2009.06.19 Neuss : Button visiert Sieg und Schumachers Rekorde an

Beim achten Formel-1-Rennen der Saison in Silverstone peilt Überflieger Jenson Button seinen siebten Sieg an. Dabei jagt der Brite gleich fünf Weltrekorde von Michael Schumacher.

jsor2
Rekordanwärter: WM-Spitzenreiter Jenson Button

Button hier, Button da, Button überall - das Vereinigte Königreich steht kopf, wenn der neue Formel-1-Herrscher Jenson Button in der Heimat Hof hält. Seit Nigel Mansell hat kein Brite die Massen derart elektrisiert. Mehr als 100.000 Zuschauer werden am Sonntag (14.00 Uhr MESZ/live bei Premiere und RTL) erwartet, wenn in Silverstone der wohl letzte Vorhang fällt.

"Das ist sein Titel. Keiner wird ihn mehr packen können", sagt Ex-Weltmeister Mansell. Button habe ganz harte Jahre und eine lange Lehre hinter sich gebracht: "Und nun passt endlich alles zusammen." Buttons Augen leuchten, wenn er von seinem Heimspiel spricht. "Ich komme als WM-Führender nach Silverstone, jedesmal wenn ich daran denke, habe ich ein Lächeln im Gesicht", meint der 29-Jährige.

Vettel im freien Training stark

Verfolger Sebastian Vettel zeigte sich derweil im freien Training gerüstet für das Duell mit dem Briten. Der 21 Jahre alte Heppenheimer war in 1:19,400 Minuten knapp zwei Hunderstelsekunden schneller als sein australischer Red-Bull-Teamkollege Mark Webber. Auf den dritten Rang in der Tageswertung fuhr überraschend Adrian Sutil aus Gräfelfing im Force-India-Mercedes (1:20,141).

Dagegen musste sich Button im Brawn-Mercedes mit Rang fünf zufrieden geben, Teamkollege Rubens Barrichello landete auf Position sieben. Drittbester Deutscher war Nico Rosberg (Wiesbaden/Williams-Toyota) auf Rang zehn. Timo Glock (Wersau/Toyota) wurde 15., Nick Heidfeld (Mönchengladbach/BMW-Sauber) landete auf Rang 17.

Buttons Aufstieg reif für Hollywood

Buttons märchenhafter Aufstieg hätte selbst in der Traumfabrik Hollywood nicht besser inszeniert werden können. Vor sieben Monaten stand er noch ohne Auto auf der Straße, jetzt fährt er mit Vollgas dem WM-Titel entgegen. Sechs von sieben Rennen hat Button gewonnen, in der WM-Gesamtwertung führt er mit 26 Punkten vor dem Brasilianer Rubens Barrichello (61:35), aber der ist ja nur sein Teamkollege. Sein schärfster "echter" Verfolger Sebastian Vettel hat auf Platz drei bereits 32 Zähler Rückstand.

Der WM-Titel scheint vergeben, jetzt greift Button nach gleich fünf Weltrekorden von Michael Schumacher. Schnellster Weltmeister: Schumacher eroberte 2002 die Krone im 11. von 17 Saisonrennen. Die meisten Saisonsiege: Schumi triumphierte 2004 gleich 13-mal. Siege in Folge: Schumacher gewann 2004 in sieben Rennen hintereinander. Die meisten Punkte: Schumacher holte 2004 den WM-Titel mit 148 Punkten. Der größte Vorsprung: Schumi lag 2002 Welten vor der Konkurrenz, nämlich 67 Punkte.

Jahrelang galt Button als große britische Hoffnung, aber dann kam nichts, nur ein einziger Sieg (Ungarn 2006) war die klägliche Ausbeute in 154 Rennen. Doch Button is back, den rasanten Aufstieg kann er aber selbst noch nicht richtig glauben: "Vor einiger Zeit wusste ich überhaupt nicht, wie es weitergeht, jetzt bin ich auf einmal WM-Favorit."

"Auf dieses Auto habe ich mein ganzes Leben gewartet"

Doch die Wochen der Ungewissheit haben Button zugesetzt. "Es war eine sehr schwierige Zeit. Da sitzt man alleine herum und denkt zuviel nach, das ist nicht gut", sagt der 29-Jährige. Doch das Feuer in ihm brennt wieder. Button: "Auf dieses Auto habe ich mein ganzes Leben gewartet. Ich fühle mich wie neu geboren."

Als er vor einem Jahr nach Silverstone kam, wurde Button kaum beachtet, stattdessen stand Landsmann Lewis Hamilton im Blickpunkt. "Natürlich war ich neidisch auf ihn. Aber nicht, weil er auch ein Engländer ist, sondern weil er Weltmeister wurde, das wollte ich auch werden", sagt Button.

Hamilton selbst weiß, dass er mit seinem Auto Glück hatte und dass Buttons Ergebnisse damals nichts mit mangelndem Können zu tun hatten. "Als ich mit dem Kartsport angefangen habe, hat Jenson in den höheren Rennserien absolut alles gewonnen. Wir wollten alle so sein wie er", sagt der McLaren-Mercedes-Pilot, der diesmal in Buttons Schatten steht.

Button genießt seine Hauptrolle in Silverstone. "Jeder Fahrer, der dort schon einmal gefahren ist, liebt den Kurs einfach, da er so schnell ist. Es ist zudem ein großartiger Kurs für die Fans", sagt der Local Hero voller Vorfreude. Teamchef Ross Brawn hat extra für das Heimspiel sein Wunderauto noch etwas verbessert. "Wir haben in aller Stille Fortschritte gemacht, wir fahren an diesem Wochenende mit neuem Front- und Heckflügel", sagt das "Superhirn."