2009.06.06 Neuss : WM-Quali: Fußballgrößen wollen Anschluss halten

Nach 33 sieglosen Jahren will Brasilien wieder in Uruguay gewinnen und in der WM-Quali Anschluss nach oben halten. Für Argentinien geht es gegen Kolumbien um Wiedergutmachung.

us
Kaka (m.) und Co. wollen Negativserie gegen Uruguay beenden

Alle warten auf ein Wort von Kaka. Fernab der brodelnden Wechselbörse Europa versucht der brasilianische Nationalspieler jedoch, kühlen Kopf zu bewahren. Schließlich geht es am Samstag für die "Selecao" in Uruguay um wichtige Punkte auf dem Weg zur WM-Endrunde 2010.

Zudem plagt eine schwarze Serie den fünfmaligen WM-Champion, der zuletzt vor 33 Jahren im Centenario-Stadion von Montevideo gegen die unbequemen "Urus" gewann. Da stören die von Real Madrid gebotenen 68,5 Millionen Euro oder die aus London kolportierten 80 Millionen Euro des FC Chelsea nur, so dass sich Kaka selber einen Maulkorb umgehängt hat und wohl lieber AC Mailands Boss Silvio Berlusconi die Verkündung der Entscheidung am Wochenanfang überlässt.

Während sich Südamerikas Fußballgrößen am Mündungstrichter des Rio de la Plata messen, hat ein Stück weiter flussaufwärts in Buenos Aires Argentiniens Nationaltrainer Diego Maradona vor dem Duell gegen Kolumbien noch an der letzten 1:6-Schlappe in Bolivien zu knabbern. Nach anfänglich "zehn Tagen Trauer" fühle "El Diez" jetzt aber nur noch Wut und den Wunsch nach Rache.

Richtungweisend mit Blick auf die WM in Südafrika sind beide Duelle. Da der zuletzt schwächelnde Spitzenreiter Paraguay (24 Punkte) ebenfalls am Samstag daheim den Überraschungsdritten Chile (20) empfängt, können Brasilien (21) und Argentinien (19) Boden gut machen. Uruguay (17), das als derzeit Fünfter in die Relegation gegen den CONCACAF-Vertreter antreten müsste, würde mit einem Sieg näher an die vier WM-Direkttickets rücken.

Und weil Ausrutscher im letzten Drittel der Eliminatorias kaum noch auszubügeln sind, fordert Brasiliens Nationaltrainer Dunga volle Konzentration von den Seinen. "Jetzt müssen alle nur an die Selecao denken. Danach gibt es genug Zeit, um diese Dinge voranzubringen", mahnt der Weltmeister von 1994 mit Blick auf die Transferspekulationen, die sich nicht nur auf Kaka beschränken.

Frei von Wechselgerüchten, aber müde nach einer langen Saison schieben Wolfsburgs Meisterschaftskapitän Josue und Verteidiger Lucio von Bayern München als einzige Bundesliga-Legionäre im Selecao-Kader mit den WM-Qualifikationsspielen in Uruguay und am Mittwoch gegen Paraguay sowie dem Konföderationen-Pokal vom 14. bis 28. Juni in Südafrika Extraschichten. Alles für einen Platz im WM-Kader der Brasilianer.

Auch in anderen Stadien agieren Akteure aus dem deutschen Fußball-Oberhaus. Der Paraguayer Nelson Valdez (Dortmund) und der Chilene Arturo Vidal (Leverkusen) liefern sich in Asuncion ein Duell. Bei Bolivien gegen Venezuela lassen Bremens Neuzugang Marcelo Martins und der Hamburger Tomas Rincon den norddeutschen Klassiker zum wiederholten Male in dieser Saison aufleben. Und in der einzigen Sonntagspartie verstärken Carlos Zambrano (Schalke) und Paolo Guerrero (Hamburg), der nach sechs Spielen Sperre ins Team zurückkehrt, Schlusslicht Peru gegen Ecuador.

Doch keiner dürfte so heiß auf seinen Einsatz sein wie der Münchner Martin Demichelis. "Wir wollen den Stachel der Niederlage gegen Bolivien herausziehen", sagte der Bayern-Verteidiger im Dress der Argentinier. Und das gegen die Kolumbianer, die mit dem 5:0 im September 1993 schon einmal ein voll besetztes Monumental-Stadion von Buenos Aires zum Schweigen gebracht hatten.