2009.06.15 Neuss : Last-Minute-Sieg für Brasilien

Rekord-Weltmeister Brasilien hat Afrikameister Ägypten beim Confederations Cup spät mit 4:3 (3:1) bezwungen. Kaka und Dortmunds Mohamed Zidan waren je zweimal erfolgreich.

pk
Mohamed Zidan (m.) im Duell mit Juan (r.)

Mit einem umstrittenen Handelfmeter in der Nachspielzeit hat Brasiliens Fußball-Zauberer Kaka den fünfmaligen Weltmeister beim Confed Cup in Südafrika vor einer Blamage bewahrt und dem Dortmunder Doppel-Torschützen Mohamed Zidan doch noch die Schau gestohlen. Der zweitteuerste Spieler der Welt erzielte den 4:3 (3:1)-Siegtreffer für den Titelverteidiger gegen Ägypten und brachte damit den Außenseiter um den Lohn seiner Arbeit.

Der Afrikameister will gegen das entscheidende Tor des ehemaligen Weltfußballers Kaka, der für 65 Millionen Euro vom AC Mailand zu Real Madrid wechselt, allerdings Protest einlegen. Nach Meinung der Ägypter hatte Schiedsrichter Howard Webb (England) nach der Rettungsaktion von Ahmed Al Muhamadi, der den Ball auf der Linie mit dem Oberarm abwehrte, zunächst auf Ecke entschieden. Der Vierte Offizielle habe nach Ansicht der Fernsehbilder auf Webb eingewirkt, die Entscheidung zu ändern.

"Gehen gegen die Art und Weise der Entscheidung vor"

"Soweit ich weiß, gibt es keine Regel, die den Videobeweis erlaubt", sagte Trainer Hassan Shehata: "Wir gehen nicht gegen die Entscheidung des Schiedsrichters vor, sondern gegen die Art und Weise, wie sie gefällt wurde. Sie wurde geändert, nachdem der Vierte Offizielle auf den Monitor gesehen hatte."

Kaka hatte zuvor nur einmal seine Genialität aufblitzen lassen: Beim Führungstor der Selecao in der fünften Minute düpierte der 27-Jährige fast die gesamte Abwehr des Afrikameisters. Doch Zidan schlug erfolgreich zurück: Zunächst glich der Bundesliga-Profi in der achten Minute aus, dann sorgte er in der 55. Minute für das 3:3. "Wir haben gezeigt, dass der afrikanische Fußball mit den Großen mithalten kann", sagte der Dortmunder.

Luis Fabiano vom FC Sevilla (11.) und der frühere Bundesliga-Profi Juan vom AS Rom (37.) hatten vor 27.851 Zuschauern in Mangaung/Bloemfontein per Kopf die zwischenzeitliche 3:1-Führung des Titelverteidigers erzielt. Ein Doppelschlag von Mohamed Shawky (54.) und Zidan innerhalb von 52 Sekunden ließ den Afrikameister von einer Überraschung träumen. Kakas Elfmeter nach einem Handspiel von Ahmed Al Muhamadi, der dafür die Rote Karte sah, bescherte den Brasilianern um Kapitän Lucio von Bayern München doch noch den erwarteten Auftaktsieg.

"Es war sehr schwer für uns", sagte Brasiliens Trainer Dunga und ergänzte mit Blick auf die beiden WM-Qualifikationsspiele in der vergangenen Woche: "Die Mannschaft ist sehr, sehr müde. Aber sie hat sich dank ihrer technischen Qualität am Ende doch noch durchgesetzt."

Kaka zeigt sein Potential

Der Rekordweltmeister könnte im zweiten Spiel der Gruppe B am Donnerstag (16.00 Uhr/live im DSF) in Tshwane/Pretoria gegen die USA bereits den Einzug ins Halbfinale perfekt machen. Außenseiter Ägypten trifft am selben Tag (20.30 Uhr/live im DSF) in Johannesburg auf Weltmeister Italien.

Schon nach knapp fünf Minuten zeigte Kaka, warum er Real so viel Geld wert ist. Nach einer Flanke von Robinho nahm er den Ball elegant an, hob ihn über Hani Said hinweg, ließ Waed Gomaa ins Leere treten und überwand Torhüter Essam El Hadary. Die Fans im Stadion und wohl auch seine Teamkollegen staunten noch über das Kabinettstückchen ihres Mittelfeldstars, als der Afrikameister bereits zurückschlug.

Nach einer Flanke von Mohamed Aboutrika sprang Daniel Alves am Ball vorbei, Zidan köpfte ungehindert ein. Doch auch die Antwort des Rekordweltmeisters ließ nicht lange auf sich warten: Nach einem Freistoß von Elano wuchtete Luis Fabiano den Ball zur erneuten Führung der Selecao ins Netz.

Die Brasilianer bemühten sich anschließend, mit schnellen und direkten Kombinationen das Mittelfeld zu überbrücken. Allerdings blieben die Angriffe meist in der massiven Abwehr der Ägypter stecken. Gefährlich wurde das Team von Coach Dunga vor allem bei Standardsituationen. Als große Schwachstelle entpuppte sich beim Favoriten die Abwehr.