2009.05.30 Neuss : "Sturmduo" Völler und Allofs im direkten Duell

Früher gefürchtetes Sturmduo, nun Gegner: Die Manager Rudi Völler (Leverkusen) und Klaus Allofs (Bremen) treffen heute mit ihren Klubs im DFB-Pokalfinale aufeinander.

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Klaus Allofs (r.) trifft auf seinen alten Sturmpartner Rudi Völler

Früher war ihre Schlitzohrigkeit bei gegnerischen Abwehrreihen gefürchtet, heute gelten sie am Verhandlungstisch als nicht weniger gewieft: Rudi Völler und Klaus Allofs haben den Wechsel vom Trikot in den Nadelstreifenanzug geschafft, sind angesehene Manager in der Bundesliga. Ihr Offensivdrang wird inzwischen nicht mehr mit Toren, sondern mit erfolgreichen Vertragsabschlüssen belohnt. 29 gemeinsame Länderspiele und die Vize-Weltmeisterschaft 1986 werden die beiden ehemaligen Angreifer auf ewig verbinden.

Heute Abend kreuzen sich die Wege der freundschaftlich verbundenen Manager-Rivalen beim DFB-Pokalfinale zwischen Werder Bremen und Bayer Leverkusen. Auf der einen Seite Allofs, der bei den Hanseaten inzwischen zum Souverän aufgestiegen ist und die Vereinsgeschäfte seit dem Rücktritt von Jürgen L. Born im vergangenen März kommissarisch sogar hauptverantwortlich führt. Auf der anderen Seite Völler, der für Bayer allein aufgrund seiner nationalen und internationalen Sympathiewerte unverzichtbar ist.

Allofs erfolgreicher

Gemessen am Erfolg hat Allofs die Nase vorn. Seit seinem Amtsantritt bei Werder im Sommer 1999 ging es mit den Bremern wieder kontinuierlich bergauf. Der Gewinn des Doubles 2004 war bisher die sportliche Krönung, die regelmäßigen Teilnahmen an der Champions League haben Werder zu einem prosperierenden Unternehmen gemacht - trotz der mäßigen Erfolge in der vergangenen Bundesligasaison.

Nicht ohne Grund orientiert sich Völler an der Philosophie seines ehemaligen DFB-Sturmpartners. "Werder ist das Paradebeispiel dafür, wie man mit kleineren oder größeren Krisen umgeht. Es gibt in Bremen keine Diskussionen, wenn die Ergebnisse mal nicht stimmen. Das Beispiel Werder zeigt, dass bei allem Druck Geduld gefragt ist", lobt der 49-Jährige, dessen Team mit dem neunten Tabellenplatz in der abgelaufenen Spielzeit ebenfalls hinter den eigenen Erwartungen zurückblieb.

Ähnliche Transferpolitik

Auf die Arbeit von Völler und seinen Mitarbeitern scheint dies jedoch nicht zurückzuführen zu sein. Ebenso wie Allofs in Bremen stellt Bayer seinen Trainern Jahr für Jahr eine Mannschaft zusammen, die über reichlich Qualität verfügt. Die Transferpolitik ist bei beiden Vereinen ähnlich: Scouten, Potenzial erkennen, den Spieler weiterentwickeln und schließlich möglichst teuer verkaufen.

"Wir sind nicht Bayern München. Bei jedem Spieler gibt es eine Schmerzgrenze, wo wir überlegen müssen, ob wir ihn abgeben", sagt Völler. Bei Allofs klingt dies ähnlich: "Bei Werder Bremen ist kein Spieler unverkäuflich. Man muss immer sehen, was für den Verein sportlich und wirtschaftlich sinnvoll ist." Ansichten, die gepaart mit Erfolg in der Branche ankommen. Immer wieder werden Allofs und Völler auch bei anderen Klubs als Manager gehandelt. Einen Abschied von ihren derzeitigen Arbeitgebern erwägen beide aber nicht.

Völler, der bei Bayer seit 1996 tätig ist und die Aufgabe nur für seine Tätigkeit als DFB-Teamchef (2000 bis 2004) sowie ein kurzes Intermezzo beim AS Rom zeitweilig aufgab, verlängerte seinen Vertrag unlängst bis 2012. "Mit dem neuen Stadion wollen wir in der kommenden Saison den angestrebten Weg zu einer deutschen Spitzenmannschaft konsequent fortsetzen. Ich war bei der Saat dabei - ich möchte auch gerne die Ernte einfahren", meint der Weltmeister von 1990. Auch Allofs hat in Bremen noch viel vor. Über kurz oder lang dürfte er in Bremen endgültig zum Klubboss aufsteigen.