2009.06.23 Neuss : Arminia-Präsident Schwick bleibt doch im Amt

Nachdem Hans-Hermann Schwick am Montag sein Amt als Präsident von Arminia Bielefeld zunächst niedergelegt hatte, stimmte er in der Nacht überraschend einer weiteren Amtszeit zu.

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Hans-Hermann Schwick (l.)

Schmierentheater, Provinzposse und Komödienstadl: Um 1.45 Uhr stand dem "Drei-Stunden-Rentner" Hans-Hermann Schwick jede Sekunde einer unglaublichen Nacht ins Gesicht geschrieben. "Ich war eine "lame duck" und hatte schon den Schreibtisch aufgeräumt. Ich bin der Überraschungspräsident. Das ist Wahnsinn", sagte der neue und alte Boss von Arminia Bielefeld völlig konsterniert.

Am Ende einer absurd chaotischen und tumultartigen Marathon-Jahreshauptversammlung ist der großartig angekündigte Neuaufbau beim Bundesliga-Absteiger zum peinlichen Aufbruch in die Vergangenheit geworden. Schwick wurde um 0.55 Uhr tatsächlich sein eigener Nachfolger.

Schwick macht erstmal Urlaub

Schwick ging 180 Minuten nach seinem von Standing Ovations begleiteten Rücktritt in die Amtsjahre 20 und 21 - und war (fast) schon wieder weg, obwohl der Verein im Chaos versinkt. "Ich werde drei Wochen Urlaub in Asien machen und mir dort so richtig die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Abflug ist am Montag", erklärte der 61-Jährige zur Verblüffung aller Anwesenden.

Keine 30 Sekunden zuvor hatte er noch das Dilemma der Ostwestfalen treffend beschrieben: "Was die Wirtschaft und ihre angekündigte Unterstützung angeht, kenne ich keine Summen und keine Bedingungen. Was die Trainerfrage angeht, muss ich mich erst mal mit Detlev Dammeier zusammensetzen."

Slomka wohl nicht mehr auf dem Zettel fürs Traineramt

Ein Engagement von Mirko Slomka bei der Arminia scheint momentan ausgeschlossen. "Wenn der Verein bis zum Trainingsauftakt am Donnerstag den Neuen vorstellen will, kann ich sagen: Ich bin es nicht. Es ist momentan sehr unwahrscheinlich, dass ich Arminia-Trainer werde", sagte Slomka dem SID: "Ich glaube auch nicht, dass es noch zu einer weiteren Kontaktaufnahme kommen wird."

Von der Stadthalle sollte am Montagabend ein Signal an die lokalen Großunternehmen Dr. Oetker, Schüco und Gerry Weber gesendet werden. Bielefeld sei nach turbulenten Wochen wieder handlungsfähig und sehe ohne die "alten Seilschaften" in die Zukunft - das Vorhaben endete im Desaster, die Außendarstellung war erneut desolat.

Drei der fünf Mitglieder des neuen Vorstands waren erst um 21. 30 Uhr zurückgetreten, Andreas Mamerow, Albrecht Lämmchen und Schwick. Der Kandidat der Wirtschaftsbosse, Klaus Daudel (63), war niedergeschrien worden vom aufgebrachten Plenum. Nach zehnstündigen Verhandlungen hatte Daudel Gegenkandidat Dirk Obermann, Favorit der internen Opposition "Kritische Arminen", zum Verzicht bewegt.

Kompromiss mit "Geschmäckle"

Was folgte, war eines Profiklubs unwürdig. Ein Kompromiss mit "Geschmäckle" (Obermann sollte einen bezahlten Finanz-Posten im Verein erhalten) wurde unter Beschimpfungen und "Daudel raus"-Rufen abgeschmettert. Obermann fühlte sich zu Unrecht diskreditiert und verkündete eine Stunde später doch seine Kandidatur: "Ich bin der bessere Präsident!"

Versammlungsleiter Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), schlug eine halbstündige Unterbrechung vor. Anschließend zog plötzlich Daudel die Kandidatur zurück und sagte später in Radio Bielefeld: "So ein Pöbel, das tue ich mir nicht an." Obermann war nun gar nicht mehr vorgesehen. Immerhin: "Wir haben gezeigt, dass man das Präsidentenamt nicht kaufen kann", sagte der neue Vize-Präsident Frank Kottmann.

Entscheidung potenzieller Sponsoren am Dienstag

Welchen Einfluss dies auf die Bereitschaft der Wirtschaft hat, die Arminia zu unterstützen, blieb offen. Vertreter dreier lokaler Großunternehmen (Dr. Oetker, Gerry Weber, Schüco) kamen am Dienstag zusammen, um eine Entscheidung zu fällen.

Vesper, der die Veranstaltung mit zynischen Kommentaren begleitete, schlug schließlich den finalen Kompromiss vor. Schwick wurde nach sechs Stunden per Blockwahl für zwei "letzte Jahre" gewählt und forderte einen "Schulterschluss aller Mitglieder für den Wiederaufstieg".

Applaus, aber auch gellende Pfiffe waren die Folge. Die tief gespaltene Mitgliedschaft erteilte dem neuen Präsidium mit 904:865 Stimmen die Zustimmung - wohl nur, um ein noch größeres Tohuwabohu zu verhindern.