2009.06.11 Neuss : Soldo und Köln offenbar handelseinig

Der Nachfolger von Christoph Daum könnte schon bald in Köln präsentiert werden. Offenbar hat der Kroate Zvonimir Soldo das Rennen um die vakante Position als 34. FC-Coach gemacht.

us
Zvonimir Soldo soll neuer Coach beim 1. FC Köln werden

Nach dem unrühmlichen Abgang von "Lautsprecher" Christoph Daum setzt der 1. FC Köln offenbar zukünftig auf den einstigen Musterprofi Zvonimir Soldo. Nach Informationen des Kölner Express und Welt.de soll der langjährige Kapitän des VfB Stuttgart neuer Trainer der "Geißböcke" werden. Bis Samstag soll Soldo demnach einen Vertrag beim FC unterschreiben und die Nachfolge von Daum antreten, der wohl zum türkischen Traditionsklub Fenerbahce Istanbul zurückkehrt.

Der Klub wollte die Verpflichtung noch nicht bestätigen. "Wenn wir etwas zu vermelden haben, werden wir das tun. Bislang kann ich noch nichts bestätigen", sagte Kölns Manager Michael Meier dem Sport-Informations-Dienst (SID). Dass die Trainersuche vor dem Abschluss steht, ließ aber auch Meier durchblicken: "Am Wochenende wird das Thema durch sein."

Slomka bleibt erneut auf der Strecke

Damit hat auch der letzte Bundesligist nach der rasanten Trainer-Rotation einen neuen Übungsleiter für die kommende Spielzeit gefunden. Der ehemalige Schalker Trainer Mirko Slomko, der in Köln genauso wie bei anderen Klubs gehandelt worden war, blieb damit erneut außen vor. Eine Verpflichtung des früheren französischen Nationaltrainers Gerard Houllier hatte sich bereits am Mittwoch zerschlagen.

Soldo wäre damit der 34. Trainer in der Kölner Vereinsgeschichte seit Einführung der Bundesliga im Jahr 1963. Für den 41-Jährigen würde es die erste Trainerstation in Deutschland. Soldo war bis 2008 Cheftrainer von Dinamo Zagreb. Mit dem Klub gewann er die kroatische Meisterschaft und den Pokal, anschließend verkündete er seinen Rücktritt.

Ein Unbekannter ist der frühere Defensivspezialist in Deutschland aber keineswegs. 1996 war Soldo von Croatia Zagreb zum VfB Stuttgart gekommen, holte in seiner ersten Saison gleich den DFB-Pokal mit den Schwaben und scheiterte ein Jahr später im Pokal der Pokalsieger mit dem VfB erst im Endspiel am FC Chelsea (0:1). Bis 2006 bestritt der WM-Dritte von 1998 insgesamt 301 Bundesligaspiele für Stuttgart. Für den früheren DFB- und VfB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder war der Kroate "das Markenzeichen des VfB und der Prototyp des Musterprofis".

Köln wollte schon den Spieler Soldo

Dies blieb auch FC-Manager Meier in Erinnerung, der Soldo bereits zu dessen aktiver Zeit nach Köln lotsen wollte. Zu einem Wechsel war es aber nicht gekommen.

Im zweiten Anlauf ist es nun offenbar doch zu einer Übereinkunft gekommen. In Köln soll Soldo das Erbe von Daum fortführen. Der Erfolgstrainer hatte den FC zurück in die Bundesliga geführt und mit Platz zwölf eine ruhige Saison fernab der Abstiegsplätze absolviert.

Aufgrund der besseren Perspektive zieht es Daum, der eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag nutzte, aber wieder zurück in die Türkei. Beim Renommierklub Fenerbahce, wo er die Nachfolge von Spaniens Europameister-Trainer Luis Aragones antreten dürfte, soll der 55-Jährige einen Drei-Jahres-Vertrag erhalten und per annum 3,5 Millionen Euro netto verdienen. Bei den Rheinländern soll er zuletzt rund 2,5 Millionen Euro brutto kassiert haben.

Stimmung schlägt gegen Daum um

Der plötzliche Abschied von Daum hatte in Köln hohe Wellen geschlagen. Die Stimmung gegen ihn und seine Familie in der Domstadt sei sehr aggressiv. "Das Reizklima ist unfassbar. Es ist höchste Zeit, dass jemand die Reißleine zieht. Meine Kinder werden in der Schule attackiert, angemacht, angefeindet - einfach krank", sagte Daum der Bild-Zeitung.

Seine Kinder Jean-Paul (8) und Cara-Jolie (4), die in Köln-Hochkirchen die Internationale St. George School besuchen, müssten heftige Repressalien erdulden. "Sie werden attackiert und angemacht, nicht nur von Mitschülern, sondern sogar von Erwachsenen", berichtete Daum.