2009.05.30 Neuss : DFB-Pokalfinale als Tor zur Europa League

Im DFB-Pokalfinale geht es heute Abend für Bayer Leverkusen und Werder Bremen um die Quali für die Europa League. "Das ist ein Fifty-Fifty-Spiel", sagt Bayer-Sportchef Rudi Völler.

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Thomas Schaaf (l.) und Bruno Labbadia umrahmen die DFB-Trophäe

Der DFB-Pokal als Cup der letzten Hoffnung: Für Bayer Leverkusen und Werder Bremen geht heute (20.00 Uhr/live in der ARD und bei Premiere) im 66. Pokalfinale in Berlin nach einer total verkorksten Bundesliga-Saison um alles oder nichts - und für Trainer Bruno Labbadia womöglich um den Job. Nur der Sieger gelangt noch durch die Hintertür in die Europa League und damit zu garantierten Millionen-Einnahmen.

"Das ist ein Fifty-Fifty-Spiel. Beide Mannschaften stehen unter Druck", meint Bayer-Sportchef Rudi Völler. Und auch Werder-Manager Klaus Allofs kann vor dem Showdown im mit 72.954 Zuschauern ausverkauften Olympiastadion keinen Favoriten ausmachen: "Es hängt von der Tagesform ab. An guten Tagen gehören beide Teams zur nationalen Spitze."

Viele gute Tage hatten aber sowohl Bayer als auch Werder in der Liga nicht. Auf den Plätzen neun und zehn versanken beide Klubs im Mittelmaß und hinkten den hohen Ansprüchen meilenweit hinterher. So droht den Bremern, die in der vergangenen Woche auch noch das UEFA-Cup-Finale gegen Schachtjor Donezk (1:2) verloren hatten, nach fünf Jahren in der lukrativen Champions League sogar ein Jahr ohne internationales Geschäft. "Das wäre nicht gut", sagt Allofs.

Holzhäuser: "Es gibt keinen Treueschwur"

Leverkusen wäre bereits zum zweiten Mal in Folge international nicht vertreten, was Konsequenzen für Trainer Labbadia haben könnte. "Es gibt keinen Treueschwur", betont Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. In der nächsten Woche steht unterm Bayer-Kreuz die große Saison-Analyse auf dem Programm. Selbst bei einem Cupsieg (Holzhäuser: "Wir lassen uns vom Finale nicht blenden") könnte für den 43 Jahre alten Coach seine erste Bundesliga-Station Geschichte sein.

Das ist für Labbadia in diesen Tagen aber nur zweitrangig. "Das blende ich aus. Das Finale ist die Erfüllung eines Traumes. Das ist etwas ganz Besonderes, ein Riesen-Erlebnis, alles andere ist erst einmal nebensächlich", schwärmt der Coach und spricht aus Erfahrung. 1990 schoss der gebürtige Hesse mit zwei Treffern den 1. FC Kaiserslautern beim 3:2-Sieg über Werder zum Cupsieg.

Werder in vier Pokal-Duellen viermal Sieger

Leverkusen hat freilich nicht so gute Erfahrungen mit den Grün-Weißen im Pokal gemacht. In vier Duellen behielt Werder viermal die Oberhand, dafür blieb der Werksklub in dieser Saison (ein Sieg, ein Unentschieden) gegen die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf ungeschlagen.

Das soll sich laut Superstar Diego diesmal ändern. "Ich will dem Verein etwas zurückgeben. Das wird das wichtigste Spiel meiner bisherigen Karriere. Der Sieg im DFB-Pokal ist mein Traum", sagt der Brasilianer, der im Sommer für 24,5 Millionen Euro zum italienischen Rekordmeister Juventus Turin wechselt.

Vorher kommt es für Diego aber im Mittelfeld zum großen Duell der Ballzauberer gegen seinen Landsmann Renato Augusto. Nicht zuletzt deswegen ist Völler von einem "tollen Endspiel" überzeugt: "Vielleicht sehen wir das Duell der fußballerisch besten Mannschaften in Deutschland. Das hört sich vielleicht blöd an, wenn der Neunte gegen den Zehnten spielt, aber beide Mannschaften spielen nach vorne und haben ein großes fußballerisches Potenzial."

Beide Teams quasi in Top-Besetzung

Für einen Pokal-Schlager ist also alles angerichtet. Hinzu kommt, dass beide Trainer quasi auf ihre beste Elf zurückgreifen können. Bei Werder fehlt lediglich Nationalspieler Per Mertesacker (Bänderriss), dafür ist Außenverteidiger Sebastian Boenisch (Bänderdehnung) rechtzeitig wieder fit. Bei Bayer dürften der wiedergenesene Nationalspieler Bernd Schneider und Jungstar Toni Kroos zunächst als Joker auf der Bank sitzen.

Der Weg nach Berlin war für Werder wohl der beschwerlichere. Die Norddeutschen hatten ausschließlich Auswärtsspiele - ein Novum - und mussten dabei gegen Borussia Dortmund, Meister VfL Wolfsburg und den Nordrivalen Hamburger SV ran. Leverkusen schaltete unterdesen im Viertelfinale Rekord-Pokalsieger Bayern München aus.

"Wir fühlen uns in Berlin sehr wohl. Das ist immer wieder ein Erlebnis", sagte Schaaf. Für den Coach, der angeblich wie auch Labbadia beim HSV im Gespräch ist, wäre es der dritte Pokalsieg nach 1999 und 2004, für Werder gar der fünfte. Auf eine derartige Erfolgsbilanz können die Rheinländer nicht verweisen. Lediglich 1993 - durch ein 1:0 gegen die Amateure von Hertha BSC Berlin - wanderte der Pott nach Leverkusen.