nationalmannschaft und die WM 2011 hätten basteln können, wäre wohl Fatmire Bajramaj dabei herausgekommen. Bisher war das neue Frauenfußball-Aushängeschild die Zierde von UEFA-Cup-Sieger und DFB-Pokalfinalist FCR Duisburg, doch ab der kommenden Saison trägt die gebürtige Kosovo-Albanerin ausgerechnet das Trikot von Turbine Potsdam - Duisburgs Endspielgegner am Samstag (16.30 Uhr/live in der ARD) im Berliner Olympiastadion.

"Ich freue mich schon auf Potsdam, aber noch denke ich nur an Duisburg und gebe alles für den Klub", sagte die 21-Jährige vor dem Duell ihres jetzigen mit ihrem zukünftigen Verein: "Ich kann nicht sagen, wer gewinnen wird. Wir wollen natürlich den zweiten Pokal innerhalb einer Woche holen, aber der Ausgang ist völlig offen. Aus meiner Sicht stehen sich die beiden spielerisch stärksten und auch besten deutschen Mannschaften gegenüber"

Für Bajramaj wäre der Pokalsieg ein weiterer Höhepunkt in ihrer kurzen, aber äußerst erfolgreichen Karriere. Die Offensivspielerin, die von allen nur "Lira" gerufen wird, konnte trotz ihrer Jugend schon einen WM-Triumph und Bronze bei Olympia in Peking feiern. Zum gefragten neuen Frauenstar ("Mir lauern aber noch keine Paparazzi auf") wurde die 27-malige Nationalspielerin allerdings nicht nur wegen ihres sportlichen Erfolgs.

Bajramaj vereint sportliches Können mit einem attraktiven Erscheinungsbild und einem außergewöhnlichen Lebenslauf. Die Geschichte des jungen muslimischen Mädchens, das mit ihrer Familie vor dem Krieg in der Heimat nach Deutschland flüchtete und das Fußballspielen zunächst vor ihrem Vater geheimhalten musste, faszinierte sogar den DFB.

Vom Flüchtlingskind zur Beautyqueen

Der Verband stellte bei der WM-Bewerbung Bajramaj als Bespiel für die Integrationskraft des Fußballs in den Vordergrund - denn schließlich wurde aus dem Flüchtlingskind rasch die Beautyqueen.

"In Deutschland war mir zu Beginn vieles fremd. Nach meinem ersten Schultag gefragt, denke ich immer zuerst an das hässliche Kleid, das ich anziehen musste", sagte Bajramaj rückblickend: "Das Erlebnis hat mich wohl ein bisschen geprägt, denn bis heute achte ich schon auf mein Aussehen, und Klamotten-Shoppen ist mit mein liebstes Hobby. Meine Lieblingsklamotten sind immer die, die gut aussehen."

Gut aussehen wird Bajramaj, die bis 2011 in Potsdam unterschrieben hat, sicher auch im Turbine-Dress. Schließlich läuft die U19-Europameisterin von 2006, die von ihrer Landsfrau Aferdita Podovorica sowie Nationalmannschafts-Kollegin Anja Mittag nach Brandenburg gelotst wurde, immer perfekt gestylt auf. Äußerlichkeiten standen beim Wechsel nach Potsdam aber nicht im Vordergrund.

"Ich wollte was Neues ausprobieren und ich weiß, welches Potenzial in der Potsdamer Mannschaft steckt", sagte die Ausnahmespielerin, die einer Ausbildung bei einem Steuerberater abgebrochen ("Trockene Zahlen sind nicht das Richtige für mich") und sich stattdessen für die Sportförderkompanie der Bundeswehr entschieden hat.

Neben den sportlichen Zielen ("Der WM-Teilnahme 2011 ordne ich alles unter") hat Bajramaj aber auch noch andere Träume: "Mein größter Traum für meine Zukunft hat gar nichts mit Fußball zu tun. Eine Villa in Los Angeles. Das wär was. Auch wenn ich gar nicht so konkret weiß, was ich da will. Obwohl, feiern würde ich da mit meinen Freundinnen. Und ein paar Jungs dürften auch mitfeiern..."