2009.05.28 Neuss : Nervenschlacht zwischen Cottbus und Nürnberg

Cottbus und Nürnberg erwartet eine wahre Nervenschlacht um den letzten freien Bundesliga-Platz. Energie will kämpfen, die "Clubberer" mit spielerischer Klasse zum Erfolg kommen.

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Nürnbergs Trainer Michael Oenning

Der Kampf um den letzten freien Platz im deutschen Oberhaus wird zur Nervenschlacht: Wenn der Bundesliga-16. Energie Cottbus heute (18.00 Uhr/live in der ARD) den Zweitliga-Dritten 1. FC Nürnberg zum Hinspiel des ersten Relegationsduells seit 18 Jahren empfängt, stehen beide Teams unter enormem Druck. Es geht um Arbeitsplätze, die sportliche Zukunft und viele Millionen Euro.

"Es steht alles auf dem Spiel. Die nervliche Belastung ist extrem", sagte Energie-Kapitän Timo Rost und schickte eine Kampfansage an seinen Heimatklub hinterher, die weniger scherzhaft gemeint ist als sie klingt: "Wir werden die schon wegbrezeln."

Cottbus will kratzen, beißen, kämpfen

Auch in den Ausscheidungsspielen wollen die Lausitzer ihre in der Liga oftmals abfällig belächelten Tugenden voll einbringen: kratzen, beißen, kämpfen. Passenderweise haben sie im Vorfeld ein Kurz-Trainingslager am Scharmützelsee abgehalten. "Einen Schönheitspreis gibt es nicht zu gewinnen", sagte Manager Steffen Heidrich.

Die Nürnberger dagegen setzen auf ihre spielerische Klasse. "Wenn wir jetzt mit plakativen Kämpfen anfangen, wäre das das Widersinnigste überhaupt", sagte Club-Trainer Michael Oenning und forderte von seinen Spielern jene Offensivstärke, die den Club in der Rückrunde noch auf Platz drei gebracht hat: "Wir werden uns nicht mit Mann und Maus hinten reinstellen und verteidigen. Am Ende wird sich Qualität durchsetzen."

Großer Respekt vor Franken-Offensive

Cottbus zeigte vor dem Showdown großen Respekt vor der Franken-Offensive um Zweitliga-Torschützenkönig Marek Mintal (16 Treffer). "Es ist unglaublich wichtig, kein Gegentor zu bekommen", sagte Energie-Trainer Bojan Prasnikar mit Blick auf eine mögliche Hypothek im entscheidenden Spiel am Sonntag (15.30 Uhr/live in der ARD) in Nürnberg. Das Heimrecht im Hinspiel sei dennoch ein Vorteil: "Wir haben durch den Sieg gegen Leverkusen Selbstvertrauen und werden mit Hilfe unserer Fans etwas vorlegen."

22.528 Zuschauer wollen das Stadion der Freundschaft in eine "Hölle" verwandeln. "Da wird es von der ersten bis zur letzten Minute brennen", sagte Club-Coach Oenning, der bis auf die verletzten Abwehrspieler Andreas Wolf, der als Kapitän aber mitgereist ist, und Dominic Maroh aus dem Vollen schöpfen kann.

Statistik spricht für Bundesligisten

Energie muss nach wie vor auf seinen besten Angreifer Dimitar Rangelow (neun Treffer) wegen einer Bänderdehnung verzichten. Dafür dürfte der zuletzt in Ungnade gefallene Ivica Iliev wieder von Beginn an auflaufen. Der Serbe, der im Falle des Abstiegs ablösefrei wechseln könnte, hatte sich zuletzt mit Adduktorenproblemen abgemeldet, woraufhin Prasnikar ihm fehlenden Willen attestierte. Seit Montag trainiert der Flügelflitzer aber wieder mit, so dass er wohl eine Chance zur Rehabilitierung erhält.

Die Statistik spricht für den Bundesligisten. In den bisherigen zehn Duellen setzte sich nur dreimal der Zweitligist durch. Zudem haben die Lausitzer gute Erinnerungen an Ausscheidungsspiele. 1997 stieg der Klub unter dem damaligen Trainer Eduard Geyer nach zwei emotionsgeladenen Spielen gegen Hannover 96 in die 2. Liga auf.