2009.06.04 Neuss : Hambüchens Goldhunger nicht zu stoppen

Fabian Hambüchen sammelt bei den Kunstturn-Meisterschaften Titel wie am Fließband. Am Donnerstag jubelte der 21-Jährige über Gold an den Ringen, am Barren, beim Sprung und am Reck.

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Fabian Hambüchen

Er kam, sah und räumte ab - ein schier unersättlicher Fabian Hambüchen hat sich zum Abschluss der deutschen Kunstturn-Meisterschaften wieder einmal als Titelhamster betätigt. 48 Stunden nach seinem Triumph im Mehrkampf gewann der Reck-Weltmeister im Rahmen des Internationalen Deutschen Turnfestes in Frankfurt an den Ringen, am Barren, beim Sprung und am Reck vier weitere Goldmedaillen. Mit 15,20 Punkten am "Königsgerät" schloss der Publikumsliebling sein ganz persönliches Turnfest mit einem Jubelschrei und geballten Fäusten ab.

Vor 5000 Zuschauern in der ausverkauften Ballsporthalle empfand der Reck-Weltmeister dabei seinen ersten Sieg an den Ringen als besonders wertvoll. "Wahnsinn, gerade da vorn zu sein", entfuhr es dem 21-Jährigen von der TSG Niedergirmes, der an diesem Gerät jahrelang der Konkurrenz hinterhergeturnt hatte. Nun aber ist der Hesse mit insgesamt 25 nationalen Titeln der immer noch führenden lebenden Turnlegende Eberhard Gienger (34) weiter auf den Pelz gerückt.

Hambüchen nur am Boden mit Schwächen

Weniger gut lief es für den Mehrkampf-Europameister nur am Boden, wo er bei den europäischen Titelkämpfen im April in Mailand noch die Goldmedaille gewonnen hatte. Diesmal musste er im Finale gleich zweimal die Fläche verlassen und mit Rang drei zufrieden sein. "Irgendwie kommt Fabian hier mit dem Belag nicht zurecht", mutmaßte Vater und Trainer Wolfgang Hambüchen, denn das gleiche Missgeschick war seinem Sohn schon bei der Champions Trophy am Pfingstmontag an gleicher Stelle unterlaufen.

Hambüchens Pech war das Glück von Philipp Boy. Der 21 Jahre alte Auszubildende aus Cottbus feierte seinen ersten nationalen Titel bei den Senioren geradezu überschwänglich: "Das ist unglaublich, ich habe so lange darauf gewartet."

Kim Bui avanciert zu Hambüchens weiblichem Pendant

Hambüchens weibliches Pendant war - mit Abstrichen - Kim Bui. Die neue deutsche Mehrkampf-Meisterin erwies sich auch am Sprung und am Boden als beste deutsche Kunstturnerin und nötigte damit Cheftrainer Ulla Koch, in der Vergangenheit nicht immer ein Fan der Tübingerin, Respekt ab: "Kim hat sich nach Olympia nicht unterkriegen lassen und ist mit viel Elan durchgestartet."

Mit einer Goldmedaille durfte auch die EM-Dritte Anja Brinker die hessische Metropole verlassen, die Herkenratherin war am Stufenbarren zumindest national eine Klasse für sich. Am Schwebebalken setzte sich Joeline Möbius aus Chemnitz durch, die ihren ersten Wettkampf nach langer Wettkampfpause (Zehenbruch) bestritt.

Überraschungs-Meister am Seitpferd wurde der Berliner Philip Sorrer. Das Turnfest wird am Freitag (20.15 Uhr) mit einer Stadion-Gala in der Frankfurter WM-Arena abgeschlossen.